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Wie bei Oma auf'm Sofa: Das Café Erni & Illi in Nierstein

Veröffentlicht am 13.08.2017

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerPech gehabt - die frisch gemachten Sandwiches waren verputzt, das Stück Kuchen, eine Donauwelle, die schmeckte wie bei (Groß-)Muttern mit Genuss verspeist (mit so richtig schön unregelmäßiger Schokoglasur obendrauf, mit nicht zu viel Creme, dafür top versunkenen leckeren Kirschen, also definitiv liebevoll selbstgemacht und vor allem schlicht direkt vom Blech angeboten) ... Da, erst da kam mir erst der Gedanke, doch mal ein Bild zu machen.

Vielleicht, weil ich zwar in die Generation Facebook, Instagram & Co. hineingewachsen, aber eben auch noch in der analogen Welt groß geworden bin. Damals, als jedes Foto noch insofern kostbar war, da die Verschwendung von Filmmaterial wohl bedacht (und teuer bezahlt) werden wollte. Da wurde noch nicht alles sofort fotogafiert und online kommentiert. Da hat man einfach Platz genommen, sich wohl gefühlt und es sich schmecken lassen. In Echtzeit. Ganz real. Mit zum Greifen nahen Menschen. Wo man bei einer guten Tasse Tee oder Kaffee so schön ins Plaudern kam. Und Selbstgebackenem. Torte vom Konditor oder Teilchen vom Bäcker? Das kam in meiner Kindheit selten auf den Tisch. Wenn, dann fiel Ostern sprichtwörtlich auf Pfingsten und war's was ganz besonderes, keine Frage. Aber egal wie toll es aussah und schmeckte, keine Konkurrenz für die Kuchen von (Groß-)Muttern. Nie!

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerUnd so, genau so, geht es einem im Café Erni & Illi im Winzerdörfchen Nierstein am Rhein. Der Marktplatz des rheinhessischen Weinörtchens hat definitiv gewonnen; an frischem Wind und köstlichem Backduft, an Lebenslust und süßen Kuchenträumen. In dem alten Haus waren früher eine Drogerie, dann ein Dessous- und schließlich ein HiFi-Geschäft. Heute leben oben die Besitzer und Gastgeber Claudia Baierl & Werner Bücheler - und unten lädt das Café Erni & Illi ein, quasi als großes Wohnzimmer der beiden (ein kleines Sofa hat's da tatsächlich, eine Stehlampe auch, zwei Sessel mit nostalgischen Couchtisch und eine gemütliche kleine Eckbank ebenfalls), benannt nach Claudia Baierls Oma und Opa. Erni & Illi sind nämlich die Kosenamen ihrer Großeltern Ernst & Ilse, die sich damals in der Konditorei der Oma kennen und lieben gelernt haben. Die beiden waren 64 Jahre glücklich verheiratet und Claudias Oma hat die Familie Zeit ihres Lebens immer mit ihren selbstgebackenen Kuchen verwöhnt. Das prägte. Nachhaltig.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDenn irgendwie steckt diese Liebe zu hausgemachten Kuchen immer in ihr. Doch wie es im Leben meist so ist, erst auf Umwegen landete die gebürtige Würzburgerin, die einen Abschluss als Diplom-Geografin hat und 13 Jahre lang als PR-Beraterin für Tourismuskunden arbeitete (aus diesen Zeiten kennen wir uns), in Nierstein. Seit 2014 lebt sie dort aus, wovon sie heimlich schon immer träumte: Backen, bewirten, andere (und damit sich) glücklich machen - wie ihre Oma. Mit hausgemachte Kuchen und Snacks (etwa herzhafte Quiches, weswegen das Café auch für all' diejenigen geeignet ist, die es nicht süß mögen), Kaffee und Bio-Tee in einem liebevoll eingerichteten Café.

Das mag auf den ersten Blick nicht durchgestylt wirken, manch einer würde vielleicht sagen zusammengewürfelt, aber ist doch mit Blick fürs Detail und Atmosphäre erzeugendem eingerichtet und harmoniert bestens. Eine herrliche Mischung aus Alt-Aufgearbeitetem und Neu-Hinzukombiniertem, aus Handarbeit und Handwerk. Mintgrün, weiß und grau dominieren als Farbe und sorgen für die große Linie, dazwischen bunte Akzente und auf den Tischchen Häkeldeckchen wie bei Oma und Zuckerdöschen & Väschen aus vergangenen Zeiten. Und die Kuchen? Die werden dem Gast auf jenen Sammelgedeck-Tellern serviert, die mich so an meine eigene Oma erinnern.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerSonntags, an Fest- und Geburtstagen kamen sie bei ihr zum Einsatz. Was habe ich als kleines Mädchen mit Hingabe die Gedecke zusammengesucht und auf den Tisch gestellt. Und was gab's da immer so leckere selbstgebackene Kuchen (nicht zu vergessen vorher das Zugucken, "Helfen" und Knethaken-abschlecken!). Omas Mandarinenkäsekuchen vom Blech, Mamas Marmorkuchen aus der Springform mit einem winzigen Schuss Rumaroma im Schokoteig ... genauso fühlte sich ein Aufenthalt im Café Erni & Illi an. Bei usseligem Wetter nur drinnen, bei Sonnenschein auch draußen auf der Markplatz-Terrasse. Herrlich. Köstlich. Wie früher. Aber im hier & jetzt - und täglich frisch: Hinfahren, hinsetzen, genießen!

Geöffnet immer mittwochs bis montags von 9.00 bis 17.00 Uhr (das Turmfrühstück muss ich noch ausprobieren und dafür sollte man unbedingt, vor allem am Wochenende reservieren - für "normal" Kaffee & Kuchen sonst am Tag einfach so vorbeikommen), dienstags ist Ruhetag. Tipp: Auf Facebook gibt's fast täglich ein verlockendes Kuchenstück-Foto als Appetitmacher!

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