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Aktiv im Rheingau: Genussvoll radeln zwischen Rhein und Reben

Veröffentlicht am 19.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerEins vorweg: E-Biken ist zwar Genussradeln, aber trotzdem echtes Radfahren. Und wenn die Pedelics der jüngsten Generation – so heißen die Räder offiziell und nur dann dürfen sie auch ohne Moped-Nummernschild betrieben werden – auch bereits mit viel Automatik daherkommen, wenn man richtig Spaß und Schwung haben will, gehört auch heute manuelles Schalten dazu. Zwischen den E-Bike-Modulen ebenso wie im Zusammenspiel mit den Gängen.

Anders gesagt: "Auf den Akku, fertig, los!" ist doch etwas zu simpel gedacht. Der Akku lässt zwar den Minimotor schön leise, doch kraftvoll schnurren, aber nur, wenn man eben auch gleichzeitig fleißig vor sich hin strampelt. Das allerdings geht einem deutlich entspannter "von den Waden" als ohne E-Unterstützung. Egal, ob es bergauf geht oder der Gegenwind kräftig bläst. Herrlich!

Vor allem, wenn man es raus hat, ob nur etwas, mittelstarke oder viel Unterstützung bei Steigungen sinnvoll ist (was dann je nach Anbieter auch Eco, Normal oder Hoch heißen kann) und wie sich diese E-Hilfe am besten mit welchem Fahrradgang kombinieren lässt, fängt es an, richtig Spaß zu machen. Anfänger verschalten sich gelegentlich ein bisschen, was hier mal einen kurzen Aussetzer des Elektromotors oder dort ein Durchtreten der Pedalen zur Folge hat. Aber das hat man schnell raus. Ehrlich! Schließlich ist das ist immer noch Radfahren – und einmal gekonnt verlernt man es bekanntlich ja nicht.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch aufgepasst: Auch wenn optisch fast alles aussieht wie bei einem "normalen" Rad, ein E-Bike ist zum einen aufgrund der Zusatzausstattung ein ganzes Stück schwerer. Darauf sollte man vor allem anfangs bei Auf- und Absteigen denken, sonst kippt man schneller um als man denken kann Und beim "Anfahren im Berg" greift einem die Motorhilfe zwar schwungvoll "unter die Pedale", aber man sollte nicht die kräftigste Unterstützung anwählen, sonst kann der Drahtesel förmlich mit einem durchgehen. Und das könnte dann den gleichen Effekt haben wie bei echten Pferd: Man steigt ab. Eher unsanft.

Gibt es sonst noch was zu wissen? Eigentlich nichts! Höchstens noch, dass man als Anfänger vielleicht doch einen Fahrradhelm tragen sollte, wenn er auch hierzulande nur empfohlen wird, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Alles soweit verstanden? Dann wären wir ja startklar!

Das war die Schriftversion dessen, was es an theoretischer Einführung zwischen Satteleinstellen und Helmentscheidung die ersten Minuten meiner bei cult-touren gebuchten "Geführte E-Bike Tour mit Vesper & Weinprobe" zu hören gab. Dann hieß es Aufsteigen und vor dem Start- und Endpunkt – in meinen Fall das Weingut Kaufmann in Eltville-Hattenheim – auf der ruhigen Seitenstraße ein paar Proberunden drehen und dann war unsere zusammengewürfelte Truppe startklar. Drei Paare, die mal mehr oder weniger über den Rheingau im Allgemeinen und das E-Biken im Besonderen wussten, plus unser Tourguide. Der war in diesem Fall mit Katharina Bahn die Chefin des noch jungen Wiesbadener Start-Ups höchstpersönlich. Dann noch letzte Instruktionen wie sie Richtungswechsel anzeigt und Tipps zum Schalten vorgibt – und das Genussabenteuer konnte beginnen.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerVor Vesper & Wein sah unsere Tour rund zwei Stunden E-Radeln zwischen Rhein und Reben vor, denn dem Leinpfad am Rhein entlang folgen – das kann jeder. Der Rheingau erschließt sich einem erst dann wirklich, wenn man dem Fluss mal zwar nahe kommt, aber sich auch wieder von ihm entfernt, wenn man Weinbergspfaden ebenso folgt wie durch alte Winzergassen rollt. Heißt: Wenn es auch mal hoch und runter geht, mal gute Straßen, dann wieder einfache Wirtschaftswege sind. Dabei ging es bei dieser Tour nicht in erster Linie um Kilometer und Strecke, wenn man die mit Akkus Hilfe auch wunderbar machen kann, sondern vor allem um wechselnde Perspektiven, schöne Panoramen und interessante Haltepunkte.

In der Packtasche von Katharina Bahn, die noch etliche Thementouren mehr im Repertoire hat, aber auch Wanderungen, Kanu- und Schifftouren ausgeknobelt hat, die Land & Leute, Aus- & Einblicke, Lehrreiches & Genuss verbinden (übrigens nicht nur im Rheingau, sondern auch in Wiesbaden, Rheinhessen und im Naheland), befand sich daher nicht nur eine Notration Wasser und ein Erste-Hilfe-Set für den Fall der Fälle, sondern auch ein großer Spickzettel mit allerlei Wissenswertem rechts und links am Wegesrand. Den nomen est omen: Auf alle Touren geht es um Kultur – eben cult-touren.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIn einer schönen Rundtour ging es zunächst von Hattenheim über die Erbacher Weinberge langsam doch stetig bergauf, um dann weg von Rhein und Eisenbahn Richtung Kloster Eberbach den Weg einzuschlagen. Mit dem Rad erscheint einem das Kloster-Areal gar nicht mehr so groß – so flugs hab ich es noch nie umrundet! Oder lag‘s nur am Akku?

Nächstes Etappenziel: Der Steinberg. Wer je dort war weiß, was von Ferne nach sanfter Hügel aussieht, hat es vom Nahem steigungsreich in sich. Ficht mich das an? Nein, ich hab ja meinen Akku! So komme ich denn mal in Ecken der legendären Weinbergslage, wo ich noch nie hingelaufen bin – denn von ganz unten bis ganz oben, das ist selbst für geübte Wanderer quasi schon alpines Gehtraining! Und so brachte die Tour auch mir als "Urlauber vor der heimischen Haustür" das eine oder andere Neue. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Wunderbar!

Über den alten Ortskern von Hattenheim und einen Stopp bei seiner trutzigen Burg führte uns die Radrunde schließlich entspannt zurück an unseren Ausgangsort. Große Schweißausbrüche unterwegs? Fehlanzeige! Warm ist mir geworden und der Kreislauf kam auch in Schwung, weil ohne Strampeln keine Unterstützung – aber das mir mal die Puste ausging? Kein bisschen, Genussradeln per E-Bike hat was.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerUnd dabei sollte es jetzt erst so richtig genussvoll werden, denn Partner dieser Tour war – der Start und Endpunkt machte es schon deutlich – das Weingut Kaufmann in Eltville-Hattenheim. Zugegeben, der schicke Verkostungsbereich dort, den Urban Kaufmann und Evan Raps eingerichtet haben, hätte mich schon interessiert. Denn die beiden sind quasi noch Jungwinzer (er war vorher im Appenzeller Land in Sachen Käse umtriebig, sie lange Zeit Geschäftsführerin des VDP) und haben "erst" 2013 das ehemalige Weingut Lang übernommen und so einem alteingesessenen Betrieb mit Nachwuchssorgen eine neue Zukunft gegeben. Doch unsere Weinprobe fand am Rhein statt, da das Weingut in dieser Woche den Ausschank an den Hattenheimer Weinprobierfässern verantwortete. So gab’s noch einen Spaziergang zum Fluss dazu, bevor es dann bei einer gar köstlichen Schweizerisch-Rheingauer Vesper noch mal richtig "an den Wein" ging. Ein bisschen Weinwissen auffrischen und Gaumenschulung gab‘s auch – bei Weinen, die zeig(t)en, Quereinsteiger können es auch, sehr gut sogar.

Die Erkenntnis am Ende von vier kurzweiligen Stunden? Das hatte sich voll gelohnt! Viel mehr gesehen als zu Fuß oder mit dem normalen Rad, dabei auch manches mal ganz anders erblickt, dazu geschlemmt und gebechert – Rhinegau at it’s best, würde ich sagen. Das schreit nach einer aktiven Neuauflage im nächsten Jahr. Ob es eine weitere E-Bike-Tour wird oder dann eine geführte Tour auf Schusters Rappen? Mal sehen! Zumal mir auch noch etwas in der Nase steckt: Mal eine Segway-Tour durch den Rheingau mitmachen! Da muss ich mich doch gleich mal schlau machen …

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