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Abgestiegen: Prickelnde Erlebnisse im Sektkeller von Henkellsfeld

Veröffentlicht am 13.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerMit dem Rheingau ist das so eine Sache. Eigentlich ist sein Gebiet definiert, uneigentlich sehen das viele etwas anders. Seine (Wein-)Kulturlandschaft erstreckt sich rechtsrheinisch etwa von Hochheim bis Lorchhausen und zieht sich von den Höhen des Taunushauptkammes hinunter bis zum Rhein. Dieser wiederum wird hier für 30 Kilometer einmalig aus seiner sonstigen Süd-Nord-Ausrichtung abgelenkt und fließt etwa ab dem Main-Zufluss bis zum sogenannten Binger Loch von Osten nach Westen – und exakt jener Teil ist für die meisten Rheingauer, wie auch viele Besucher, eben "der" Rheingau. Dank dieser Laune der Natur dominiert hier der Südhang und macht den Rheingau zu dem, was er ist: Eine sonnenreiche Weinregion mit jahrhundertealter Tradition.

Was viele gern "verdrängen": Zum einen ist auch der steile Einschnitt des Rheins vom Binger Loch bis flussabwärts nach Lorchhausen Teil dieser Landschaft, wo der Rhein eben längst wieder seinen üblichen Weg nach Norden nimmt. Zum anderen zählen auch die Orte und Lagen östlich von Walluf, das gemeinhin als "Pforte des Rheingaus" tituliert wird, zum eben jenen. Während es der sogenannte Freistaat Flaschenhals bei Lorch und Lorchhausen geschafft hat, bei aller räumlichen Verbundenheit zum Mittelrhein als Teil des Rheingaus wahrgenommen zu werden, scheint das vor den Toren Wallufs nicht immer zu gelingen. Dabei gehören auch die Weinberge von Wiesbaden und am nördlichen Mainufer bei Hochheim, Flörsheim und Wicker seit jeher dazu. Wie es auch das deutsche Weingesetz definiert und den Rheingau in diesem Umfang als eine der 13 Weinbauregionen hierzulande führt.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWenn man nun eine Wein- oder Sekt(keller)führung in Wiesbaden bucht, darf man also mit dem Brustton der Überzeugung sagen, man sei im Rheingau unterwegs. Wofür auch historische Verflechtungen sprechen:

So liegt beispielsweise auf dem 245 Meter hohen Wiesbadener Hausberg, dem Neroberg, neben der vielbewunderten historischen Nerobergbahn von 1888, dem vielfotografierten Monopteros (einem 1851 erbauten Aussichtstempel mit grandiosem Panoramablick über Wiesbaden bis nach Mainz) und dem an heißen Tagen vielbesuchten Opelbad (1934 im Bauhausstil gebaut), auch Weinberge, auf denen demnach Rheingauer Wein wächst.

Erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts für den Weinbau gerodet, ist der Neroberg damit einer der wenigen innerstädtischen Weinberge Deutschlands (das nächste Beispiel, der Lohrberg, befindet sich übrigens in Frankfurt am Main). Bis 2005 von der Stadt Wiesbaden bewirtschaftet, wird er seither (wieder) von den Weinanbau-Experten der Domäne Rauenthal der Hessischen Staatsweingüter betreut. Denn was wenige wissen: Bis heute liegen Weine aus dem Neroberg in der Schatzkammer von Kloster Eberbach – und reichen bis in das Jahr 1893 zurück! Und: Auf dem Neroberg kann man an ausgewählten Terminen sogar an öffentlichen Führungen samt Weinprobe teilnehmen.

Viel mehr noch als mit Wein verbindet man Wiesbaden jedoch mit Sekt. Und wenn auch im "eigentlichen" Rheingau einige Sektkellereien sitzen (etwa Schloss Vaux in Eltville oder Ohlig in Rüdesheim), es prickelt bekanntermaßen vor allem in der hessischen Landeshauptstadt.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDas hat sehr viel mit einem weitläufigen Gelände im Stadtteil Biebrich unweit der A66 zu tun, das optisch mehr Menschen kennen als sie es de facto wirklich wissen: Denn einige der TV-Spots rund um "Henkell trocken" spielen oft nicht irgendwo – sondern gerne mal im Marmorsaal des historischen Stammhauses der Sektkellerei Henkell & Co. Wiesbaden von 1909 ebendort! Und bei den Werbe-Trailern zum sortenreinen Sektgenuss "Fürst von Metternich Rieslingsekt", der ebenfalls zu Henkell gehört, erscheint nicht ohne Grund Schloss Johannisberg im Rheingau – der Basiswein kommt von dort. Mehr "richtig" Rheingau geht also nicht, wurde dort doch sogar die Spätlese entdeckt.

Der ideale Ort demnach, um mehr über Tirage, Dosage und degorgieren, Cuvée, Eisbad und Flaschengärung oder auch den Moussierpunkt zu erfahren, der für den schönen Perleffekt im Sektglas verantwortlich ist. Also ab aufs sogenannte Henkellsfeld, wie die Biebricher Produktionsflächen der Sektkellerei von Einheimischen meist genannt werden.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIn etwas mehr als einer Stunde erfährt man dort bei einer Führung nicht nur, wer der Gründer des Hauses war und was es mit der Architektur des Hauses auf sich hat –

steigt man doch nach einer prickelnden Begrüßung im Marmorsaal hinab in den sieben Stockwerke umfassenden historischen Wein- und Sektkeller, wo man dann die Arbeitsschritte der Versektung erklärt bekommt zwischen gestern und heute. Und am Ende der Tour wirft man auch einen Blick auf die modernen Abfüllanlagen und bekommt zudem einen Überblick über die Vielfalt der prickelnden Produkte, die Henkell heute weltweit in über 100 Staaten exportiert und unter dem Namen "Pearls of Europe" vermarktet.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerKleiner Tipp: Öffentliche Rundgänge gibt’s jeden Samstagmittag und an ausgewählten Terminen auch am Sonntagvormittag um elf Uhr. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl sollte man rechtzeitig ein Ticket buchen. Die beiden Angebote werden exklusiv über Wiesbaden Marketing vertrieben, nur Gruppenabsprachen laufen direkt. Einziger Wermutstropfen dann? Der Henkell-Shop, wo man neben allen Henkell-Sekten auch die Weine der zum Konzern gehörenden Rheingauer Weingüter Schloss Johannisberg und G.H. von Mumm kaufen kann, hat nur werk- und samstags geöffnet.

Wer, wie ich, sonntags die Tour mitmacht, muss erstmal mit dem "Henkell trocken"-Piccolo vorlieb nehmen, den es für jeden Führungsteilnehmer zum Abschied noch gibt. Und aufgepasst: Man sollte gut zu Fuß sein, denn alle Tour-Stationen werden ausschließlich über Treppen-Ab- und -Aufgänge erreicht! Ganz bis in das unterste Stockwerk steigt man zwar nicht hinab, aber auch vier Stockwerke und lange Gänge können dann anstrengend sein.

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