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Bundeskunsthalle: Ein "Ort der Künste und der Kommunikation, international und weltoffen"

Veröffentlicht am 01.02.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer2017 feiert die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundeskunsthalle, ihr 25-jähriges Bestehen. Auch jetzt begegnet einem noch der Jubiläums-Slogan "Alles Gute" in und am Gebäude – und erinnert daran, dass es ein langer Weg von der ersten Idee 1949 bis zur Eröffnung der Kunst- und Ausstellungshalle im Juni 1992 war.

Das von dem Architekten Gustav Peichl entworfene, auf den ersten Blick recht verschlossen wirkende Gebäude mit den drei dagegen weithin sichtbaren Lichtkegeltürmen auf dem Dach bildet dabei einen Kontrast und zugleich eine spannungsreiche Einheit mit dem direkt gegenüberliegenden Kunstmuseum Bonn – und gehört wie dieses zur sogenannten Museumsmeile Bonn. Dieser Begriff wurde in den 1990er Jahren geprägt, als innerhalb weniger Jahre mit mehreren Museumsneubauten unweit des einstigen Regierungsviertels und südlich des Bonner Zentrums ein "musealer Parcours" entlang der B9 entstand, der heute fünf Museen umfasst. Die Kunsthalle ist dabei unverkennbar: 16 Stahlsäulen, die sich dem Gebäude zur Friedrich-Ebert-Allee (B9) hin anschließen, leiten den Besucher zusammen mit der Bodengestaltung des vorgelagerten Platzes nicht nur optisch zum Haupteingang, sie symbolisieren vor allem – nomen est omen – die 16 Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland.

Im Zentrum seines Programms, so heißt es, stehe die Kunst aller Epochen sowie Ausstellungen zu kulturhistorischen Themen und Archäologie, aber auch Präsentationen zu Wissensgebieten wie etwa Technik oder Ökologie. Ziel dabei sei es, den Blick nicht nur auf die westliche Kultur zu richten, sondern eine globale Perspektive aufzuzeigen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDie noch bis 11. März 2018 laufende Schau "Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen" deckt von allem etwas ab – und ist absolut sehenswert und höchst lehrreich. Zum einem der Vielfalt der rund 250 Ausstellungsstücke wegen. Zum anderen ihrer großen Fragen und deren lehrreicher Aufbereitung wegen:

Was ist eigentlich Provenienz? Wer war dieser zurückgezogen lebende Cornelius Gurlitt? Was hat es mit den rund 1.500 von seinem Vater, dem schillernden Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, geerbten Kunstwerken auf sich? Handelt es sich um unrechtmäßig erworbene, sprich Raubkunst aus der Zeit der national-sozialistischen Gewaltherrschaft? Oder ging es trotz der, sagen wir: erstaunlichen Vita des Vaters doch mit rechten Dingen zu? Was ist da heute noch wie herausfindbar?

Und so betrachtet man in der Schau nicht nur beeindruckende Werke (etwa mit Schwerpunkten wie einer Werkgruppe des deutschen Expressionismus oder französische Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts), sondern lernt auch im Verlauf des Ausstellungsrundgangs anhand von fünf übergeordneten Bereichen allerlei über die komplexen Mechanismen der NS-Kulturpolitik sowie des strategisch organisierten NS-Kunstraubs. Spannungsvoll wird dabei der Werdegang Hildebrand Gurlitts thematisiert und einzelnen Biografien Betroffener (Künstler wie Sammler) gegenübergestellt.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerAuch die "Monuments Men", denen George Clooney in seinem gleichnamigen Film – basierend auf dem Buch The Monuments Men: Allied Heroes, Nazi Thieves and the Greatest Treasure Hunt in History von Robert M. Edsel – ein filmisches Denkmal setzte, sind hier ein Thema.

Kurioser Zufall: Als der Film Anfang 2014 in den deutschen Kinos anlief, hatte er durch die Berichterstattung und öffentliche Diskussion um den sogenannten "Schwabinger Kunstfund" bei Cornelius Gurlitt, den der Focus im November 2013 öffentlich gemacht hatte, eine unerwartete Aktualität. Die "Monuments Men" hatten 1945 nämlich in der Tat 125 Werke aus Hildebrand Gurlitts Kunstsammlung sichergestellt – und 1950 zurückgegeben.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerInteressant: Das Fotografieren in dieser Ausstellung ist nicht nur erlaubt sondern erwünscht! Die Kunsthalle ruft offensiv dazu auf, seine "Fotos auch gern über die sozialen Medien zu teilen" und die offiziellen Hashtags zu nutzen. Wer weiß, vielleicht findet sich ja auf diesem Weg tatsächlich die eine oder andere Antwort auf die Herkunft des einen oder anderen ausgestellten Kunstwerks, dessen "Provenienz noch in Abklärung" ist. Eines sei in dem Zusammenhang doch erwähnt: Wenngleich dieser Satz bei einem Großteil der Ausstellungsstücke zu lesen ist, so stand auch gar nicht so selten als Zusatzkommentar "aktuell kein Raubkunstverdacht". Aber: Bislang wurden immerhin auch schon vier Werke an die Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Das Kapitel "Schwabinger Kunstfund" wird wohl auch mit der "Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen" noch nicht abgeschlossen sein.

Tipp: Parallel läuft im Kunstmuseum Bern, dessen Stiftung von Cornelius Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war (er starb 2014), die rund 160 Werke umfassende Komplementär-Schau "Entartete Kunst – beschlagnahmt und verkauft" (noch bis 4. März). Vom 13. April bis 1. Juli ist dort dann die Bonner Schau zu Gast, bevor diese im Herbst 2018 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen sein wird (ab 14. September). Wer es also nicht mehr nach Bonn schafft …

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