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Wiedensahl: Wo die Wiege von Max & Moritz steht

Veröffentlicht am 16.08.2018

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerIm "Schaumburger Land", ziemlich genau an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, liegt die Heimat von Wilhelm Busch. Der Maler und Schriftsteller wurde 1832 in Wiedensahl geboren. Schon seit den 1870er Jahren in ganz Deutschland berühmt, galt er bereits bei seinem Tod 1908 dank seiner Bildergeschichten als "Klassiker des deutschen Humors". Heute tituliert ihn mancher gar als "Urvater des modernen Comics". Der kleine Marktflecken mit seinem gerade einmal tausend Einwohnern jedenfalls zehrt davon, ist und lebt seither Wilhelm Busch: Denn der große Zeichner, Maler und Dichte war zwar viel unterwegs (er studierte etwa in Hannover, Düsseldorf, Antwerpen und München), lebte jedoch mehr als 40 Jahre in seinem Heimatort.

"Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
vorausgesetzt man hat die Mittel." 
(W. Busch)

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerDas Wilhelm-Busch-Geburtshaus, ein typisches niedersächsisches Fachwerkaus, das unübersehbar an der Hauptstraße liegt, ist heute ein liebevoll gestaltetes Museum mit vielen kleinen Szenen und Details (so arbeitet etwa Witwe Bolte im Keller). Dort sind neben zwei Wohnräumen seiner Kindheit nun allerlei Bildergeschichten, Zeichnungen und viele persönliche Gegenstände zu sehen. Auch etliche Zeugnisse seiner Malerleidenschaft jenseits von Max und Moritz, Witwe Bolte, Lehrer Lämpel und Co. finden sich hier.

Im Obergeschoss ist derzeit die amüsant-lehrreiche Sonderausstellung "Wilhelm Busch und die Medizin" zu sehen ist (noch bis 20.01.2019). Die Idee und Vorlage dazu war das gleichnamige Buch des Internisten Dr. Hartmut Gill (erschienen im Hinstorff Verlag). Der Arzt griff sich aus dem Fundus an Beobachtungen und Behauptungen Buschs gezielt allerlei Medizinisches heraus. Zitat: "In ebenso akribischer wie leichtfüßiger Manier trug der Autor Krankheit und Heilung, Gesundheit und Laster in Buschs Bildergeschichten in einem Buch zusammen." Herausgekommen ist in Wiedensahl eine kleine witzige Schau, der es nicht an echten Fakten mangelt.

"Das weiß ein jeder, wer‘s auch sei,
gesund und stärkend ist das Ei." 
(W. Busch)

Nur ein paar Schritte vom Geburtshaus aus nach rechts Dorfstraße hinunter kann man im "Museum im Alten Pfarrhaus" eine weitere Wohnstätte von ihm besichtigen. Am Rand des angrenzenden Friedhofs mit der Grabstätte der Familie Busch steht das Wilhelm-Busch-Denkmal von 1913. Es zeigt den Künstler auf einem Bronze-Relief – rauchend, wie man ihn auch auf vielen Fotos sieht. Dabei soll er sogar zweimal geradeso eine Nikotinvergiftung überlebt haben …

"Drei Wochen war der Frosch so krank! 
Jetzt raucht er wieder. Gott sei Dank!"
(aus: Der Frosch und die beiden Enten, W. Busch)

Im Pfarr(bauern)haus, wo Herrmann Nöldecke, Buschs Schwager, als letzter Pfarrbauer tätig war, wohnte der zeitlebens unverheiratete Busch zusammen mit der Familie seiner Schwester Fanny gut sechs Jahre. Im Obergeschoss des heute als Gemeindehaus genutzten Gebäudes hat der Heimatbund Wiedensahl sein Museum (c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. Sahmereingerichtet. Es zeigt unter anderem die Schlafkammer und das Atelier Buschs – wo der Meister ehrlich gesagt an einem erstaunlich kleinen Schreibtisch arbeitete, aber offensichtlich ein großer Briefeschreiber war ... von denen einem nämlich in den einstigen Wohnräumen überall lesenswerte Ausschnitte begegnen.

Der Schwerpunkt des Museums liegt eigentlich auf der Heimatgeschichte: So passiert man zunächst eine zugegeben etwas skurrile Sammlung von Saurierspuren, Fossilien und alten Tongefäßen, aber auch von Hausgeräten, Werkzeugen und Geräten für die Flachsverarbeitung aus den vergangenen Jahrhunderten, bevor man in die deutlich weniger eingestaubte Welt von Wilhelm Busch eintreten kann.

Eine kleine Welt, überschaubar und scheinbar unspektakulär (wie das ganze Dorf bis heute auf den ersten Blick) – aber für ihn offenbar genau der richtige Schaffensort:

"Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge."

(W. Busch)

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerBusch soll gerne und viel im und rund um den Ort spazieren gegangen sein. Mit einem kleinen Faltblatt bewaffnet ("Dorfspaziergang mit Wilhelm Busch") und den entsprechenden Wegweisern und Hinweistafeln folgend, kann man auf seinen Spuren durch und rund um Wiedensahl, von dem er übrigens viele Bilder gemalt hat, herum streifen. Ob man nun an der ehemaligen Poststelle vorbeikommt, von wo aus Buschs Druckstöcke für die Bildergeschichten an seine Verleger gingen, im heutigen Café Busch-Keller einkehrt, das sein zweites, neugebautes Elternhaus war, wo der Vater – ein Kaufmann – mehr Platz hatte, um seinen Geschäften nachzugehen, oder das einstige Pfarrwitwenhaus betrachtet, wo Busch mit seiner verwitweten Schwester und ihren drei Söhnen ab 1879 fast 20 Jahre lebte; Busch ist hier wirklich überall. Und wenn es nur in Form des Bolte-Stein ist.

Den Namen trifft man übrigens in Wiedensahl häufiger an, heißt es. Doch wem Busch mit seiner Witwe Bolte ein literarisch-gemaltes Denkmal gesetzt hat, das weiß keiner so genau … warum auch? Seine Figuren sind sowieso einmalig:

"Busch ist der eigentliche Erfinder der zeichnerischen Kurzschrift.
Ich weiß keinen Vorgänger, dem es gelungen wäre oder der auch nur versucht hätte,
in so knappen Strichen das Leben einzufangen, durch einen einfachen Federzug so unerhört gesteigerte Bewegung,
so unvergessliche Typen mitsamt der ihnen zukommenden Umgebung auf einem kleinen Blättchen Papier hervorzuzaubern.
"

(Th. Th. Heine)

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