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Reinhard Tiburzy: DuMont direkt Brüssel

Veröffentlicht am 02.03.2018

Vorfreude ist die schönste Freude! Es gibt sogar Studien die belegen, dass dem vor allem dann so ist, wenn es sich dabei um ein Erlebnis handelt. Eine anstehende Reise zum Beispiel. Oder ein Konzertbesuch.

Ich persönlich steigere eben diese meine Vorfreude mit kleinen Vorbereitungen. Wenn es auf Reisen geht, gehört das Einlesen dazu. Unbedingt. Und zwar ganz altmodisch mit einem gedruckten Reiseführer. Und nein, ich leihe mir diesen nicht bei Freunden aus, die vielleicht vor kurzem erst dort waren – ich hätte gerne einen jungfräulichen. Selbst gekauft. Ganz für mich. Ungelesen.

Mit diesem besonderen Duft eines neuen Buchs. Anfangs schwer zu blättern, weil es noch nie ein Leser richtig aufgeschlagen und mit dem Finger die Falz langgefahren ist. Vor allem aber noch ohne Gebrauchsspuren, dafür offen für alles, was ich mit ihm anstelle: Ich möchte den Reiseführer erkunden, wie ich das Ziel erkunden werde. Mit ihm Dinge entdecken, wie ich dort vor Ort rumlaufen und mir vieles "in echt" ansehen werde. Leuchtende Textmarkerstellen treffen dann auf gekritzelte Anmerkungen und eingeklebte Post-its, was ich wo im Internet noch nachrecherchiert und für mich um weitere Infos ergänzt habe. Dazugehörende Faltkarten, die am Ende der Reise deutliche Gebrauchs- und Andersknickspuren tragen werden, sind sowieso ein Muss. Und später werden einige Tickets und anderes mehr dafür sorgen, dass sein Volumen etwas zugenommen hat. Herrlich!

Aktuell liegt der kompakte DuMont direkt Brüssel griffbereit in meiner Nähe und entführt mich immer mal wieder, kurzzeitig und seitenweise in die Welt von Magritte und Manneken Pis, Jugendstil und Europaviertel, Comic-Kultur und knusprigen Fritten. Autor Reinhard Tiburzy nimmt mich dafür mit auf 15 Wege durch die Stadt, die ich in meinem 48 Stunden dort sicherlich so nicht schaffen werden – mir aber die Qual der Wahl ein wenig abnehmen, auf was ich mich konzentrieren sollte und auf welchen Pfaden ich ihm doch wenigstens teilweise folgen könnte. Mit einem Tipp in der Rubrik "Das Beste zu Beginn" hat er mich schon gleich gepackt: Ja, ich will hoch hinaus, um etwas Überblick zu bekommen, aber es muss nicht das Atomium sein. So werde ich also – Achtung, Vorfreude! – dem sogenannten MIM aufs Dach steigen. Denn ein Musikinstrumentenmuseum, das auch noch in einem Jugendstilgebäude untergebracht ist, ist genau meins.

Wie der Reiseführer überhaupt. Denn es hat sich viel getan bei der Serie DuMont direkt. Ein Jahr ist seit dem jüngsten Relaunch vergangen, der auch diesmal mehr ist als ein optisches Facelifting. Die kompakte Reiseführer-Reihe gibt es schließlich schon 20 Jahre, hieß 1997 noch DuMont Extra und wurde schon zweimal, 2004 und 2011, überarbeitet. Nun also auf ein Neues – und ich muss sagen, mir gefällt die neue, auch im Layout aufgegriffene Kompass-Idee. Kleine Häppchen-Seiten wie (in meinem Fall) "Brüssel in Zahlen" oder "Kennen Sie die?" locken einen ins Buch rein. Kurzum: Obwohl der Guide lockerer und spielerischer in Machart und Sprache daherkommt als einige andere "liebevoll zerlesene" DuMont direkt Ausgaben im meinem Bücherregal (zu anderen Städten) – ich fühle mich abgeholt, an die Hand genommen, gut vorbereitet. Und verspüre einmal mehr Vorfreude.

Die hat auch übrigens jener Freund gesteigert, den es beruflich dorthin verschlagen hat und den ich besuchen werde: Per Post trafen dunkle Schokoladen-Pralinen ein. Mmh! Da muss ich doch gleich noch mal nachlesen, was "Stöbern & Entdecken" dazu sagt, welchem Chocolatier man wo über die Schulter schauen kann …