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Angelesen         

Lesetipps, mal sachlich, mal unterhaltend - aber ums Reisen geht's irgendwie immer. Zumindest aber um Reiseziele.

Texterlei

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Toma Babovic/MartinTschechne: Auf den Spuren von Wilhelm Busch

Veröffentlicht am 10.10.2018

Der Beiname "Eine Bildreise" trifft es ganz wunderbar, denn dieses Buch aus dem Ellert & Richter Verlag ist nicht nur eine Biographie, sondern auch ein Bildband, der den Leser und Betrachter an die Hand nimmt, um in herrlich ruhigen großformatigen Fotos in die Heimat von Wilhelm Busch zu entführen – ins Schaumburger Land.

Dort, in dem kleinen Marktflecken Wiedensahl, wurde er geboren. Hierhin kehrte er immer wieder zurück, wohin Ausbildung und Beruf (oder sollte ich besser schreiben Berufung?) ihn auch immer wieder hin verschlagen haben.

Martin Tschechne erzählt das Leben des Satirikers, Humoristen und Komikers von seiner Jugend ebendort bis zu seinen letzten Tagen in Mechtshausen in knappen, doch detailreichen Kapiteln. Und in einer Sprache, die so sicher und treffend jenen Zeichner und Geschichtenerzähler beschreibt wie wiederum dessen feine Striche seinen Figuren ihr einzigartiges Leben und Charakter einhauchten. Ich gestehe, ich habe schon lange nicht mehr so oft einzelne Sätze extra laut gelesen, weil Worte so wunderbar gesetzt waren.

Und die Bilder von Toma Babovic, die von historischen Fotografien und eingestreuten Zeichnungen sowie Gemälden Buschs ergänzt werden? Sie entführen genau in jenes beschaulich-ländliche Niedersachsen, dem Wilhelm Busch einerseits immer wieder entfloh und das andererseits der Ruhepol und Rückzugsort seines ganzen Lebens (und vor allem Schaffens) war. Da ich im Sommer selbst dort unterwegs gewesen bin, kann ich nur sagen: Treffender hätte man das Land und die Region nicht einfangen können.

Kurzum, eine schöne Bildreise durch ein Leben und eine Landschaft, der man gerne folgt. Genau das passende Geschenk für jemanden, der schon einmal dort war. Im Schaumburger Land, in Wiedensahl.

Oder der Wilhelm Busch liest und mag. Und seine Sicht der Dinge, sein pointiertes, überspitztes, doch so treffendes und und manchmal auch gnadenlos offenlegendes Fokussieren und Reflektieren. Mit knappen, vordergründig schelmischen Worten und nur scheinbar federleichten, doch genau gesetzten Bilderstrichen.

Tom Hillenbrand: Der Kaffeedieb

Veröffentlicht am 10.08.2018

Anfang Oktober ist es wieder soweit – dann wird hierzulande seit 2006 pünktlich zum Monatsanfang der "Tag des Kaffees" gefeiert. Kein Wunder, Deutschand ist schließlich ein Kaffeeland: Rund 162 Liter Kaffee trinken wir Bundesbürger laut Deutschem Kaffeeverband jährlich im Schnitt pro Kopf, und damit deutlich mehr als jedes andere Getränk. Kaffee habe damit sogar Wasser und Bier abgehängt! Gelesen habe ich auch, dass 86 Prozent aller Erwachsenen hierzulande mindestens einmal täglich Kaffee trinken. Weltweit gesehen lägen wir Deutschen daher voll im Trend, denn jedes Jahr würden auf dem gesamten Globus rund 400 Milliarden Tassen Kaffee getrunken. Die Kaffeebohne sei so zum zweitmeist genutzten Rohstoff hinter Öl geworden.

Doch der koffeinhaltigen schwarz-braunen Brühe wird nicht nur bei uns gehuldigt – und längst nicht überall am 1. Oktober. Brasilien etwa feiert im Mai. In den USA, wo gefühlt jeder mit einen coffee to go rumläuft, und die mit einem Rohkaffee-Verbrauch von 4,1 kg pro Kopf übrigens noch unter dem EU-Durchschnitt von 4,8 kg liegen und damit sogar deutlich unter dem deutschen Durchschnittsverbrauch von 6,4 kg (diese Werte hatte der Deutsche Kaffeeverband bereits 2010 genannt), begeht man den "Tag des Kaffees" bereits am 29. September. Italien und Frankreich, die doch so gerne ihren Espresso und Café au lait zelebrieren, haben sich noch nicht zu einem koffeinhaltigen "Feiertag" durchringen können; hingegen die Österreicher, die mit Einspänner, Mokka, Melange und Co. sowie einer großen Kaffeehaus-Tradition punkten, auch am 1. Oktober feiern.

Kurz gesagt: Nicht nur in deutschen Landen spielt das aromatische Getränk seit langem und beharrlich (s)eine aufmunternde Rolle. Dabei schlürften es im 15. Jahrhundert zunächst nur die Araber und das anfangs zunächst nur aufgrund seiner anregenden medizinischen Wirkung. Erst dann kam der Genuss hinzu. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Kaffeehäuser zaghaft peu à peu in ganz Europa en vogue. Im 17. Jahrhundert eroberte die Kaffeebohne endgültig den Okzident. Jeder wollte Kaffee trinken (vor allem aber auch gewinnbringend anbauen und verkaufen) – und irgendwann wurde das Monopol der Türken, in deren Hoheitsgebiet damals die originär rein arabischen Kaffeeplantagen lagen, listig gebrochen und jeder kam dran. Nun ja, fast. Denn Kaffee wächst ja nicht überall, aber eben auch sehr gut in den damaligen spanischen und niederländischen Überseekolonien. Seither trinkt man ihn überall. Ob schwarz, mit Zucker, Milch oder Gewürzen, gefiltert oder mit Satz, jede Nation schwört heute auf ihre eigenen Kaffee-Rituale. Auch wir Deutschen, wo 1673 in Bremen das erste Kaffeehaus eröffnete. Und der berühmte Filterkaffee à la Melitta Bentz wurde von der Dresdnerin erstmals 1908 aufgebrüht.

Und warum erzähle ich das alles? Weil ich während langer Autobahnkilometer ein wunderbares Hörbuch über die kultige Bohne genossen habe. Eines, bei dem ich unterwegs bei Stopps mal wieder betont langsam Fahrtenbuch geschrieben und meinen Kram zusammengepackt habe, um ein Kapitel fertig hören zu können. Um schließlich am Ende der Reise doch noch 20 Minuten in der Garage im Wagen sitzen zu bleiben, um es fertig hören zu können. Wie es heißt? "Der Kaffeedieb"! Nach dem gleichnamigen Roman von Tom Hillenbrand.

Der entführt in das Jahr 1863 – und so auch das Hörbuch: "Europa befindet sich im Griff einer neuen Droge. Ihr Name ist Kahve. Sie ist immens begehrt – und teuer, denn die Osmanen haben das Monopol darauf. Und sie wachen streng darüber. Aber ein junger Engländer hat einen waghalsigen Plan: Er will den Türken die Kaffeebohnen abluchsen …

Lange haben die Europäer das Heidengebräu verschmäht und lieber Bier getrunken, aber am Ende des 17. Jahrhunderts verfällt Europa dem Kaffee. Philosophen in London, Gewürzhändler in Amsterdam und Dichter in Paris: Sie alle treffen sich in Kaffeehäusern und konsumieren das Getränk der Aufklärung.

Aber Kaffee ist teuer. Und wer ihn aus dem jemenitischen Mokka herausschmuggeln will, wird mit dem Tod bestraft. Der Mann, der es trotzdem wagen will, ist der junge Obediah Chalon, Spekulant, Händler und Filou. Er hätte allen Grund sich umzubringen, nachdem er an der Londoner Börse Schiffbruch erlitten hat. Nur ein großes Geschäft, ein ganz großes, könnte ihn vor dem Ruin bewahren. Und so geht er aufs Ganze: Mit finanzieller Unterstützung der Vereinigten Ostindischen Compagnie stellt er eine Truppe internationaler Spezialisten zusammen, um den Türken den Kaffee zu klauen. Die spektakuläre Reise scheint zunächst zu gelingen, doch dann sind immer mehr Mächte hinter ihnen her …"

Ich verspreche, mit dem Kaffeedieb Obediah und seinen Kumpanen geht es auf eine ebenso große wie rasante Reise quer durch Europa bis auf die Arabische Halbinsel – und zurück. Es gibt jede Menge Abenteuer zu bestehen, aber auch allerlei geschichtliche Fakten zu erfahren, bei denen man viel über Kaffee lernt. Vom Anbau bis zum Trinken. Und man findet sich, wie sollte es bei Hillenbrand anders sein, in einem spannenden (letztlich lukullischen) Wirtschaftskrimi wieder – aber diesmal eben auch in einem farbenprächtigen Historien-Roman.

Fazit: Das (Hör-)Buch ist ganz großes Kopfkino, zu dem Sprecher Hans Jürgen Stockerl seinen Teil beiträgt. Auch nach über 700 Minuten, sprich 12 Stunden, war ich seiner Stimme nicht müde. Und das über den größten Teil meiner Fahrt- und Hörstrecke sogar ganz ohne Kaffee. Kaum zu glauben.

Peggy Günther: KREUZFAHRT-KNIGGE für die Frau von Welt

Veröffentlicht am 08.05.2018

(c) Verlag(c) VerlagIch liebe Bücher. Gut gemachte sowieso. Also nicht nur inhaltlich, sondern vor allem solche, die optisch wie haptisch Lust aufs Lesen machen. Wo Grafik und Gestaltung auf einer Wellenlänge mit dem Autor und Inhalt lagen und so schon die Aufmachung überzeugt – neben dem ansprechenden Titel.

Auf dieses prickelnde Gefühl, der/die Erste zu sein, der das Cover genau dieses Buches in genau diesem Moment öffnet, um sich dann Seite für Seite tiefer hinein zu versenken. Wohlwissend, dass dies zwar etliche Leute irgendwo in diesem Augenblick auch tun könnten. Aber eben nicht mit meinem Exemplar, das in jenem Augenblick noch so jungfräulich und ungelesen vor mir liegt.

Sorry, kein E-Book-Reader dieser Welt kann da mithalten, wenn ein solcher im Zweifelsfall auch für meine rheumatischen Hände und all die Kilo Lesestoff, die ich schon mit mir rumgeschleppt habe, eine gute – zumindest leichte – Alternative wären.

Da liegt es also vor mir: Das erste Buch meiner Journalistenkollegin Peggy Günther.

Was für ein Cover! So schön!! Ganz im Stil jener Tage, als die Transatlantikpassagen groß in Mode waren (also die 1920er und 1930er Jahre), es aber die modernen Cruiseliner von heute, die statt kleiner schwimmender Hotel große Destinationen sind (Kleinstädte sozusagen mit Freizeitpark, Shoppingmall, Hotel und und und), noch nicht gab. Und man nicht nur auf Schiffen arbeitete oder auswanderte, sondern "einfach so" bequem von A nach B schipperte, Verzeihung: reiste. Weil Linienflüge eben auch noch nicht jedermanns, Verzeihung: -frau Sache waren. Wie auch die Schiffsplanken dieser Welt nicht immer jedermanns, Verzeihung: -frau Sache sind – aber womöglich doch werden sollen. Und genau für die ist der "Kreuzfahrt-Knigge für die Frau von Welt" gedacht (14,95 Euro). Nomen est omen.

Denn wie auf dem gesellschaftlichen Parkett kann man auch an Deck, Verzeihung: an Bord ins Stolpern kommen, wenn man die ganzen "DOs AND DON’Ts AUF HOHER SEE", so der bezeichnende Untertitel, auf den sieben Weltmeeren (noch) nicht (alle) kennt. Ich gestehe, ich hatte da auch einige Wissenslücken, die es zu schließen galt. Obwohl ich es immerhin doch schon mal auf acht Tage um Westeuropa gebracht habe und eine kurze Donaureise von Budapest bis Bukarest. Man, Verzeihung: frau muss halt klein anfangen …

Also auf 1, 2, 3 Fragen auf der Buchrückseite hatte ich demnach erste Antworten: Wie fühlt sich eine Seereise eigentlich an (mein Auftakt war ein Sturm im Ärmelkanal … war also eher bescheiden)? Wie findet man das richtige Schiff und die schönste Route (da hatte ich damals keine große Wahl, weil kurzentschlossen und zeitlich unflexibel)? Was sollte man bei der Buchung beachten? Was muss unbedingt in den Koffer? Und welches sind die schönsten Kreuzfahrtreviere für Einsteiger und Fortgeschrittene? Bei den meisten Fragen haben mich daher einfach mal in die Hände von Peggy Günther begeben: Vom Bikini im Handgepäck bis zur Schlankformel trotz 24-Stunden-Büfett, von Klassikern bis Traumreisen – in ihrem ebenso informativen wie unterhaltsamen Ratgeber für Kreuzfahrerinnen und Frauen, die es werden wollen, findet alles seinen Platz. Auch ein Glossar mit Eindruck schindenden Fachausdrücken, mit denen man, Verzeihung: frau teils ein klein wenig angeben kann – und auf den Punkt gebrachte Miniportraits von Hochsee- wie auch Flusskreuzfahrtanbietern.

Und das vor allem nicht nur mit charmant-ansprechender Schreibe (etwa im offen-ehrlichen einleitenden Kapitel "Vor-und Nachteile eine Kreuzfahrt", sowie mit direkter Wir-Anrede), sondern auch bis zum letzten Buchblatt mit ansprechender Typographie, dezent platzierten, maritimen Elementen, sowie schlichten, dennoch auffallenden kleinen Exkursen (mit Themen, die man, Verzeihung: frau geschickt beim nächsten Tischgespräch einfließen lassen kann und dann ein wenig mehr "schiffserfahren" klingt) und schönen, grafischen Zwischenseiten fürs Auge man, Verzeihung: frau freut’ s. Es geht eben auch ohne Farbe, Fotos und Brimborium. Soviel zum Thema gut gemachte Bücher.

Wenn Form und Inhalt zueinander passen, schmökert man umso lieber. Und lehrreicher. Und lernt in diesem Fall allerlei zu Stil- und Etikette-Fragen wie sie anno dazumal Freiherr Knigge so vermutlich zwar nicht geschrieben hätte – aber der lebte ja auch im 18. Jahrhundert. Und man, Verzeihung: frau will ja nun im 21. Jahrhundert gut gerüstet einschiffen (weswegen dem Unterkapitel "Packen" in den "Reisevorbereitungen" auch detailreich mehr Seiten gewidmet sind) – oder!?

Eines kann ich nach dem Zuklappen der letzten Seite sagen: Das Büchlein ist eine ideal-stilvolle Geschenkidee, für alle angehenden wie bereits erfahrenen Kreuzfahrerinnen! Sehr kompakt-informativ, dabei auch für Einsteiger nie überfordernd oder belehrend, bewusst aus weiblicher Perspektive geschrieben, aber garantiert nicht feministisch. Und sollte es zufällig mal ein Herr der Schöpfung in die Hand nehmen, so kann er gewiss sein – auch für ihn ist viel Kenntnis- wie Lehrreiches dabei! Versprochen. Zumal sie, die Herren, durchaus drin vorkommen. Als Gentleman Host etwa. Oder im Bademantel. Doch was es damit auf sich hat, soll jede(r) selbst lesen ...

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt; vielen Dank an Peggy Günther für die Vermittlung.

Sabine Fladung, Lydia Malethon: Neunundneunzig Mal Rheingau

Veröffentlicht am 03.05.2018

(c) Cocon Verlag(c) Cocon VerlagIn doppelseitigen Happen servierte Stadt- oder Regionenportraits mit einer kompakten Textseite plus einer ansprechenden Fotoseite liegen im Trend – und auch der Rheingau findet sich bereits in zwei etablierten Reihen derart dargestellt wieder:

Inzwischen auf weit über 200 Ausgaben ist die Themenreihe "111 Orte in XYZ, die man gesehen haben muss" des Kölner Emons Verlags angewachsen, von der ich denn auch HP Mayers "111 Orte im Rheingau, die man gesehen haben muss" bereits im Bücherregal stehen haben (16,95 Euro). Auch in der wunderbaren Reihe "Lieblingsplätze zum Entdecken" des Gmeiner-Verlags (vielen Lesern auch durch die Veröffentlichung regionaler Krimis bekannt) ist ein Band über meine Wahlheimat erschienen. Allerdings wartet Susanne Kronenbergs "Wiesbaden – Rheingau-Taunus – Rheingau. 66 Lieblingsplätze und 11 Winzer" (14,90 Euro) noch darauf, in meinen Haushalt und mein Bücherregal zu gelangen.

Dort, also in meinen Haushalt und Bücherregal, frisch eingetroffen ist dafür aber das zweite Buchprojekt der beiden Rheingau(er) Freundinnen Sabine Fladung und Lydia Malethon, deren Erstlingswerk "Rheingauer Küchengeschichten" (Cocon Verlag Hanau, 9,90 Euro) in Kochtöpfe und Bratenröhren guckte, in die nicht jeder schaut, weil dort kein Sträußchen hängt – so das "offizielle" Zeichen für eine Rheingauer Straußwirtschaft. Dort haben die beiden Autorinnen Köche und Kochbegeisterte zu Wort kommen, die sonst nicht gefragt werden. Der Untertitel "Lieblingsrezepte aus unserer Heimat" verrät es gleich, hier wird glücklicherweise nicht nur geplaudert … und ich habe es gern gelesen und auch schon mehrfach verschenkt.

Nun sind die beiden also erneut auf Streifzug durch ihre Heimat gegangen, wieder für den Cocon Verlag Hanau, diesmal für dessen "99 Orte-Reihe": Nach Gießen & Gießener Land, Offenbach, Mainz und Frankfurt wie im Film ist mit "Neunundneunzig Mal Rheingau. Orte, Menschen, Bilder, Geschichten" der nunmehr fünfte Band dieser Stadt- und Regionen-Portrait-Serie erschienen (14,80 Euro).

Auf 208 Seiten nehmen die zwei waschechten Rheingauerinnen den Leser zwischen Lorch und Wiesbaden darin ebenso kundig wie unterhaltsam an die Hand, zeigen das historisch gewachsene Kultur(wein)land in all seinen Facetten (samt Anekdötchen und Fakten) und geben obendrein allerlei Tipps zur kulturellen wie "lehrreichen" Freizeitgestaltung, für die schmackhafte wie trinkfreudige Einkehr oder zum Wandern zwischen Rhein und Reben. Herausgekommen ist ein bunter Erlebnisführer, der für Zugereiste und Reisende gleichermaßen allerlei bereit hält, was hilft, sich die Region besser zu erschließen und hier rascher "anzukommen". Ehrlich gesagt kam mir beim Schmökern sofort in den Sinn, dass das Büchlein das ideale Präsent für Neubürger, sprich Wahlrheingauer sei!

Aber auch immer wiederkehrende Tagesausflügler aus dem Rhein-Main-Gebiet machen nichts verkehrt, das Büchlein im Handschuhfach liegen zu habe – weil es eben nicht nur um berühmte Weingüter und Klöster, Aussichtspunkte und Events geht, sondern auch um manches am Wegesrand, das man sonst womöglich nie beachten würde (weil man es so auch nicht hier erwartet oder eben die Zusammenhänge bzw. Hintergründe nicht kennt). Man lernt obendrein allerlei Menschen kennen, die den Rheingau geprägt haben und/oder bis heute dafür sorgen, dass diese Region so einzigartig ist wie sie immer war (ob sie nun den Pinsel schwingen, den Zapfhahn bedienen, önologisch wie marketingstechnisch neue Wege gehen oder mit dem Pilgerstab unterwegs sind).

Kurzum: Auch ich als schon länger hier Beheimatete bin auf meine Kosten gekommen. Vor allem erwies sich das Büchlein als idealer Planungshelfer, was einem bevorstehenden Besuch, der erstmals in diesen wunderbaren Landstrich kommt, als Erstes zeigen. Und was für weitere Besuche aufheben und/oder als As im Ärmel zu haben. Und damit ich genug zum Parlieren habe, werde ich mir so manche Doppelseite noch mal kurz vorher flink zu Gemüte führen, damit ich auch nichts Falsches erzähle – ob es nun um Kappes oder Spundekäs geht, um Bettina oder Hildegard, WineBANK oder Weinerlebnis. Was sich dahinter genau verbirgt? Verrat ich nicht, selber lesen macht schlau! Und ausprobieren (orts)kundig.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt; vielen Dank an Lydia Malethon für die Vermittlung.

Reinhard Tiburzy: DuMont direkt Brüssel

Veröffentlicht am 02.03.2018

Vorfreude ist die schönste Freude! Es gibt sogar Studien die belegen, dass dem vor allem dann so ist, wenn es sich dabei um ein Erlebnis handelt. Eine anstehende Reise zum Beispiel. Oder ein Konzertbesuch.

Ich persönlich steigere eben diese meine Vorfreude mit kleinen Vorbereitungen. Wenn es auf Reisen geht, gehört das Einlesen dazu. Unbedingt. Und zwar ganz altmodisch mit einem gedruckten Reiseführer. Und nein, ich leihe mir diesen nicht bei Freunden aus, die vielleicht vor kurzem erst dort waren – ich hätte gerne einen jungfräulichen. Selbst gekauft. Ganz für mich. Ungelesen.

Mit diesem besonderen Duft eines neuen Buchs. Anfangs schwer zu blättern, weil es noch nie ein Leser richtig aufgeschlagen und mit dem Finger die Falz langgefahren ist. Vor allem aber noch ohne Gebrauchsspuren, dafür offen für alles, was ich mit ihm anstelle: Ich möchte den Reiseführer erkunden, wie ich das Ziel erkunden werde. Mit ihm Dinge entdecken, wie ich dort vor Ort rumlaufen und mir vieles "in echt" ansehen werde. Leuchtende Textmarkerstellen treffen dann auf gekritzelte Anmerkungen und eingeklebte Post-its, was ich wo im Internet noch nachrecherchiert und für mich um weitere Infos ergänzt habe. Dazugehörende Faltkarten, die am Ende der Reise deutliche Gebrauchs- und Andersknickspuren tragen werden, sind sowieso ein Muss. Und später werden einige Tickets und anderes mehr dafür sorgen, dass sein Volumen etwas zugenommen hat. Herrlich!

Aktuell liegt der kompakte DuMont direkt Brüssel griffbereit in meiner Nähe und entführt mich immer mal wieder, kurzzeitig und seitenweise in die Welt von Magritte und Manneken Pis, Jugendstil und Europaviertel, Comic-Kultur und knusprigen Fritten. Autor Reinhard Tiburzy nimmt mich dafür mit auf 15 Wege durch die Stadt, die ich in meinem 48 Stunden dort sicherlich so nicht schaffen werden – mir aber die Qual der Wahl ein wenig abnehmen, auf was ich mich konzentrieren sollte und auf welchen Pfaden ich ihm doch wenigstens teilweise folgen könnte. Mit einem Tipp in der Rubrik "Das Beste zu Beginn" hat er mich schon gleich gepackt: Ja, ich will hoch hinaus, um etwas Überblick zu bekommen, aber es muss nicht das Atomium sein. So werde ich also – Achtung, Vorfreude! – dem sogenannten MIM aufs Dach steigen. Denn ein Musikinstrumentenmuseum, das auch noch in einem Jugendstilgebäude untergebracht ist, ist genau meins.

Wie der Reiseführer überhaupt. Denn es hat sich viel getan bei der Serie DuMont direkt. Ein Jahr ist seit dem jüngsten Relaunch vergangen, der auch diesmal mehr ist als ein optisches Facelifting. Die kompakte Reiseführer-Reihe gibt es schließlich schon 20 Jahre, hieß 1997 noch DuMont Extra und wurde schon zweimal, 2004 und 2011, überarbeitet. Nun also auf ein Neues – und ich muss sagen, mir gefällt die neue, auch im Layout aufgegriffene Kompass-Idee. Kleine Häppchen-Seiten wie (in meinem Fall) "Brüssel in Zahlen" oder "Kennen Sie die?" locken einen ins Buch rein. Kurzum: Obwohl der Guide lockerer und spielerischer in Machart und Sprache daherkommt als einige andere "liebevoll zerlesene" DuMont direkt Ausgaben im meinem Bücherregal (zu anderen Städten) – ich fühle mich abgeholt, an die Hand genommen, gut vorbereitet. Und verspüre einmal mehr Vorfreude.

Die hat auch übrigens jener Freund gesteigert, den es beruflich dorthin verschlagen hat und den ich besuchen werde: Per Post trafen dunkle Schokoladen-Pralinen ein. Mmh! Da muss ich doch gleich noch mal nachlesen, was "Stöbern & Entdecken" dazu sagt, welchem Chocolatier man wo über die Schulter schauen kann …

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