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Einmal im Dreieck, bitte! Aachen – Lüttich – Maastricht

Veröffentlicht am 03.10.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDie "Euregio Maas-Rhein" ist die Europaregion im Dreiländereck Belgien, Deutschland und Niederlande um die Großstädte Aachen, Lüttich (Liège) und Maastricht. Und obwohl diese untereinander immer nur so plus/minus 50 Kilometer von der einen wie der anderen entfernt liegen, erwarten einen dort bei einem Kurztrip doch drei abwechslungsreiche Tage: Man reist bei aller Nähe durch drei Länder und ihre Kulturen, drei Städte und ihre Potenziale sowie drei Multikulti-Orte, von denen jeder auf seine Art einzigartig ist. Sightseeing und Shopping geht überall, viel Kultur und gutes Essen gibt es auch – und Charme hat jede(r) der drei, wenn auch mal spröder, dann herzlicher.

Kurz, keine ist wie die andere – und setzt andere Akzente, punktet mit unterschiedlichen Reizen (und Museen). Gut zu Fuß sollte man dabei sein, denn dann entdeckt man am meisten.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerBeginnen wir in Aachen: Schon die Kelten und Römer schätzten seine heilsamen Quellen wie auch Karl der Große. Und später viele andere Kaiser, Könige und Herrscher mehr. Auf das Prädikat "Bad" verzichtet die Stadt jedoch, des Alphabets wegen. Dabei "bad"et man hier wirklich königlich, etwa in den Carolus Thermen. Denn vorbei die Zeiten, als man dafür blaublütig oder gut betucht sein musste. Überhaupt, vieles hat sich verändert seit Karls Zeiten. Krankenscheine kannte man noch nicht, Reha-Kliniken auch nicht. Und das Kurviertel Burtscheid, das die Römer einst als Burcetana gegründet hatten, war erstens noch ein eigenständiger Ort und zweitens nicht des Kaisers erste Wahl.

Der baute seine Pfalz lieber im nahen Aquae Grani, dem späteren Aquis, dann Ach, heute Aachen. Mit einer Pfalzkapelle, die die erste aus Stein gebaute Kirche nördlich der Alpen wurde. Mehr als 800 Jahre nach seinem Tod steht ihr Oktogon so imposant wie einst da. Nur die orientalisch anmutende Ausgestaltung mit Marmor und Mosaiken, die verpassten eifrige Renovierer dem Dom erst im späten 19. Jahrhundert. Und die gotische Chorhalle, Aachens "Glashaus", wo Karls Marien-Reliquien ihre Bleibe fanden und seine Gebeine nun in einem goldenen Schrein ruhen, ist ebenfalls "neu". Ja, verändert hat sich vieles und doch ist vieles wie einst. Wer es genau wissen will ist im Centre Charlemagne, eröffnet am von Dom und Rathaus umrahmten Katschhof im Karlsjahr 2014, genau richtig – und folgt dann der vielseitigen Route Charlemagne durch die Stadt.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerZwei Stationen hatte ich mir für diesen erneuten Aachen-Besuch ausgesucht. Eben jenes Neue Stadtmuseum Aachen, das sich zum einen dauerhaft Karl dem Großen und der Stadt als solcher widmet, aber diese Schau auch immer wieder mit spannenden Sonderausstellungen ergänzt. Ganz so wie eben die Route Charlemagne nicht nur primär mit Karl zu tun hat, sondern Aspekte seines Wirkens fortführt.

Klar, der Dom (Haltepunkt/Stichwort Religion) musste noch mal sein, aber das Rathaus (Macht) und das Couven-Museum (Lebenskultur) blieben diesmal außen vor, auch am Elisenbrunnen (Badekultur) bin ich nur vorbeigeschlendert. Diesmal führte mich mein Weg vom Centre Charlemagne (Geschichte) weiter zum nur wenige Fußminuten entfernten Zeitungsmuseum (Medien/Kommunikation).

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDruckerschwärzeschwarz steht der "Medienrevolutionär" Johannes Gutenberg à la Ottmar Hörl im Entree des Internationales Zeitungsmuseum (IZM) – und natürlich kommt er dort zu Wort und es wird seine Erfindung der beweglichen Lettern gewürdigt. Denn damit fing schließlich das so richtig an, was vielen heute selbstverständlich scheint: Massenmedien!

Aber das Nachspüren dieser Geschichte ist nur eine Facette des interaktiven Kommunikationsmuseums, das den Bogen bis zur Gegenwart schlägt und unter anderem Aspekte wie Presse-Ethik wie -Zensur genauso betrachtet wie etwa den Weg "Vom Ereignis zur Nachricht". Kurzum: Das IZM ist sehens- und lesenswert für Medienschaffende ebenso wie für Leser, Zuhörer und Zuschauer!

Weiter ging’s nach Lüttich (Liège): Das war zugegeben die Station mit den für mich widersprüchlichsten Eindrücken, vielleicht weil dort so vieles im Umbruch, im Werden ist. Man spürt das Potenzial, doch zwischen den einzelnen Highlights muss man einige "Durststrecken" ablaufen, die einen zweifeln lassen, ob man noch auf dem rechten Weg ist. Ist man zwar immer, denn die touristische Ausschilderung ist wirklich gut, aber es fühlt sich nicht immer so an.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDie Treppe Montagne de Bueren entpuppt sich als 1A-Herzkreislauf-Training, die Aussicht oben von der Zitadelle ist grandios – und lässt den Blick vorausschweifen Richtung Bahnhof Liège-Guillemins, der einem weißen Ufo gleich im gleichnamigen Stadtteilgelandet zu sein scheint.

Der Hochgeschwindigkeitsbahnhof ist ein moderner Tempel der Mobilität, entworfen vom spanischen Star-Architekten und Künstler Santiago Calavatra. Seit dem 2009 fertiggestellten Um- und Neubau verkehren hier rund 500 Züge pro Tag unter seinem spektakulären Dach, das an eine auf- und abschwingenden Welle erinnert, die allerdings rund 200 Meter umfasst. Schade, dass bei meinem Besuch kein rechtes Licht war; im Sonnenschein muss das Ganze dank Licht- und Schattenspiele erst recht beeindrucken. So blieb es bei der Bewunderung der Form an sich, der Auf- und Abgänge, der Ebenen. Bahnhof kann also auch ganz anders. Grandios. Und der nahe Tour Paradis, eigentlich Tour des Finances de Liège, setzt schon mal einen tollen Akzent am Ende der zukünftigen Esplanade, die vor dem Bahnhof entstehen soll. Das markante Hochhaus hat was, wie es da einem Solitär gleich die Stadt überragt.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWas blieb von der Stadt noch in Erinnerung? Der Geschmack einer Portion belgischer Fritten (diese Soßenauswahl!) und einer Lütticher Waffel (deren Geheimnis der Hagelzucker ist). Die (Linien-)Bootsfahrt auf der Maas, die für kleines Geld zum Perspektivenwechsel einlädt und zugleich half, Wegstrecke entspannt gutzumachen.

Und das Museum Grand Curtius, eine rühmliche Ausnahme von jener überall auf der Welt warum auch immer geltenden Regel, dass montags immer alle Museen geschlossen sind. Warum eigentlich? Kann man das nicht "zeitversetzt" lösen? Will dann niemand Kunst sehen? Ich schon! Das Grand Curtius jedenfalls mit seinen diversen Sammlungen besteht aus einer wahrlich "großen", architektonisch reizvollen Gebäudegruppe direkt an der Maas, die den Bogen vom 16. bis 21. Jahrhundert umspannt. Architektonisch Spannungsbögen bietet auch das Museum La Boverie, dessen Ausstellung mich ehrlich gesagt ungleich mehr interessiert hätte, hat der Louvre doch dort seit 2016 beratend seine Finger im Spiel. Aber leider: Montags geschlossen. So blieb es dort bei einem Spaziergang um das raffiniert modern erweiterte Palais, das 1905 einst für die Weltausstellung errichtet worden war. Ich komme wieder, aber nicht montags.

Aller guten Dinge sind Drei – auf nach Maastricht, jener niederländischen Stadt, der man die stärkste europäische Orientierung nachsagt. Nein, nicht nur des Vertrags von Maastricht wegen, auch seiner eigenen 2.000-jährigen Geschichte wegen, die einmal mehr mit den Römern begann. Und von deren baulichen Überresten bis hin zu allerlei Bauwerken im maasländischen Renaissancestil reicht, weswegen die gesamte Innenstadt (nicht nur der Vrijthof, den Stadtsohn André Rieu traditionell jeden Sommer mit seinem Orchester in einen gigantischen Freiluftkonzertsaal verwandelt) auch unter Denkmalschutz steht.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWenn es eine Stadt gibt, die ich mir im wahrsten Wortsinn erlaufen habe, dann Maastricht. Kein Bus, kein Boot, nur per pedes. Denn entgegen meiner üblichen Planungen sollte es hier vor allem um eins gehen: Treiben lassen, Atmosphäre tanken, einfach neugierig in Türen schauen, sie öffnen, eintreten. Weil es dort duftet oder blüht, kunstvoll ist oder oder. Was soll ich sagen? Es war toll!

Nicht nur in der Innenstadt, sondern auch im Stadtviertel Wyck/Céramique, das sich Sachen kleine Boutiquen und hübsche Lädchen in keinster Weise vor dem anderen Maasufer verstecken muss. Im Gegenteil. Da gibt’s es auch einen sehenswerten, wenn auch traditionellen Bahnhof und die Stationsstraat mit ihren unzähligen Stadtvillen aus dem 19. Jahrhundert wird auch gerade wieder schick gemacht. Auf den schmalen Straßen Richtung dem einstigen Gelände der Keramikfabrik Société Céramique lässt sich ebenso schön bummeln und schauen wie in der Innenstadt.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerHüben wie drüben gab es ein, zwei, drei Highlights, die mich besonders beeindruckt haben. In der Innenstadt war das zu einem der Boekhandel Dominicanen, der seit 2006 – nomen est omen – einer ehemaligen Dominikanerkirche neues Leben einhaucht, CD-Handel, Antiquariat und Coffee-Bar inklusive. Dem Besucherstrom und der Kameradichte nach zu schließen wusste anscheinend jeder andere Tourist aus aller Welt von ihr, nur ich nicht. Aber ich wollte mich ja bewusst überraschen lassen: Umso größer war der Wow-Effekt!

Ein glücklicher Zufall war das Zusammentreffen meines Stadtbummels mit dem jährlichen "Orgelfestival L’Europe & L’Orgue", das mir sozusagen einen Gratis-Kostprobe in der Sint-Janskerk verschaffte (für die ich die Sint Servaasbasiliek habe links liegen lassen). Wenn das nur eine Probe gewesen sein soll, wie war dann wohl das Konzert? Und erwähnen sollte ich noch die alte Bisschopsmolen, die heute eine hundertprozentige Dinkel-Bäckerei ist, in der man von der Mühle bis zur Backstube überall reinschauen kann. Und Platz nehmen kann, um zu essen. Nicht nur Dinkelbrot.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIn Wyck/Céramique lädt der Charles Eyck Park wunderbar zum Flanieren am Flussufer ein. Angesichts des letzten heißen Sommers sei erwähnt – unter Bäumen! So gelangt man automatisch zum Het Bonnefantenmuseum, einem sehr speziellen, sprich auffallenden Bau des italienischen Architekten Aldo Rossi, in dem alte Meister auf moderne Kunst treffen. Schon im super sortierten Museumsshop kann man wunderbar die Zeit vergessen!

Und meine Nummer drei hier? Witzige Open-Air-Kunst am Maasufer – oder sollte ich besser sagen Under-Water-Kunst? Zumindest ist im Fluss entstanden, was nun an seinem Ufer für kunstvolle Akzente sorgt: Dort hat nämlich jemand im Fluss versenkte, inzwischen von Muscheln bewachsene Räder oder Fahrradelemente raffiniert am Geländer drapiert und inszeniert. Stark!

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerApropos Dreiländereck: Solche geografischen Punkte, an denen drei gleichrangige Grenzen oder Regionen aufeinandertreffen und obendrein touristisch interessant sind, gibt es hierzulande noch mehr. Schnell kann man so mal zum Grenzgänger werden – ohne wirklich weit fahren zu müssen.

Zum Beispiel in der Rhön, die zu Hessen, Bayern und Thüringen gehört; an ihrer Schnittstelle liegt eines der bedeutendsten Moore Mitteleuropas, das "Schwarze Moor", das wiederum Teil des UNESCO Biosphärenreservats Rhön ist. Das Dreiländereck Bayerischer Wald stößt auf Tschechien und Österreich und lässt nicht nur die Herzen von Weitwanderern höher schlagen. Das Dreiländereck am Upper Rhine Valley umfasst den deutschen Schwarzwald, das französische Elsass und das schweizerische Basel samt Umland. Das Dreiländereck Bodensee mit Deutschland, Österreich und der Schweiz wiederum ist insofern besonders, da es keinen festen Bezugspunkt gibt wie etwa jenen bei Aachen. Im Süden liegt er irgendwo im See, während es im Norden mit dem Vaalserberg samt Balduin Turm einen echten Fixpunkt gibt – den het Drielandenpunt. Womit ich wieder am Ausgangspunkt meiner wäre ... Einmal im Dreieck eben, bitte sehr!

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