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Angelesen         

Lesetipps, mal sachlich, mal unterhaltend - aber ums Reisen geht's irgendwie immer. Zumindest aber um Reiseziele.

Texterlei

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Gunther Träger: Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund

Veröffentlicht am 03.12.2019

Mit einem Bändchen für Flugbegeisterte – ob (Hobby-)Piloten oder Passagiere – erinnert die Frankfurter Kommunikationsagentur C&C Contact & Creation GmbH zum 35. Firmenjubiläum an ihren Gründer und langjährigen Agenturchef Gunther Träger. Der Tourismus-PR-Profi und begeisterte Flieger schrieb die acht Kurzgeschichten unter dem Titel "Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund" (C&C Publishing, 9,80 Euro) ein Jahr vor seinem Tod 2018.

Herausgekommen ist ein 112-seitiges Büchlein im A5-Format, das einige Erzählungen und viele seiner Flugbilder miteinander vereint, die ahnen lassen: Würde Gunther Träger noch leben, er hätte noch Dutzende mehr Geschichten im Pilotenkoffer! Und hätte auf Facebook noch so manches Bild "vom Himmel" gepostet. Wer ihn persönlich gekannt und mit ihm viele Jahre gearbeitet hat (ich selbst war über elf Jahre in seiner PR-Agentur tätig und eine ganze Weile davon auch für einige seiner fliegerischen Projekte zuständig), hat beim Lesen unwillkürlich seine Stimme im Ohr. Ganz ohne Kopfhörerknacken.

Er erzählt auf die ihm eigene Weise von erstaunlichen und ungewöhnlichen Ereignissen, lässt den Leser teilhaben an seinen Erlebnissen als Pilot, Fluglehrer und Prüfer. Und vor allem seine Faszination spüren, die ihn immer wieder abheben ließ – und die er (ich habe es selbst erlebt) so gekonnt auf zahllose Flugschüler übertragen und sie fit für "über den Wolken" gemacht hat.

Dabei sind seine Geschichten über gefesselte Passagiere, die mit verbundenen Augen an Bord kamen, Instrumente, die den Dienst verweigerten, oder einen Pilotensitz, der sich plötzlich selbstständig machte, alles andere als frei erfunden. Sie sind, ganz wie es der Untertitel sagt, "Anekdoten eines Fluglehrers". Alles selbst erlebt. Und entführen den Leser auf Verkehrslandeplätze wie Egelsbach, sozusagen seine Homebase, oder lassen ihn den großen Nachbarn Rhein-Main-Airport überfliegen, starten mal unter spanischer Sonne oder landen auf einer Staubpiste mitten in Namibia, lassen einen die technischen Grenzen schlechten Wetters miterleben und dann wieder den Blick bis zum unendlichen Horizont schweifen. Und das alles stets in einem einnehmenden Plauderton mit allerlei fliegerischen Seitenbemerkungen, die selbst für Leser ohne Pilotenlizenz verständlich sind.

Kapitel für Kapitel lernt man so nämlich ganz nebenbei einiges in Sachen Flieger-Wording, Instrumentenkunde sowie Luftfahrtgeschichte und sogar, wer genau liest, das eine oder andere Private, dass er, der PR-Profi, im "normalen" Arbeitsleben meist geschickt außen vor zu lassen wusste.

Doch wer einmal mit ihm geflogen ist, unter seiner Anleitung gar kurzzeitig testweise zum Piloten wurde und das unbeschreibliche Gefühl eines Low Approach erleben durfte (wir hatten unvergessliche 30 Minuten in Jerez de la Frontera miteinander in einer kleinen Katana DA20, vor der ich schon ihrer Größe, besser gesagt Kleinheit wegen einen gewaltigen Respekt hatte!), der durfte diese andere Facette von ihm kennenlernen: Auf der PR-Klaviatur in der Touristik hat er gespielt wie kaum ein anderer, in der Luft machte er (fast) den Vögeln Konkurrenz. Und dort blieb manchmal sogar er, der Meister der Worte, ungewohnt still; beeindruckt von dem, was der Himmel ihm bot und auf der Erde zu Füßen lag. Begeistern konnte er sein Gegenüber hier wie dort.

Kurzum: Auch wer Gunther Träger an keinem GAT dieser Republik oder sonstwo in Europa je begegnet ist, wird ihn mögen. Und seine Anekdoten. Und, sofern ein genauso langjähriger Flugbegeisterter wie er, selbst ein paar dieser Art zu erzählen haben ... Wer ein literarisches Präsent für Hobbypiloten oder Flugkapitäne sucht, der ist mit dem kleinen, reich bebilderten Band ebenso gut bedient wie alle, die auf dem Weg zum Flugschein sind und es kaum abwarten können bis zur nächsten Flugstunde. Aber nicht vergessen: Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kochen gegen Fernweh: Heute gibt’s Pacific touch

Veröffentlicht am 22.11.2019

Endlose Strände und stille Buchten, üppiges Grün und leuchtende Blüten, fremde Kulturen und faszinierende Traditionen – in der Ferne gibt es so viel zu entdecken und zu erleben. Gerade auch in Küche und Keller, denn andere Länder bedeuten andere Aromen und Gerüche.

Doch was für den einen dann ein aufregend-köstlicher Gaumengenuss ist, kann dem nächsten schnell mal unangenehm auf den Magen schlagen. Denn je tropischer das Land und je ungewohnter die Zutaten, desto länger benötigt mancher, bei aller lukullischen Neugier, um sich an fremdländische Kost zu gewöhnen.

Generell gilt die alte Traveller-Regel „Cook it, boil it, peel it or forget it!“: Nahrungsmittel sollten vor dem Verzehr gekocht, (durch)gebraten oder geschält worden sein, ansonsten sollte man lieber auf sie verzichten – ob am Hotelbüffet oder in der Garküche am Straßenrand. Auch bei exotischen Gewürzen ist zumindest anfangs weniger mehr. Weitgereiste wissen aber auch: Gerade scharfe Gewürze und Knoblauch sind natürliche Feinde von Bakterien, so dass Magen und Darm keinen Schaden nehmen, aber eben der Gaumen womöglich höllisch brennt …

In Deutschland und weiten Teilen Europas gehört Leitungswasser zu den saubersten und am besten kontrollierten Lebensmitteln, andernorts sollte man besser zu versiegelten Flaschen greifen. Doch der Durstlöscher ist bei Schärfe keine gute Wahl! Wo generell würziger gekocht wird, ist es üblich, dies durch die Beigabe von anderen Lebensmitteln zu mildern. Das wirkt auch beim Nachkochen zu Hause: Entschärfend wirken zum Beispiel (Fladen-)Brote und Milchprodukte wie etwa Joghurt.

Gut gewappnet für exotische Gaumenfreuden? Wie wäre es dann mit einer Kochreise? Gelingen könnte das zum Beispiel mit "Pacific Food. Das Reisekochbuch rund um den Pazifik" (Gräfe und Unzer Verlag, E-Book, € 23,99) von Heidi Köster und Claus Hiltner.

Dieses Buch kommt so faszinierend daher wie die angedeutete Surfwelle auf seinem tiefblauen Cover: Stylische Food-Fotos treffen auf handgemalte Reise-Skizzen, die die exotischen Sehnsuchtsziele des Pazifiks facettenreich darstellen – und sich gekonnt mit kleinen persönlichen Erlebnisberichten und über 100 Rezepten verbinden. Diese Mischung lässt den Leser von der Spitze Südamerikas über Kalifornien, Hawaii, Japan und Hongkong bis nach Polynesien reisen und weiter bis Tahiti, Bora Bora, zu den Fidschis sowie nach Samoa.

Was für Traumziele! Welche Exotik!! Denn die beiden haben in dem Buch, das zwischen Reiseführer und Kochbuch einen perfekten Spagat hinlegt, wirklich eine Traumreise verarbeitet: Jahrelang haben sie den sogenannten Pacific Rim durchstreift, der sich, geprägt von den Vulkanen des Ring of Fire, über vier Kontinente spannt. Wer da beim Blättern noch kein Fernweh kriegt, den erwischt es aber allerspätestens beim Nachkochen. Und da findet jeder sein Gericht. Bestimmt. Hilfreich: Die sechs Basisrezepte für Gewürzmischungen, Pasten & Dips sorgen dafür, dass (auch andere) Gerichte flink einen Pacific touch erhalten. Ausprobieren, denn Cross-over-Küche ist immer wieder spannend!

Das Kochbuch wurde mir als Rezensionsexemplar von dem Verlag zur Verfügung gestellt.

Asiatisch mit und ohne Stäbchen

Veröffentlicht am 15.11.2019

Die fernöstliche Küche ist bunt und abwechslungsreich, kommt mal einfach, dann wieder raffiniert daher! Sie lebt von vielfältigen Aromen und exotischen Gemüse- und Obstsorten, die man immer öfter auch hier problemlos bekommt – sogar jenseits von Aisa Läden. Sich leichter lukullisch weit weg zu träumen, geht kaum.

Doch was ist im Fernen Osten, ob in China, Korea oder Vietnam, in Indien, Thailand oder Japan so anders als bei uns? Einiges! In der asiatischen Küche gibt es beispielsweise zu jeder Tageszeit Suppen. Und die Salate basieren nicht nur auf grünen Blattsalaten aller Art, sondern werden gerne auch mit Glasnudeln, Reis oder Fleisch zubereitet. Vor allem aber sind es einige typische Zutaten, die unsere Gaumen sofort "in die Ferne" schicken – allen voran jene Würzsaucen, die in Asien so gebräuchlich sind wie bei uns Pfeffer und Salz:

Die klare, bernsteinfarbene Fischsauce zum Beispiel wird nicht ohne Grund als "das Salz Südostasiens" bezeichnet – doch nicht jeder mag ihr unverkennbar fischiges Aroma. Auch die in vielen Intensitäten erhältliche Sojasauce wird derart würzend genutzt. In China wird zudem zwischen einer hellen und einer dunklen mit leichtem Lakritz-Aroma unterschieden. Bei der fast schon cremigen Austernsauce kommt zur salzigen noch eine leicht pikant-süßliche Note hinzu. Häufig wird sie mit Sojasauce und Gewürzen vermischt – und dient so als Dip, der bei Tisch zum individuellen Nachwürzen gereicht wird. Ihre vegetarische Variante wird übrigens aus Shiitake-Pilzen gemacht.

Genug der Vorworte, ran an die Kochbücher:

Nudeln dürfen in keiner asiatischen Küche fehlen, sie überwinden dort, was die Politik oft trennt. Und auch hierzulande begegnet man ihnen als Streetfood inzwischen an (fast) jeder Straßenecke. Grund genug für das multinationale Autorinnen-Trio Chihiro Masui, Minh-Tâm Trân und Margot Zhang sie in den Fokus ihres Kochbuchs "Asia Noodles. 150 Rezepte für Ramen, Udon, Soba & Co." (Knesebeck Verlag, € 36,00) zu rücken.

Dabei reicht ihre Rezeptvielfalt von allerlei (Nudel-)Suppen über gebratene Nudeln aus dem Wok bis hin zu frischen Soba, die in eiskalter Brühe serviert werden. Man lernt schnell – auch in Fernost ist Nudel nicht gleich Nudel. Da haben die Italiener kein Patent drauf. Und für deren Herstellung braucht man keine (Nudel-)Maschine, aber kräftige Hände, Wellholz, Messer und Schere – und das Wissen über den richtigen Gar-Punkt, damit nichts wahlweise noch viel zu hart ist oder weichgekocht regelrecht verklebt. Auch da wetteifern die asiatischen mit den italienischen Nudeln in Sachen "prätentiös und eigen", um köstlich zu sein.

Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen dabei, wie die beliebtesten asiatischen Nudeln selbst hergestellt werden. Rezepte für Brühen und Tipps zu den wichtigsten Basics holen zudem den Style fernöstlicher Gar- und Straßenküchen an den heimischen Herd.

Während das Trio viele asiatische Länderküchen nach Nudeln durchstreifte, steht einzig der Genuss im – sehr großen und vielfältigen – "Reich der Mitte" im Mittelpunkt von "CHINA. Die Küche des Herrn Wu" von Ursula Heinzelmann (Tre Torri Verlag, € 25,00). Der kochbegeisterte Leser lernt unter anderem: Wenn Chinesen essen gehen, ist jeder quasi verpflichtet, ein anderes Gericht zu bestellen – so kommt ebendiese Vielfalt auf den Tisch.

Daher sind die rund 80 (mal milden, dann sehr würzigen) Rezepten in diesem Buch auch anders sortiert als man es gemeinhin kennt: In einen Sommerabend etwa, ein Wintertreffen oder für ein vegetarisches Menü. Sie können mal nur Vor- und Hauptspeisen enthalten, dann aber auch ein Dessert.

Spannend und mal was anderes: Der Blick in die private Küche des Herr Wu – mit seiner Frau Inhaber und Kopf des Berliner Restaurant Hot Spot – und was er der Familie serviert. Vorweg erfährt man einiges über das Reiseland China und den Wein-Faible des Herrn Wu, denn er zeigt mit Hingabe und Sachverstand, dass fernöstliche Küche und europäische Weine ganz wundervoll harmonieren!

Schönes Ausstattungs-Detail: Die offene, nur mit Leim geschützte Fadenheftung am Buchrücken, auch das – typisch chinesisch.

Die Kochbücher wurden mir als Rezensionsexemplare von den Verlagen zur Verfügung gestellt.

In New York ist alles möglich – auch auf dem Teller!

Veröffentlicht am 24.04.2019

Die Metropole an der US-Ostküste ist nicht nur für Citykundler ein Topziel, ob sie nun shoppen wollen oder chillen, Jazz lieben oder Klassik. Auch für Gourmets und Genießer ist die Stadt am Hudson River ein ideales Reiseziel, denn der Melting Pot bietet Schmackhaftes für jeden Gaumen und Geldbeutel.

Denn in Big Apple auf kulinarische Weltreise zu gehen ist kein Problem: Hier gibt es so viele Nationalitäten und Länderküchen, dass ein Aufenthalt wohl schwerlich reicht, um all die lukullischen Besonderheiten und leckeren Cross-over-Ergebnisse zu auszuprobieren New Yorks Speisekarte ist einfach sensationell multikulturell – wie ein Blick in die Regale für Kochbücher zeigt.

Die Stadt, die niemals schläft, steht halt niemals still. Noch nicht mal am Herd. Kein Wunder: Die geschäftigen New Yorker eilen stets von A nach B und sind (fast) immer mit einem Snack to go unterwegs, vor allem in Downtown und Midtown Manhattan. Wer es ebenso schnell, dabei obendrein gut bis gesund mag, ist vor allem in den viele Delis – den vielfältigen Delikatessen-Bars, die teils bis zu 24 Stunden ein frisches Speisenangebot offerieren – an der richtigen Adresse. Nichts, was es hier nicht gibt. Je nach Straßenviertel überwiegt mal die eine oder andere Länderküche oder es wird kombiniert, was der Herd und die Herkunft hergeben: Fusion Food hat in New York (s)eine Heimat gefunden.

Das wohl bekannteste Deli dürfte das legendäre Katz’s in der Lower East Side sein. Es eröffnete bereits 1888! Seit Meg Ryan dort als Sally vor Harry (gespielt von Billy Cristal) lustvoll ihren Teller aufaß, ist es bis heute eines der bestbesuchten der Stadt. Und der Satz "I'll have what she's having." laut American Film Institute eines der 100 besten Filmzitate aller Zeiten. Dabei hatten die beiden noch nicht einmal typische New Yorker Delikatessen bestellt. Waldorf Salad zum Beispiel, Eggs Benedict oder ein New York Strip Steak. War da nicht was mit Salat … und dem Dressing auf einem Extra-Teller? Für mich zwar unvorstellbar, aber jedem das seine. Doch der Film ist längst Kult, auch und gerade wegen dieser Szene. Er kam übrigens im Sommer 1989 in die amerikanischen Kinos. Das ist dann nun auch schon 30 Jahre her. Wie dei Zeit vergeht ...

Noch fehlt mir ja leider die persönliche Erkundung New Yorks, warten weiterhin Empire State Building, Statue of Liberty, die 42nd Street, das Guggenheim Museum, der Central Park und anderes mehr darauf, von mir erobert zu werden. Das wird schon noch.

Aber schmökernd war ich bereits oft dort. Zuletzt wieder mit tollen Kochbüchern, denn in solchen entdecke ich gerne die Welt. Nicht unbedingt, weil ich die Starköchin schlechthin wäre, das ehrlich gesagt nicht; aber weil man mit ihnen meistens hervorragend verreisen und nicht nur in fremde Küchen eintauchen kann.

Kurz: Kochbücher, die über den Tellerrand hinausschauen, finde ich einfach lesenswert.

New York Breakfast beispielsweise (Christian Verlag, € 24,99) lädt zum Frühstücken ein, obwohl die Stadt doch angeblich niemals schläft. 50 Ideen haben Isabel Hessmann und Maria Brinkop zu Papier gebracht und ins rechte Fotografenlicht gerückt, kapitelweise ergänzt um persönlich ausprobierte Hingeh-Tipps.

Ob die erste Mahlzeit des Tages dabei nur aus einem coffee to go (dem Kaffeekult ist extra ein Eingangskapitel gewidmet!) und einem Croissant wie in der legendären Anfangsszene von "Breakfast at Tiffany's" besteht, das Ganze eher ein Brunch werden soll oder Superbowls gefragt sind, hier findet jeder seine Schlemmerei – von zuckersüß (etwa Cookies) bis megagesund (Brokkoli-Brot), von klassisch (Pancakes) bis trendy (Shakshuka) und von bissfest (Bagels) bis trinkbar (Smoothies).

In den eingestreuten Tipps geht es stets praktisch zu und die Rezeptnahmen sind – natürlich – auf Englisch, damit es beim nächsten Citytrip auch mit dem Bestellen gleich klappt.

Auch New York Foodtrends (GU, € 29,99) – im März gerade erst mit einem ITB Berlin BuchAward ausgezeichnet – bringt einen den Big Apple zum Essen nah und geht dabei noch der Frage nach: Heute schon probieren, was morgen alle essen?

Mit diesem Kochbuch wohl kein Problem! Denn in New York würden, so das Credo des Buchs, Tag und Nacht neue lukullische Trends geboren, zu Hypes hochgejubelt und dann in alle Welt exportiert: Von Grünkohl (der als Kale gleich viel hipper klingt) bis zur neuen Brotkultur, vom Cold Brew Coffee bis zu Buddha Bowls.

Foodbloggerin Sonja Stötzel ist dafür tief in die Gastro-Szene von Big Apple abgetaucht, hat mit Köchen und Foodtruckern ebenso gesprochen wie sie sich durch die Speisekarten von angesagten Restaurants und Cafés probiert hat. Der Leser stromert mit ihr in zehn Stadtviertel-Kapiteln von Midtown über Williamsburg und Greenwich Village bis Queens und taucht jeweils in einen anderen Koch-Trend ein – von Halal und Fusion Food bis Picknick und Farm to Table.

Bei manchen Rezepten verrät das persönliche Intro, in welchem Restaurant die Rezeptidee entstand. Der Hinweis "Trendrezept" verrät, womit man bei einer Essenseinladung punkten und gourmettechnisch die Nase ganz weit vorne hat! Sogar, wenn man selbst noch nicht persönlich da war …

Wem an diesem Buch die Rumstromerei gut gefallen hat, der sollte beim nächsten Stopp in der Buchhandlung seines Vertrauens noch mal bei den „normalen“ USA-Reiseführern Ausschau halten nach New York to go: Mit Insidern Big Apple entdecken (Knesebeck Verlag, € 30,00). Auch dieses Buch darf sich mit einem ITB Berlin BuchAward 2019 schmücken

Der Untertitel "Der Insider-City-Guide" ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen. An die Hand genommen wird der Leser hier nämlich von ganz besonderen Menschen:

Big Apple Greeter besteht heute aus über 300 waschechten New Yorker, die Besuchern die Stadt auf privaten Spaziergängen – meist jenseits ausgetretener Touristenpfade – zeigen. Die Organisation wurde 1992 von Lynne Brooks als erstes Welcome Visitors-Programm inden USA gegründet. Spannende Sache, das!

20 davon stellen nun in diesem Guide für New York-Reisende in persönlichen Texten, stimmungsvollen Fotos und kurzen Interviews ganz unterschiedliche Ecken und Touren in "ihrem" Viertel vor. Gewürzt mit biografischen Details und Insider-Tipps kann man so den Big Apple gemeinsam mit Locals "anders" entdecken. Und ganz sicher auch den einen oder anderen lukullischen Tipp mitnehmen.

Die Kochbücher wurden mir als Rezensionsexemplare von den Verlagen zur Verfügung gestellt, "New York to go" geriet durch Zufall in einer der beiden Buchhandlungen meines Vertrauens in meine Blätter-mal-rein-Hände, als ich auf der Suche nach etwas ganz anderem war.

Marianne Salentin-Träger, Anja Jahn: Moodboards

Veröffentlicht am 17.04.2019

Fotos, Skizzen, Schlagworte oder Zitate ausschneiden und aufkleben – viele Menschen nutzen und schätzen die Kreativtechnik Moodboard (Irisiana Verlag, € 18,00). Marianne Salentin-Träger zeigt mit ihrem gleichnamigen Buch, ich zitiere mal die offizielle Inhaltsangabe und Pressemitteilung der Verlagsgruppe Random House GmbH, "welches Potenzial tatsächlich in diesem Tool steckt. Das täglich fokussierte Visualisieren der beruflichen, gesundheitlichen oder geistigen Ziele erzeugt eine enorme schöpferische Kraft. Diese lässt sich konkret nutzen, um sich das Leben zu erschaffen, das man sich wünscht."

Das klang für mich ehrlich gesagt etwas spröde und leicht sperrig – und bei weitem nicht so bunt und inspirierend wie das, was einen erwartet, wenn man das Paperback erst einmal in Händen hält und aufschlägt. Denn da kommt mit allerlei Portraits und Moodboards, Hintergründen und Anregungen daher.

Man merkt schnell, dass es ein sehr persönliches Buch ist – und das kann ich nicht nur sagen, weil ich Marianne Salentin-Träger seit vielen Jahren persönlich kenne und lange Zeit mir ihr gearbeitet habe: Sie lässt alle Leser sehr nah an sich und den Auslöser für ihre Beschäftigung mit Moodboards ran, Hut ab. Doch genau dieses Aufheben von Distanz macht das Buch aus.

Dort hinein spielen auch die ergänzenden zwölf Portraits von ganz unterschiedlichen Menschen und Persönlichkeiten, mal bekannter, mal herrlich "normal", aus ganz unterschiedlichen Berufen und mit ganz verschiedenen Geschichten, in denen jeder Leser sich ein Stück weit wiederfinden kann. Und die mit ihrer bunten Mischung zeigen, wer kreativ seine Ziele "in Szene setzt", hat den ersten Schritt zur Lösung schon gemacht – ob es nun um Aufträge oder Karriereschritte, die eigene Gesundheit oder das Wohnlich machen des Heims geht.

Eins muss ich jedoch loswerden: Mit dem Layout bin ich nicht überall glücklich. Eine gute Idee finde ich das Highlighten kurzer Passagen – ganz so als hätte mir (und jedem anderen Leser) jemand, falls ich nur Zeit zum Querlesen hätte, die wichtigsten Passagen schon mal mit pinkem Textmarker angestrichen. Das verführt einen zwar auch, schnell von einer zur nächsten zu springen, aber: Gute Idee! Der Versuchung erliegen ist nicht sooo schlimm, doch es lohnt, ein anderes Mal mit mehr Muße Passagen nochmal nachzulesen. Etwa die Seiten über "Die Kraft der Bilder" und dass der Mensch schon seit alters her gerne damit/darüber kommuniziert hat (nicht nur heutzutage in Emojis).

Doch warum bestimmte Kernaussagen und Zitate, die bereits plakativ, sprich dick und fett und teils singulär auf einer Seite stehen, nochmal unterstrichen werden müssen, erschließt sich mir nicht. Das war mir dann der Hervorhebung doch too much. Die Geschmäcker sind eben verschieden …

Den Lesespaß und die Inspiration hat es jedenfalls nicht getrübt. Und wer jemanden kennt, der nicht so recht weiß, ob und wo eine Veränderung hinführen soll und wie sie in Angriff nehmen, der hat mit diesem Buch ein passendes Geschenk parat – denn schon das Ausschnippeln und Zusammensuchen der Einzelteile des Moodboards hilft beim sich Sortieren.

Ich erstelle solche Stimmungs-Collagen für mich vielfach nur in meinem Kopf, gerne morgens beim Walken am Rhein, wenn außer mir fast niemand am Fluss ist. Oft klärt sich so ganz vieles, auch wenn es anfangs kunterbunte Schlagwörter und Einzelbilder sind, die durch meinen Kopf geistern – und am Ende stelle ich dann doch fest: Der frühjahrsfitte Balkon sieht genauso aus, wie dort imaginär visualisiert. Und das Magazin hat genau die Gestalt angenommen, die ich beim ersten Brainstorming zu Themen und Autoren schon "irgendwie" als Collage im Kopf hatte. Aber bei der Vorbereitung von Reisen & Recherchen, da geht es auch bei mir genauso visuell zu, aus vielen Schnipseln & Co. entsteht ein Bild und letztlich mein Programm. Moodboards haben eben viele Gesichter.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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