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"Vinologische" Rheingau-Erlebnisse: Einmal Kloster und zurück

Veröffentlicht am 10.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDank seiner geschlossenen Gesamtheit ist die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Eberbach im Rheingau eines der am besten erhaltenen Beispiele mittelalterlich-sakraler Baukunst. Wenn sie auch nicht wie Kloster Maulbronn UNESCO-Weltererbe-Status besitzt, so ist die weitläufige Anlage oberhalb der Wein-, Sekt- und Rosenstadt Eltville (zur der es gehört) und Kiedrich (das gotische Weindorf ist der nächstgelegene "Nachbar") doch das Ziel unzähliger Kulturinteressierter und auch Pilger – obgleich das Kloster 1803 säkularisiert wurde.

Auf Veranlassung von Bernhard von Clairvaux 1136 im – damals wie heute – abgeschiedenen und kaum einsehbaren, daher gut geschützten Kisselbachtal fern vom Rheinufer gegründet (dabei heute bestens erreichbar, sei es zu Fuß, per Auto oder ÖPNV-Linienbus), kann man in und um die Klosteranlage herum noch immer viel Zisterzienser-Geschichte atmen. Nicht nur am Zisterziensertag, der immer Ende August begangen wird. Hinzu kommen noch seine jahrhundertelange Weinkultur (die Mönche brachten einst Rebstöcke aus Frankreich mit) und ein Hauch große weite Kinowelt (allen voran der in großen Teilen hier mit Weltstars wie Sean Connery, Christian Slater und F. Murray Abraham gedrehte Blockbluster "Der Name der Rose" ). Damit sind dann auch die drei Top-Gründe für einen Eberbach-Besuch(neben Events, allen voran in den Sommermonaten die Konzerte des Rheingau Musik Festivals) auf den Punkt gebracht.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDas Beste daran? Man kann als Tagesgast eigentlich alles haben! Wenn man denn mag. Und manches Führungsangebot vereint sogar fast alle Komponenten in sich, wahlweise kombiniert man diese eben geschickt.

Wer also seinen Besuch statt spontan mit etwas Vorlauf planen kann, der ist gut beraten, zuerst den Eventkalender mit den Führungen und Veranstaltungen des Klosters anzuschauen – es lohnt sich. Denn da locken Extras wie der "KinoSommer: "Der Name der Rose" am Originaldrehort", Themenführungen zu "Der Name der Rose" oder der (Kloster-)Architektur, aber auch Schlender- und Cabinettkeller-Weinproben.

Durchs Kloster kann man natürlich auch individuell mit einem Faltblatt oder per AudioGuide stromern; ich rate Erstbesuchern aber lieber zur Führung. In einer guten Stunde bekommt man dabei komprimiert, doch kurzweilig die wichtigsten Stationen des Klosters gezeigt, erhält einen kurzen Abriss über seine geistliche wie önologische Geschichte und nebenbei das eine oder andere aus der Gegenwart der heute sehr weltlich arbeitenden, dabei noch immer höchst spirituell wirkenden Anlage.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerKeine Frage, Sean Connery spielt dann genauso eine Rolle wie Bernhard von Clairvaux, man lauscht mal Zisterzienserregeln und hört dann Anekdoten vom Filmdreh, muss angesichts von Veranstaltungsaufbauen oder Sanierungsprojekten vielleicht auch mal etwas Fantasie mitbringen, wie es wohl sonst aussieht, und wird auf Details wie sprechende Bilder und namensgebende Räumlichkeiten hingewiesen. Klingt nebulös? Soll es auch! Denn warum das Kloster genau dort liegt und Eberbach heißt oder warum es das Weinprädikat Kabinett gibt, das lernt eben, wer eine Tour mitmacht. Warum also schon jetzt alles verraten? Mitgehen, umsehen, zuhören! Auf dem Weg durch die einstige Klausur erlebt man so den Kreuzgang und die Basilika, passiert die Klostergasse, steht mal im Mönchsdormitorium, dann im Laienrefektorium.

Und stößt immer wieder auf das Thema Wein und stolpert über den Namen Steinberg. Diese weltberühmte Lage, die sich seit 1239 im Alleinbesitz des Weinguts befindet, liegt gerade mal 300 Meter vor den Toren des Klosters:

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerBenannt wurde der Steinberg nach der fast drei Kilometer langen, ihn umlaufenden – und "ablaufbaren" – Bruchsteinmauer, die nicht nur gegen Traubenklau, sondern auch vor kalten Winden schützt. Wandert man an ihr innen vorbei, merkt man, wie sich hier die Wärme intensiv(er) hält und so das unvergleichliche Mikroklima des Weinbergs beeinflusst. Nur die Trauben der exakt an ihr wachsenden Reben werden übrigens für den sogenannten "Mauerwein" gelesen, der auch im "Schwarzen Häuschen" ausgeschenkt wird.

Das mittendrin liegende Wingertshäuschen sieht aus wie eine hübsche Gartenlaube (andernorts sind es in der Regel schlichte Schuppen) und diente dereinst als Unterschlupf für die Winzer, die im Weinberg arbeiteten. Bei schlechtem Wetter etwa oder für ihre Pausen. Heute ist es eine im Sommerhalbjahr beliebte Anlaufstelle für Ausflügler und Wanderer auf dem Rhein- oder Klostersteig (und all den anden Wanderwegen, die den Steinberg kreuzen oder passieren) und ein idyllischer Ort für eine kleine Brotzeit mit Weck, Worscht und natürlich Wein. Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach im Allgemeinen und vom Steinberg im Besonderen.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerNeben dem Weinberg wurde in den Hang hinein der modernste Riesling-Keller Europas, der Steinbergkeller, gebaut und vor nunmehr zehn Jahren, 2008, eingeweiht. Eine Tour durch diese "Kathedrale für den Riesling", wie damals die FAZ schrieb, ist das i-Tüpfelchen eines Klosterbesuchs. Ein übrigens gar nicht mal so übertriebene Titulierung, wie man kurz darauf lernt; denn was man von oben kaum erkennen kann – es geht drei gewaltige Stockwerke (immerhin müssen da auch riesige Stahltanks hineinpassen) in die Tiefe!

Dort liegt die rund 5.000 Quadratmeter große Kelleranlage, wo der gesamte Kelterprozess stattfindet. Auch das Flaschenlager befindet sich hier unten, wo die abgefüllten Weine dann bei ganzjährig gleichbleibender Kellertemperatur unter optimalen Bedingungen heranreifen. Deutlich über eine Million Flaschen können hier ruhen.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerUnd während sich oben das Wenige des (im Vorfeld vieldiskutierten) modernen Baus, das man letztlich sieht, nun scheinbar selbstverständlich in das historische Umfeld der alten Bestandsgebäude (darunter das Fachwerkgebäude der einstigen Rebveredlungs-Anstalt und die angrenzende Steinbergsmauer), einfügt, regiert unten faszinierender Hightech inmitten klarer Architektur. Übrigens mit Tageslicht, wofür raffinierte Lichtfallen sorgen (und so die EU-Arbeitsnormen erfüllen).

Wer dieses "Weinerlebnis im Steinbergkeller" selbst in Augenschein nehmen will, sollte sich eine Stunde Zeit nehmen – und darf sich während der Tour auf die Verkostung von drei Weinen der Staatsweingüter freuen. Dazwischen erfährt man so ganz nebenbei, mit welchen technischen Raffinessen heute Trauben selektiert und gekeltert werden und warum es auch inmitten all der Moderne einen Cabinettkeller mit 40 Holzfässern gibt. Und nein, ich verrate immer noch nicht, was es mit dem Kabinett auf sich hat. Hingehen, umschauen, zuhören!

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWer danach endgültig auf den Geschmack gekommen ist und nicht ohne Weinkisten heimreisen will, sollte noch mal „ins Kloster gehen“ und dem Klosterladen einen Besuch abstatten – denn dort, im ehemaligen Kelterhaus, ist auch die Vinothek der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach untergebracht.

Der Schwerpunkt des Wein- und Sektsortiments liegt, kein Wunder angesichts eines regionalen Anbau-Anteils von 80 plus Prozent, auf Rieslingen aus den wertvollsten Lagen des Rheingaus und der Hessischen Bergstraße. Außerdem nehmen die Spätburgunder aus dem Assmannshäuser Höllenberg, der dritten Domäne der Staatsweingüter, hier einen besonderen Platz ein. Seit den 1920er Jahren hat man sich dort nämlich ganz dem Ausbau des Pinot Noir verschrieben.

In diesem Sinne: "Vinum delectat et laetificat cor hominum. / Der Wein ergötzt und erfreut des Menschen Herz." (Psalm 104,15 – ein Wahlspruch der Zisterzienser).

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer

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