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Lydia Malethon, Sabine Fladung: Rheingauer Küchengeschichten

Veröffentlicht am 04.06.2016

Der Untertitel "Lieblingsrezepte aus unserer Heimat" verrät es schon, hier wird nicht nur geplaudert - aber in Küchen schwätzt es sich eben so schön. Nicht ohne Grund sind Küchenpartys oder Chef's Tables (also die richtigen, nämlich exklusiven für nur 2-4 Personen in der richtigen Küche, nicht so ein Show-Küchen-Gedöhns mit langer Tafel...) so begehrt wie rar. Und endet jede gute Party irgendwann in der Küche.

Die "Rheingauer Küchengeschichten" (Cocon Verlag Hanau, 9,90 Euro) gucken dabei in Kochtöpfe und Bratenröhren, in die nicht jeder schaut, weil dort kein Sträußchen hängt (das "offizielle" Zeichen für eine Straußwirtschaft). Lassen Köche und Kochbegeisterte zu Wort kommen, die sonst nicht gefragt werden (weil sie meist gar nicht an einem offiziellen Herd stehen, sondern nur am eigenen). Und bringen einem die schon so oft beschriebene Genuss-Region mal ganz anders näher: Mit dem Herzblut zweier hier Geborener, die ganz genau wissen, dass der Rheingau nicht nur am Wochenende schmeckt, wenn die Touristen und Tagesausflügler für Weck, Worscht (wahlweise Spundekäs') und Woi einfallen. Und als vor langer Zeit aus Überzeugung Zugezogene und heimisch Gewordene, im Rheingau sagt man  "Hargeloffene", kann ich nur sagen - ach, was tut das Buch gut! So ist der Rheingau, auch dann, wenn er sich nicht fein heraus geputzt hat, wenn keine Sonne scheint, kein Weinfest lockt. So lebt man hier, so schwätzt man hier, so schmeckt es hier. Weswegen in dem handlichen Büchlein, das man übrigens ganz Reiseführer-like in die Handtasche stecken kann, Vorspeisen auch unter "Vorneweg" und Desserts bei "Hinnerher" zu finden sind. Denn Rheingauer Mundart, die gehört einfach zur hiesigen Küche dazu - genauso wie ein gutes Glas Rheingauer Wein (in meinem Fall am liebsten ein trockener Riesling).

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDer kleine Band mit seinen 156 Seiten ist so bunt und lebendig wie der mir so lieb gewordene Landstrich, dessen Lage man Fremden so schön erklären kann, weil eben nirgends sonst der Rhein von Osten nach Westen fließt. Die Geschichtchen - keine länger als eine Seite, da kann man fast schon von Appetithappen sprechen - sind so originell und einzigartig wie die Menschen, von denen sie erzählen (und die mal echte Rheingauer, dann zugezogene Rheingau-Fans, wie ich es bin, sind). Die Rezepte wiederum sind so köstlich und nachkochbar, dass man gestylte Food-Aufnahmen wie sie gewöhnlich Kochbücher ausmachen (und eine Optik zeigen, die mir persönlich in den seltensten Fällen ähnlich "stylisch" gelingt) gar nicht vermisst.

Es ist eben eins von diesen Büchern, das Lust auf eine Entdeckungsreise macht, obwohl oder gerade weil es kein echter Reiseführer ist - aber alle "Schnutedunker"-Sinne anspricht: Man hört förmlich den Rhein plätschern, das murmelnde Geplauder der Gäste am Weinprobierstand, das Ploppen, wenn der Kork aus der Weinflasche gezogen wird. Man scheint den Fluss, die Erden der Weinberge oder die Köstliches verheißendes Gerüche aus einem gekippten Küchenfenster zu riechen. Man hat regelrecht vor Augen wie cremig ein gut gemachter Spundekäs' daher kommt (von dem es hier zig streng gehütete Familienrezepte gibt, weswegen man ihn ruhig mal quer durch den Rheingau "verkosten" sollte!), wie kross die Blutwurstscheiben bei Himmel und Erd' angebraten werden oder wie schaumig aufgeschlagen eine Rieslingsuppe serviert wird.

Kurzum: Die "Rheingauer Küchengeschichten" sind ein Büchlein, mit dem man sich am besten in eine ruhigere Ecke einer Straußwirtschaft oder eines Gutsausschanks setzen sollte - um darin zu schmökern, während man bereits einen guten Schoppen genießt, aber noch auf das Essen wartet. Die Anregung, nach was man auf der Speisekarte Ausschau gehalten haben sollte, hat man im günstigsten Falle schon gelesen. Ansonsten wird's eben beim nächsten Mal bestellt. Oder daheim selbst gekocht.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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