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Neue Blinkwinkel und alte Wege: Frankfurts neue Altstadt

Veröffentlicht am 18.04.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerNach gut dreieinhalb Jahren Bautätigkeit zwischen Römer und Dom, genau da, wo bis 2012 das 1973 fertiggestellte Technische Rathaus stand, steht die neue Frankfurter Altstadt kurz vor ihrer Vollendung. Wenn im Mai 2018 endlich die Bauzäune fallen, ist nicht nur der Weg ins und durchs neue alte Herz der Stadt nach Jahren wieder freigeben, auch der historische Kaiserweg kann dann wieder abgelaufen werden. Und die Main-Metropole erhält ein neues altes Stadtviertel zurück, wo dies einst über Jahrhunderte gewachsen war: Das DomRömer Quartier.

Im Herbst – wenn die hier passend zum historischen Stadtplan entstandenen Straßenzüge bereits zu Dreiviertel "belebt" sein werden, weil dann bis zu 200 neuen Bewohner in die über 60 Wohnungen eingezogen sind und der Großteil der 20 Läden sowie fünf gastronomischen Angebote eröffnet wurde – wird gefeiert: Vom 28. bis 30. September 2018 ist ein großes Festwochenende geplant. In der Paulskirche, auf dem Römerberg, in und rund um das Quartier bis hin zum Mainufer wird es ein buntes Programm geben und die Brücke schlagen zwischen gestern und heute. Im Juli, so heißt es von den Touristikern, werden die Details bekannt gegeben. Und man darf sicherlich auf die eine oder andere spektakuläre Inszenierung gespannt sein, denn Frankfurt hat schon bei anderer Gelegenheit gezeigt, dass es zu feiern versteht.

(c) S. Sahmer: Rebstockhof(c) S. Sahmer: Rebstockhof(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer: Hühnermarkt(c) S. Sahmer: HühnermarktAktuell wird jedoch noch kräftig gewerkelt. Bis in die Abendstunden hört man Stimmen und Schleifmaschinen, ertönt Bohren und Hämmern. Viele Zeichen stehen hinter dem Bauzaun derzeit noch deutlich "auf Baustelle" – nicht nur offensichtlich in den Gassen, wo teils noch letztes schweres Gerät steht, Container und noch zu verbauende Materialien. Denn hinter den schon schmucken Fassaden gibt es doch noch eine Menge zu tun, obgleich man hinter dem einen oder anderen Fenster schon mehr als nur erahnen kann, wie alles einmal aussehen wird. Das etwas sperrige Wort "Stadtreparatur" bekommt hier Leben und Charme – und Mainhatten eine neue Facette. So viel sei verraten: Sie wird sensationell!

Schließlich erstreckte sich hier dereinst eine der schönsten und größten zusammenhängenden, mittelalterlichen Fachwerkaltstädte Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese fast vollständig zerstört – das Ergebnis von etlichen Luftangriffen ab Sommer 1940 und verstärkt ab Herbst 1943. Im März 1944 dann besiegelten zwei heftige Luftschläge im Abstand von nur wenigen Tagen den endgültigen Untergang des alten Frankfurt. Die Stadtplaner meinten es nach dem Zweiten Weltkrieg dann sicher gut, wollten mit ihren neuen Gebäuden und Straßenanordnungen zeigen, dass eine neue Zeit beginnt – doch so richtig glücklich waren die Frankfurter mit der Lösung nie. Zumal Beispiele wie etwa Nürnberg zeigten, dass es auch ganz anders ging.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch das jetzige, europaweit wohl einzigartige Bauprojekt im DomRömer Quartier geht noch einen Schritt weiter. Mit alten Werkstoffen, handwerklichem Können und viel Liebe zum Detail wurden hier nun ehemalige Stadt-/Patrizierhäuser sozusagen "hybrid" wieder aufgebaut. Was aus dem Trümmern gerettet worden war und in den letzten Jahrzehnten in Museen, Depots oder Privatbesitz teils vor sich hin schlummerte, kommt nun an so manchem Türsturz, Fensterbogen oder Hausecke zu neuen alten Ehren. Dem modernen Brand- und Bauschutz wird Rechnung getragen, so dass vielerorts der für die Stadt so typische Sandstein im Erdgeschoss nur Fassade ist, aber eben auch ganz klassisches Fachwerk aus altem Holz gebaut werden konnte. So entstanden 15 Rekonstruktionen historischer Gebäude, die den Vergleich mit alten Fotos und Filmen nicht scheuen müssen. Und dazu 20 Neubauten, die typische Stilelemente der Altstadt zeitgenössisch aufgreifen und modern interpretieren – so spannend kann Alt neben Neu sein. Und das Tollste: Auf dem rund 7.000 Quadratmetern großen Areal, das zum Teil bewusst auf das einstige Straßenniveau "tiefer gelegt" wurde, findet man nun auch, wie schon erwähnt, jene alten Gassen und Plätze wie vor 1944 wieder!

(c) S. Sahmer: Goldene Waage (li.)(c) S. Sahmer: Goldene Waage (li.)

(c) S. Sahmer: Hühnermarkt(c) S. Sahmer: Hühnermarkt

(c) S. Sahmer: Hinter dem Lämmchen(c) S. Sahmer: Hinter dem Lämmchen

(c) S. Sahmer: Rückseite Rebstockhof(c) S. Sahmer: Rückseite Rebstockhof

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Bundeskunsthalle: Ein "Ort der Künste und der Kommunikation, international und weltoffen"

Veröffentlicht am 01.02.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer2017 feiert die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundeskunsthalle, ihr 25-jähriges Bestehen. Auch jetzt begegnet einem noch der Jubiläums-Slogan "Alles Gute" in und am Gebäude – und erinnert daran, dass es ein langer Weg von der ersten Idee 1949 bis zur Eröffnung der Kunst- und Ausstellungshalle im Juni 1992 war.

Das von dem Architekten Gustav Peichl entworfene, auf den ersten Blick recht verschlossen wirkende Gebäude mit den drei dagegen weithin sichtbaren Lichtkegeltürmen auf dem Dach bildet dabei einen Kontrast und zugleich eine spannungsreiche Einheit mit dem direkt gegenüberliegenden Kunstmuseum Bonn – und gehört wie dieses zur sogenannten Museumsmeile Bonn. Dieser Begriff wurde in den 1990er Jahren geprägt, als innerhalb weniger Jahre mit mehreren Museumsneubauten unweit des einstigen Regierungsviertels und südlich des Bonner Zentrums ein "musealer Parcours" entlang der B9 entstand, der heute fünf Museen umfasst. Die Kunsthalle ist dabei unverkennbar: 16 Stahlsäulen, die sich dem Gebäude zur Friedrich-Ebert-Allee (B9) hin anschließen, leiten den Besucher zusammen mit der Bodengestaltung des vorgelagerten Platzes nicht nur optisch zum Haupteingang, sie symbolisieren vor allem – nomen est omen – die 16 Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland.

Im Zentrum seines Programms, so heißt es, stehe die Kunst aller Epochen sowie Ausstellungen zu kulturhistorischen Themen und Archäologie, aber auch Präsentationen zu Wissensgebieten wie etwa Technik oder Ökologie. Ziel dabei sei es, den Blick nicht nur auf die westliche Kultur zu richten, sondern eine globale Perspektive aufzuzeigen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDie noch bis 11. März 2018 laufende Schau "Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen" deckt von allem etwas ab – und ist absolut sehenswert und höchst lehrreich. Zum einem der Vielfalt der rund 250 Ausstellungsstücke wegen. Zum anderen ihrer großen Fragen und deren lehrreicher Aufbereitung wegen:

Was ist eigentlich Provenienz? Wer war dieser zurückgezogen lebende Cornelius Gurlitt? Was hat es mit den rund 1.500 von seinem Vater, dem schillernden Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, geerbten Kunstwerken auf sich? Handelt es sich um unrechtmäßig erworbene, sprich Raubkunst aus der Zeit der national-sozialistischen Gewaltherrschaft? Oder ging es trotz der, sagen wir: erstaunlichen Vita des Vaters doch mit rechten Dingen zu? Was ist da heute noch wie herausfindbar?

Und so betrachtet man in der Schau nicht nur beeindruckende Werke (etwa mit Schwerpunkten wie einer Werkgruppe des deutschen Expressionismus oder französische Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts), sondern lernt auch im Verlauf des Ausstellungsrundgangs anhand von fünf übergeordneten Bereichen allerlei über die komplexen Mechanismen der NS-Kulturpolitik sowie des strategisch organisierten NS-Kunstraubs. Spannungsvoll wird dabei der Werdegang Hildebrand Gurlitts thematisiert und einzelnen Biografien Betroffener (Künstler wie Sammler) gegenübergestellt.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerAuch die "Monuments Men", denen George Clooney in seinem gleichnamigen Film – basierend auf dem Buch The Monuments Men: Allied Heroes, Nazi Thieves and the Greatest Treasure Hunt in History von Robert M. Edsel – ein filmisches Denkmal setzte, sind hier ein Thema.

Kurioser Zufall: Als der Film Anfang 2014 in den deutschen Kinos anlief, hatte er durch die Berichterstattung und öffentliche Diskussion um den sogenannten "Schwabinger Kunstfund" bei Cornelius Gurlitt, den der Focus im November 2013 öffentlich gemacht hatte, eine unerwartete Aktualität. Die "Monuments Men" hatten 1945 nämlich in der Tat 125 Werke aus Hildebrand Gurlitts Kunstsammlung sichergestellt – und 1950 zurückgegeben.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerInteressant: Das Fotografieren in dieser Ausstellung ist nicht nur erlaubt sondern erwünscht! Die Kunsthalle ruft offensiv dazu auf, seine "Fotos auch gern über die sozialen Medien zu teilen" und die offiziellen Hashtags zu nutzen. Wer weiß, vielleicht findet sich ja auf diesem Weg tatsächlich die eine oder andere Antwort auf die Herkunft des einen oder anderen ausgestellten Kunstwerks, dessen "Provenienz noch in Abklärung" ist. Eines sei in dem Zusammenhang doch erwähnt: Wenngleich dieser Satz bei einem Großteil der Ausstellungsstücke zu lesen ist, so stand auch gar nicht so selten als Zusatzkommentar "aktuell kein Raubkunstverdacht". Aber: Bislang wurden immerhin auch schon vier Werke an die Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Das Kapitel "Schwabinger Kunstfund" wird wohl auch mit der "Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen" noch nicht abgeschlossen sein.

Tipp: Parallel läuft im Kunstmuseum Bern, dessen Stiftung von Cornelius Gurlitt als Alleinerbin eingesetzt worden war (er starb 2014), die rund 160 Werke umfassende Komplementär-Schau "Entartete Kunst – beschlagnahmt und verkauft" (noch bis 4. März). Vom 13. April bis 1. Juli ist dort dann die Bonner Schau zu Gast, bevor diese im Herbst 2018 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen sein wird (ab 14. September). Wer es also nicht mehr nach Bonn schafft …

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Bonn: Deutsche Geschichte(n) seit 1945 im "Haus der Geschichte"

Veröffentlicht am 30.01.2018

 (c) S. Sahmer(c) S. SahmerAufgrund einer Gebäudesanierung, die eine mehr als halbjährige Schließung des Museums – einem der fünf der sogenannten Museumsmeile Bonn an der B9 unweit des einstigen Regierungsviertels – erforderlich machte, eröffnete im Dezember 2017 das Bonner "Haus der Geschichte" neu. Seitdem ist nicht nur das Glasdach neu und dicht – auch die Dauerausstellung wurde während der Schließung überarbeitet: Tausende Museumsobjekte wurden dafür bewegt, der Ausstellungsbereich ab den 1980er Jahren komplett neu geplant und auf-/umgebaut. Neben den Herausforderungen der Wiedervereinigung werden dort jetzt auch Bereiche wie Digitalisierung, internationaler Terrorismus, Migration und moderne Medien thematisiert.

So kann man sich nun wieder auf eine einzigartige Zeitreise durch die jüngere deutsche Geschichte seit 1945 machen, die keinen Besucher unberührt lässt – ob alt oder jung: Die Ausstellung beginnt mit den Nachkriegsjahren, den Neuanfängen unter den Siegermächten und der Teilung Deutschlands. Warum entstand der Kalte Krieg? Wie entwickelten sich die beiden deutschen Staaten und welche Verbindungen bestanden zwischen der Bundesrepublik und der DDR? Was führte zur Wiedervereinigung und welchen Herausforderungen steht Deutschland seitdem (noch) gegenüber?

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerAnders gesagt: Man taucht ein in die deutsche Vergangenheit und findet sich am Ende um einige Erkenntnisse zum Hier & Jetzt in der Gegenwart wieder. Wenn man sich drauf einlässt. Doch die Schau zieht einen mit ihren vielfältigen Ansätzen schnell in ihren Bann. Unbemerkt verfliegt die Zeit – real beim Rundgang wie auch in den geschilderten Meilensteinen. Drei, besser vier Stunden sollte man für einen Besuch auf jeden Fall einplanen. Selbst dann bleibt letztlich nur die eine Erkenntnis: Ein Wiederkommen muss einfach sein!

Und wenn über verpflichtende KZ-Gedenkstätten-Besuche für Schüler/innen diskutiert wird (was im Freistaat Bayern schon der Fall ist), dann sollte meines Erachtens auch eine Schau wie diese Pflichtbaustein jedes Geschichtsunterrichts rund um den Themenblock "jüngere deutsche Geschichte" sein: Zur Stiftung "Haus der Geschichte" gehört auch der "Tränenpalast Berlin", der den Alltag der deutschen Teilung thematisiert; die Dauerausstellung "Teilung und Einheit. Diktatur und Widerstand" im "Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig", ein weiterer der insgesamt vier Standorte, ist allerdings bis Jahresende zwecks Umbau und Neugestaltung geschlossen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch zurück nach Bonn. Hier bilden politische Ereignisse den roten Faden der Dauerausstellung – und lassen so noch einmal die Entwicklung des heutigen Deutschlands Revue passieren: Wann waren Wahlen hüben wie drüben? Welche politischen Ereignisse vom Kniefall in Warschau bis Spionagefall in Bonn veränderten die BRD mit welchen Folgen? Und welche Entwicklungen hinter dem Eisernen Vorhang von Glasnost und Perestroika bis hin zu Solidarność die DDR?

Dabei ist es schon ein bisweilen seltsames Gefühl, bis wann einen der Geschichtsunterricht zu Schulzeiten noch dadurch begleitete oder was man persönlich als Zeitzeuge anfangs noch unbewusst in Kindheit und Jugend, später dann als Erwachsener und Wähler mitbestimmend miterlebt hat. Und bekommt eine Ahnung davon, dass das eine Menge Geschichte und Entwicklung war und ist, zumal sich gerade für uns Kinder der späten 1960er, frühen 1970er Jahre mit der Volljährigkeit einmal quasi die Welt veränderte, in die wir einst hineingeboren worden sind.

Wobei ich bewusst nicht sage, dass man spürt, alt zu sein – wenn mich auch dieses Gefühl, auf dem besten Weg dorthin zu sein, ab und an leise beschlichen hat … Denn eines macht die Schau und ihr Publikum ganz klar: Hier steckt jede Menge Leben und Bewegung drin, ist für jede Generation viel Erkenntnisreiches dabei, bekommt man Antworten auf (bislang) ungestellte Fragen, weil man einst dafür noch zu jung, zu abgelenkt, zu ich weiß nicht was war.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer

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Friedrichshafen: Auf Traumreise mit dem Zeppelin

Veröffentlicht am 06.12.2017

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDer Traum vom Fliegen fasziniert die Menschen bis heute – obwohl Flugtickets teils bereits für kleines Geld zu kriegen sind und das Fliegen damit längst nicht mehr nur wenigen vorbehalten ist. Im Gegenteil: Am Himmel über Deutschland ging es gerade diesen Sommer so geschäftig zu wie noch nie zuvor!

Die Rekordmarke von 10.000 Flügen pro Tag wurde allein in diesem Juni, so verlautete die Deutsche Flugsicherung (DFS) im Spätsommer, gleich mehrfach überschritten. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 1,5 Millionen Flüge registriert, bis Jahresende erwartet die DFS das Überschreiten der Drei-Millionen-Marke – mehr Flüge als jemals zuvor. Ein Flugaufkommen also, das sich in dieser Menge so mancher Pionier der Lüfte wohl kaum jemals so vorgestellt hat. Und ganz sicher auch nicht gedacht hat, wie viele Menschen heute an Bord eines einziges Flugzeuges gehen können – und in welch kurzer Zeit sie dabei große Distanzen zurücklegen …

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch ohne ihre Visionen wäre all dies heute nicht möglich! Kein Wunder also, dass die Anfänge der (kommerziellen) Luftfahrt und ihre unerschrockenen Helden noch immer die Menschen beeindrucken. Und wo man ihnen und ihren Geschichten irgendwie nahe kommen kann, magisch davon angelockt werden. Die einen besuchen Oldtimer-Flugtage und staunen, was die Doppeldecker von einst bis heute fliegerisch drauf haben. Die anderen schauen sehnsüchtig den Rundflügen legendärer Flugobjekte nach – ob es nun die gute alte "Tante JU" mit dem unverkennbaren Sound ihrer drei Neun-Zylinder-Motoren ist oder das leise Surren des modernen Zeppelin NT.

Letzterer ist am Bodensee von Anfang März bis in den November hinein am Himmel allgegenwärtig, wo er von Friedrichshafen aus seine Runden dreht und den Passagieren aus 300 Metern Flughöhe ein etwas anderes Sightseeing ermöglicht – für 30, 40, 45, 60, 90 oder 120 Minuten Flugdauer.

Und obwohl dessen Tickets ihre Preise haben, wer an seinem Wunschtermin abheben will, muss früh dran sein und fix buchen – oder bleibt am Boden. Oder auch auch nicht! Denn er könnte alternativ zumindest imaginär abheben, einer fast perfekten Illusion sei Dank: Im Zeppelin Museum Friedrichshafen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIn dem denkmalgeschützten Bauhaus-Gebäude an der Friedrichshafener Bodensee-Promenade unweit des (Bus-)Bahnhofs taucht der Besucher ein in die weltweit größte Sammlung zur Luftschifffahrt. Ums in Zahlen zu sagen: Auf über 4.000 Quadratmetern und verteilt auf drei Etagen warten inklusive zweier Bereiche für (kunstvolle) Wechselausstellungen rund 1.500 Exponate darauf, entdeckt zu werden.

Ein absolutes Highlight sind die begehbaren Passagierräume des LZ 129 "Hindenburg", die originalgetreu von der umschließenden Außenhaut über die innenliegende Metallkonstruktion bis hin zu vollausgestatteten Kabinen und Gesellschaftsbereichen zu sehen sind – und je nach Station im Laufe des Museumsrundgangs einen anderen Blickwinkel in und auf sie erlauben. Man glaubt beinahe, jedem Augenblick müssten einem Passagiere und Personal begegnen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerUnd so, wie man dort in die Szenerie reingezogen wird, ergeht es einem auch bei zahlreichen der Vitrinen, in denen detailverliebte Arrangements aus historischen Fotos, Dokumenten und originalen Gegenständen den Betrachter in den Bann ziehen – vor allem, wenn es um das wohl unschönste, aber bekannteste Kapitel in der Zeppelin-Geschichte geht, die missglückte Landung und das dramatische Ende des LZ 129 "Hindenburg" am 6. Mai 1937 auf dem Flugplatz von Lakehurst bei New York. Einige Ausstellungsstücke sind nämlich unmittelbar mit Einzelschicksalen der Menschen an Bord verbunden. Da bildet sich dann und wann, bei aller Faszination, doch unweigerlich ein Kloß im Hals.

Der jedoch eine Ecke weiter so schnell verschwindet wie er sich gebildet hat, weil ein neues Luftschiff-Kapitel mit anderen Akzenten aufgeschlagen wird. Etwa in der Zeppelin-Wunderkammer, die einem Sammlerkabinett des 16. Jahrhunderts gleich, von Boden bis zur Decke den Zeppelin ganz anders und ziemlich "untechnisch" zeigt – auf Tassen und Tellern, aus Blech geformt oder auf Münzen gestanzt, als Spielzeug oder Stiftebox, als Zeppelinwurst (in Dosen) oder Luftschiffaschenbecher. Nichts, was es nicht gibt, hier ganz kunstvoll, da Kitsch pur.

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"Wir haben beschlossen, zusammen Schiffe zu bauen, große Schiffe."

Veröffentlicht am 23.10.2017

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerZugegeben, das ist nicht das bekannteste Zitat aus dem Kult-Film "Pretty Woman". Stellen wie "Der liegt in der Kurve wie auf Schienen" und vor allem "Schlüpfriges Scheißerchen!" rufen bei deutlich mehr Zeitgenossen wissendes Grinsen hervor. Aber wie ich so am Eingang zum Besucherzentrum der Meyer Werft vorbei Richtung Dockhallen schauen und gerade überschlage, wie viele Schiffsetagen darin Platz haben (und dann immer noch Luft nach oben ist!), kommt mir dann doch dieser eine Satz in den Sinn. Ich gestehe, im Film geht’s um Tanker, nicht um Kreuzfahrtschiffe – aber: In Papenburg, Deutschland ältester und längster Fehnkolonie, die ihrer vielen Kanäle und Brücken wegen gerne mal mit dem Beinamen "Venedig des Nordens" versehen wird, werden (und wurden) nicht nur Cruiseliner vom Stapel gelassen. Wer ein bisschen in die Werft-Geschichte eintaucht, wird erfahren, dass seit 1961 auch rund 60 Gastanker gebaut wurden.

Berühmt geworden ist die Meyer Werft – und damit Papenburg – aber mit den bislang über 40 hier gebauten Kreuzfahrtschiffen. Bis 2020 sollen es sogar schon über 50 sein. Das "zierlichste" zählte gerade mal 42.000 Bruttoregistertonnen, das größte 180.000. Dimensionen, die einen schwindlig werden lassen. Und wenn man dann noch erfährt, dass der erste Luxusliner, die 1984/85 gebaute Homeric, damals noch ganz traditionell quer vom Stapel gelassen wurde, da die flutbaren, gewaltigen Docks von heute damals noch Bauzeichnungen waren, wird einem noch mal ganz anders. Da gehört schon Mut dazu. Und Visionen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerEine Ahnung davon bekommt man bei einer Führung auf der Meyer Werft; ein Angebot, das inzwischen 250.000 Besucher im Jahr zum Anlassen nehmen, ins idyllische Emsland zu reisen. Den Besuch in der "Geburtsstätte" der Ozeanriesen verbinden die meisten dann gerne mit ein, zwei Tagen Aufenthalt mehr. Auch ich habe links und rechts des Hauptkanals von Papenburg noch das eine oder andere für mich entdeckt. Dieser etwa entpuppt sich als Open-Air-Schifffahrtsmuseum, liegen in ihm über die Stadt verteilt doch Nachbauten von sechs hier einst vielgebauten (etwa ein Schoner, ein schnelles Frachtschiff) bzw. -genutzten Schiffstypen (wie etwa einer Spitzmutte, einem Torf-Lastkahn). Gegenüber dem Rathaus ankert Papenburgs Wahrzeichen, die Brigg "Friederike von Papenburg", die man auch besichtigen kann. Dort wie vor allem im interaktiven Museum Zeitspeicher findet man auch Mitarbeiter der Tourist-Information.

Wer das mit Papenburgs Wurzeln als Torfabbau-Ort genauer wissen will, mit den Entwässerungskanälen, den kleinen Werften und schmalen Lastkähnen – der ist wiederum in der Von-Velen-Anlage genau richtig. Dort erzählen historische Unterkünfte von Torfpütten bis zu Kapitänshäusern die Geschichte der Stadt und zeigen ihr ursprüngliches Gesicht. Charaktere von einst beleben das Ganze in Form von lebensgroßen Bronzefiguren. Unbedingt dort probieren: Herzhaften Buchweizen-Pfannkuchen, am besten mit Preiselbeeren und einer Tasse Ostfriesentee mit knisterndem Kandis und Sahnewölkchen. Denn: Buchweizen war lange Zeit das einzige, was auf dem hiesigen Torfboden wuchs, und damit das Grundnahrungsmittel Nummer eins. Inzwischen gedeiht hier manch anderes, sehr gut sogar, aber dazu später mehr.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerKehren wird noch mal zum eingangs erwähnten Filmzitat "Wir haben beschlossen, zusammen Schiffe zu bauen, große Schiffe." und damit in die Meyer Werft zurück. Ihre Ursprünge liegen eigentlich mitten in der Stadt, wo heute das Forum Alte Meyer Werft mit Hotel, Stadthalle und kleinem Theater lockt. Wie zu den Werftanfängen 1795 sieht es dort nicht mehr aus und doch zeugt hier vieles von bedeutsamen Entwicklungsschritten der Werft. 1874 etwa startete man mit dem Bau von Eisenschiffen – und so findet man überall Relikte aus dieser Zeit wie etwa Lochstanzen oder Walzen. Das Restaurant Schnürboden beispielsweise ist die alte Maschinenbauhalle, ihr Laufkran mit dem riesigen Haken "schwebt" in unübersehbarem Minz-Anstrich noch immer oben unter dem Glasdach. Das 1975 daneben gebaute Trockenbaudock gibt es allerdings nicht mehr, an seiner Stelle ankern heute die Boote des Yachtclubs.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDer Kreuzfahrtinteressent von heute erlebt bei seiner Besucherzentrum-Tour die Neue Meyer Werft, deren Keimzelle 1985/86 der Bau des sogenannten Baudocks 1 war. Es ist heute die kleinere der zwei "Montagehallen", wobei klein relativ ist – denn 370x102x60 Meter sind echt beeindruckend. Und ihr Kran kann Schiffselemente von bis zu 600 Tonnen bewegen. Die größere toppt das noch einmal: 504x125x75 Meter und ein Kran, der 800 Tonnen heben kann. Da muss man schon ganz schön den Kopf in den Nacken legen, um bis zum Hallendach zu schauen. Apropos Schiffselemente: Auch das lernt man im Besucherzentrum, Schiffe werden hier wird nach dem Lego-Prinzip zusammengebaut, nur das die einzelnen Bausteine viel gewaltiger sind und selbst schon aus unzähligen Einzelteilen bestehen! Und während vorne ein Schiff "fast schon fertig" aussieht, wird hinten bereits an Teil-Elementen des nächsten gebaut. Echt faszinierend, wie da alles ineinander greift.

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