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Lesetipps, mal sachlich, mal unterhaltend - aber ums Reisen geht's irgendwie immer. Zumindest aber um Reiseziele.

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Hörend verreisen, Teil 2: Städtereisen

Veröffentlicht am 02.04.2020

Ich bemühe einmal mehr die Statistiker, die in diesen Tagen leider mit unerfreulicheren Zahlen daher kommen … Laut einer Umfrage des IfD Allensbach, so kommunizierte es das Statista Research Department im November 2019, favorisieren über 35 Millionen Deutsche eine Städtereise als Urlaubsreise. "Gerade für kurze Reisen ist der Städtetourismus geeignet: Unter deutschen Kurzurlaubern ist die Städtereise mit rund 39 Prozent mit Abstand die beliebteste Form der Kurzurlaubsreise, gefolgt von dem Besuch bei Freunden und Verwandten. Insgesamt haben in Deutschland im Jahr 2018 rund elf Millionen Personen eine kurze Städtereise unternommen."

Also ich bin ganz sicher einer von diesen elf Millionen, ich komme vermutlich sogar mehrfach in der Statistik vor. Wobei ich nicht immer die Top-Ziele anstrebe, sondern schon sehr oft erfahren habe, dass das zwar bewusst angesteuerte vermeintliche B-Ziel überraschend oft das bessere A war – weil auch kleinere Städte mit so mancher Metropole mithalten können und jede Menge zu bieten haben.  Und trubelig sind, aber nicht hektisch; gut besucht, aber nicht überlaufen.

Trotzdem habe ich als Hör-Tipps zwei klassische Metropolen im Angebot, die mir schon früher so manche Bügel-Session, Staubwisch-Aktion oder das ungeliebte Fenster putzen verkürzt haben. Doch da man in Zeiten wie diesen ja nun mal daheim bleiben soll und ausgiebiger Frühjahrsputz mit allem Drum und Dran derzeit vermutlich nicht nur bei mir zu den Top-Aktivitäten gehört, greife ich eben einmal mehr zu geophon und mache nebenbei "Urlaub im Ohr":

Overtourism ist in Italiens Lagunenstadt Nr. 1 derzeit wahrlich kein Thema, Kreuzfahrtschiffe sind auch keine in Sicht, die für Aufsehen bis Protest sorgen, stattdessen warten die Gondeln und Gastronomen auf Gäste. Hinfahren geht trotzdem nicht. Noch nicht. Da geht es Venedig nicht anders wie Mailand oder Rom, um geographisch auf dem "Stiefel" zu bleiben. Doch derweil könnte Matthias Morgenroths "Spaziergang durch Venedig" (geophon, 1 CD/56 min oder mp3-Download, 12,90 bzw. 6,90 Euro) ja eine Option sein.

Sein Hörerlebnisreiseführer für "Sich-Erinnerer" und "Vorfreuer" lädt nämlich zum atmosphärischen Schlendern durch die Lagunenstadt ein – mit Musik, Berichten, Interviews und den typischen Klängen der Stadt. Auf bekannten wie auch abgelegenen Wegen geht’s über Brücken und Plätze, vorbei an Palazzi und Bars, in kuriose Geschäfte und versteckte Museen. Und der Zuhörer lernt: Venedigt bietet viel mehr als den Markusplatz mit Dom, Glockenturm und Dogenpalast, die Insel von Murano oder die Rialtobrücke über den Canal Grande. So erzählt jemand vom Leben im jüdischen Ghetto, ein anderer vom Leben mit dem Hochwasser, ein Dritter von der Lagune, der nächste vom Umgang mit den Massentouristen. Und selbst wer das Rezept für erfrischenden Spritz sucht, der wird bei diesem etwas anderen Stadtbummel akustisch fündig.

Auch die im Frühjahr sonst so beliebte Seine-Metropole ist aktuell leider kein Ort für einen "Spaziergang durch Paris" (geophon, 1 CD/56 min oder mp3-Download, 12,90 bzw. 6,90 Euro). Aber es geht hörbar auch anders: Mit Interviews und (Stadt-)Klängen geht es nicht nur um die bekannten Sehenswürdigkeiten, im Gegenteil: Zuhörend stöbert man mit Reinhard Kober auch kleine Läden und Restaurants auf, hört sich etwa auf dem Markt von Belleville um und besucht die berühmte Oper. Zu den Themen gehören aber auch die Welt des Kinos oder der Zeitvertreib in den Parks (noch so zwei Dinge, die man allerorten derzeit nicht tun darf bzw. letzteres nur wenig tun sollte, aber auf was man sich schon mal freuen kann). Man spaziert zudem durch das Marais, wo sich unter anderem das jüdische Leben der Stadt abspielt, besucht die berühmten Katakomben oder erkundet die Viertel Montmartre und St. Germain. Und natürlich rattert auch mal hörbar die Metro vorbei ... noch so was für bessere Zeiten, wenn nicht mehr Mindestabstand (und Daheimbleiben) das Gebot der Stunde ist.

Mein Extra-Tipp für Neugierige: Für alle Hörbücher gibt’s auf der jeweiligen geophon-Seite immer eine akustische Hörprobe, wo man einen ersten Eindruck der Hörkapitel bekommt. Die "Spaziergänge" selbst (das gilt auch für die anderen dieser Reihe, letztens habe ich zum Beispiel Wien verschenkt und damit sogar bei der späten Generation Y gepunktet, für die CDs ja eher old school sind) sind dann rund einstündige Reise-Features, mit denen die Zeit jedoch wie im Fluge vergeht. Und der Bügelberg kleiner, das Bücherregal entstaubt-aufgeräumter oder die Fenster sauberer. Was in diesen Zeiten doch auch schon was ist …

Hörend verreisen mit geophon, Teil 1: Ländersache

Veröffentlicht am 31.03.2020

Laut einer Erhebung von Audible vom Herbst 2019, veröffentlich via Statista im letzten Oktober, werden Hörbücher "am häufigsten zum Entspannen zuhause gehört: Laut dem seit dem Jahr 2016 jährlich erscheinenden Audible Hörkompass gaben zum Zeitpunkt der Erhebung rund 65 Prozent der befragten Teilnehmer an, Hörbücher gerne in dieser Situation zu hören. Mit 57 Prozent Anteil aller Nennungen folgte das Hören in öffentlichen Verkehrsmitteln als zweitbeliebteste Konsumsituation von Hörbüchern, dicht gefolgt vom Hören im Auto mit 56 Prozent der Nennungen."

Ich gestehe, eigentlich gehöre ich zu letzteren. Am liebsten auf Fernstrecken, damit ich auch ziemlich lange non-stop hören kann. Staus sind mir dann willkommen, Pinkelpausen dagegen stören – denn der Harndrang macht sich immer dann bemerkbar, wenn’s spannend wird. Weil ich dann besonders gerne Krimis höre.

Wenn die Fahrten kürzer sind, nur so 50, 60 Kilometer heim zur Familie oder zu einem Termin in Frankfurt, dann höre ich meist Radio – oder suche mir im Regal eine "hörbare Kurzreise" raus. Wo ich flink mal hin, aber bei meiner Rückkehr auch wieder daheim "ankomme". Im wahrsten Hörsinn sozusagen, dank begrenzter Hördauer. Als bekennender Fan von geophon, das zu Recht auch "Urlaub im Ohr" im Namen führt, findet sich da in meinen CD-Regal immer was, was sich lohnt, kurz mal "wiederzuhören". Hier zwei Ländertipps für alle, die von besseren Reisezeiten träumen, die sicher auch wiederkommen:

So bin ich zum Beispiel schon mit Sascha Lübbe und Matthias Morgenroth auf "Eine Reise durch Thailand" (geophon, 1CD/87 min, 12,90 Euro; wahlweise mp3-Download à 6,90 Euro) aufgebrochen, einem Land voller Kontraste. Dort sind die beiden Autoren auf eine spannende akustische Entdeckungsreise gegangen – und haben dabei allerlei Stimmen und Stimmungen eingefangen: Man hört schnell, Thailand steckt voller Töne, Stimmen und Klänge – ob es nun mit dem Fahrrad durch Bangkoks Chinatown geht, in einer Kochschule in Chiang Mai die perfekte Currypaste angerührt wird oder man den Gesängen von Mönchen lauscht.

Die Autoren sind zudem auf Elefanten geritten und an einer Zipline von Baumkrone zu Baumkrone gesaust. Haben einen Kanuausflug in der Phang Ga Bucht im Süden unternommen und eine Fahrt auf den Kanälen Bangkoks. Und sind auf ihrer Reise durch das Land ganz nebenbei eingetaucht in die faszinierende Welt der Amulette und der Geheimnisse der thailändischen Medizin.

All diese Klänge fördern die Fantasie des Hörers und die Vorstellung der exotischen Welt Thailands, die ich selbst bislang nur einmal (auf Ko Samui) erleben durfte. Und machen Lust auf mehr, denn erzählt werden Geschichten aus dem Alltag, dazu gibt‘s Tipps für die eigene Erkundung. Denn die sind irgendwann ja auch wieder "in echt" möglich. Bis dahin gibt es eben vorerst nur "Urlaub im Ohr".

Wen es weniger in die weite Ferne zieht, für den habe ich alternativ noch einen europäischen Hör-Tipp, besser gesagt einen skandinavischen. Auch Norwegen hat seinen ganz eigenen Klang, seine Geschichte sowie Geschichten – und vor allem Naturschönheiten und viele Städtchen, die zum Bummeln und Verweilen einladen. Mit allerlei Interviews, Klängen und (Sami-)Musik spürt auch dieser etwas andere Reiseführer von Kai Schwind all dem nach – und ist genau das richtige für alle, die klassische Reiseführer nicht so mögen. Denn die Geschichten hier (wie in allen geophon-Produkten) sind richtig gut journalistisch recherchiert, top eingesprochen und abgemischt sowie hörbar selbst erlebt.

Wer die Ohren spitzt, für den geht es in "Eine Reise durch Norwegen" (geophon, 1 CD/70 min, 12,90 Euro; ebenfalls als preisgünstiger mp3-Download verfügbar, 6,90 Euro) in Oslo nicht nur um Munchs berühmten Schrei und den legendären Holmenkollen, sondern auch ums Nachteben. Gen Nordkap besteigt man zunächst die Bergen-Bahn (wo dann auch der Komponist Edvard Grieg "stimmig" in Spiel kommt), dann geht's weiter per Postschiff durch die Fjorde zu den Lofoten. Reisebegleiter sind dabei unter anderem Elche und Trolle. Na, sagen wir so, zumindest ist von letzteren die Rede.

Übrigens: Beide Hörbücher haben vergleichsweise umfangreiche Booklets, die mal Film- und Literaturtipps geben, dann Restaurant- und Ausflugsideen. Und auf Kartenausschnitten kann man sichtbar die "Ohrenreise" nachverfolgen und sich so orientieren. Was man im Auto zwar besser unterlassen sollte, aber man kann ja auch auf dem heimischen Sofa mittendrin einfach mal "Kopfurlaub" machen, äh, hören. Dabei ist auch alller derzeit gebotener Abstand kein Problem …

Balearen: Insel-Hopping mal anders

Veröffentlicht am 27.03.2020

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerDie mediterrane Küche ist abwechslungsreich und ausgewogen, denn auf dem Speiseplan überwiegen Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, dazu Nüsse, Hülsenfrüchte, Olivenöl und viel Fisch. Das schmeckt nicht nur im Urlaub, das lässt sich auch daheim prima nachkochen: Um die Vorfreude zu steigern, Erinnerungen wachzuhalten – und gesund zu genießen!

Denn die traditionelle Mittelmeerküche, etwa auf den Balearen, hat allerlei positive Nebeneffekte. Einerseits tun ihre Gaumenfreuden der Seele gut, andererseits dem Körper. Letzteres haben bereits zahlreiche Studien belegt, denn die verwendeten stärke- und ballaststoffreichen Lebensmittel sind zugleich reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

So sind zum Beispiel Kräuter in der mediterranen Küche allgegenwärtig und geben den Gerichten ihr besonderes Aroma. Ihre ätherischen Öle können den Stoffwechsel anregen und unterstützen die Verdauung. Top: Man braucht deutlich weniger Salz! Zusammen mit dem anti-bakteriell und gefäßunterstützenden Knoblauch sind sie beste Begleiter für Gemüse aller Art, ohne das dort ja keine Mahlzeit auskommt und mit Vitaminen sowie sekundären Pflanzen- und Vitalstoffen punktet. Nicht zu vergessen: Olivenöl. Es wird in der Mittelmeerküche für quasi alle Gerichte und Zubereitungen verwendet. Das Wertvolle sind seine einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, von denen insbesondere die Omega-3-Fettsäuren positiv auf das Herz-Kreislauf-System wirken. Diese finden sich zusammen mit Eiweiß sowie Mineralstoffen wie Jod und Zink auch in Fisch und Meeresfrüchten. Sie können vor Entzündungen schützen und stärken zum Beispiel das Immunsystem.

Anders gesagt, wer auf mediterrane Ernährung setzt, tut etwas für seine Gesundheit. Denn Menschen aus dem Mittelmeerraum, das ist wissenschaftlich erwiesen, sind weniger von typischen Zivilisationskrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck oder Übergewicht betroffen. Zudem kann die mediterrane Kost Diabetes Typ 2 vorbeugen. Kurz: Was im Urlaub köstlich überzeugt, kann vor diesem Hintergrund auch im Alltag nicht verkehrt sein! Zumal uns die aromatisch-mediterranen Rezepte flugs zurück in das kleine Restaurant am Meer oder auf die luftige Terrasse der gemütlichen Finca versetzen.

Zugegeben, ganz so wie in den Ferien schmeckt es am heimischen Esstisch letztlich dann meist doch nicht. Selbst wenn alle Zutaten identisch sind, es fehlen einfach das Meer, die dortige Luft sowie Gerüche und nicht zuletzt die entspannte Urlaubsatmosphäre. Doch lecker ist es allemal.

Wie wäre es also mit einer etwas anderen Inseltour, bei der man sich Ibiza, Formentera und – natürlich – Mallorca "erschmeckt": Mit drei gleichfalls etwas anderen Kochbüchern, die sich auch im Bücherregal bestens machen ...

Beginnen wir das Insel-Hopping auf Formentera. Die Anreise dorthin erfolgt "in echt" per Fähre von der stärker besuchten Nachbarinsel Ibiza, was das spanische Eiland gerade im Sommer zu einem beliebten Ziel für Tagesausflügler macht. Ich biete ersatzweise " Formentera genießen. Rezepte und Geschichten" (Reisebuch Verlag, € 11,95).

Fröhliche Aquarelle der Künstlerin Birgit Plößner geben den liebevoll geschriebenen Formentera-Anekdoten aus der Feder von Irene Rodrian und den von ihr gesammelten, leicht nachkochbaren lokalen Rezepten eine ganz unerwartete Note – wie auch dieses Kochbuch insgesamt eher ungewöhnlich ist. Geschrieben von einer der ersten Krimiautorinnen hierzulande (u.a. bei Rowohlt und Heyne), ist es für Leser der Schriftstellerin mehr als das, denn vieles kommt autobiographisch daher.

Vor gut 50 Jahren reiste Rodrian zum ersten Mal nach Formentera und schrieb dort ihren ersten, sogleich preisgekrönten, Kriminalroman, später dann Kinder- und Drehbücher, schließlich wieder Krimis. Einige von ihnen spielen sogar auf der zweitkleinsten Balearen-Insel, der Rodrian nach vielen Inselsommern dieses Koch-Lese-Buch widmete. Und zugleich ihren Werdegang vom unbekannten Eiland zur beliebten Ferieninsel nachzeichnet, was auch die dortige Esskultur veränderte – denn aus den Rezepten der Bauern und Fischer wurde eine modern-mediterrane Küche.

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Suppen machen glücklich

Veröffentlicht am 23.03.2020

Suppen sind Seelentröster und Muntermacher, sie wärmen wohlig von innen oder können manchmal auch erfrischen: Das kommt alles nicht von ungefähr, denn die Suppe ist so etwas wie die Ur-Mahlzeit der Menschheit, weil Gekochtes sich besser verdauen lässt. Bis heute begegnet man ihr in Küchen auf der ganzen Welt, sie kommen mal klar, stückig oder sämig daher, sind einfach oder raffiniert, in warmen wie in kalten Destinationen.

In Asien startet man mit ihnen sogar in den Tag, den schon zum Frühstück isst man dort vielerorts Miso, Reis- oder Nudelsuppen. In unseren Breiten entsprechen dem Kartoffel-, Einbrenn-/Mehl- oder Griessuppen – jedoch eher als Mittags- oder Abendessen. Allesamt leichte Mahlzeiten, die zwar den Organismus optimal versorgen, aber nicht belasten – da sie leicht verstoffwechselt werden können. Und die man sich wahlweise süß oder pikant zubereiten kann. Und teils auch gesund sind! Hippokrates etwa schwörte bereits  im Altertum darauf, Kranken zur Stärkung Suppen zu reichen, später dann hierzulande Hildegard von Bingen. Nicht umsonst hat etwa die Rinder- den Beinamen Kraftbrühe. Und dass eine Hühnerbrühe Heilwirkung hat, wurde sogar in Studien in den USA und Japan bewiesen. In Amerika hat sie sogar den Beinamen Jewish Penicillin.

Wichtig dabei: Die Zubereitung aus frischen Zutaten, die möglichst regional und saisonal sind, und Zeit fürs Köcheln. Erlaubt ist im Suppentopf übrigens alles, ob man nun gerne "eintopfig" vieles kombiniert oder es lieber puristisch mag. Würzt man dann dabei bei kaltem Wetter je nach Geschmack mit Ingwer, Meerrettich, Curry oder Chili, dann wärmt die Suppe dank der Extraportion Schärfe noch besser. In der warmen Jahreszeit sollte man dagegen auf kalte Gemüsesuppen setzen, die bei heißen Temperaturen den Körper zusätzlich mit Flüssigkeit versorgen und ebenso nahrhaft wie erfrischend sind.

Zudem kann man mit Suppen um die Welt reisen, selbst wenn man "nur" am heimischen Küchentisch sitzt (bzw. sitzen bleiben muss) ... So erfüllt zum Beispiel Miranda Ballard in "Bouillon. Broth – Brodo – Klare Brühe" (Hädecke Verlag, € 12,95) nicht nur die Mission, nie mehr Brühwürfel oder gekörnte Brühe zu verwenden. Denn auf Basis selbstgekochter Brühen – ob sie aus Fleisch oder Knochen, aus Huhn, Fisch oder Gemüse sind – lassen sich herrlich aromatische Suppen zubereiten. Der nachkochende Leser lernt obendrein:

Ob Bouillon, Brodo, Consommé oder klare Suppe – fast alle Kulturen weltweit haben ihre ganz eigenen Formen für Brühe entwickelt. Kein Wunder, dass man mit den 23 Rezepten des kleinen Buchs, das in der Verlagsreihe "Genuss im Quadrat" erschienen ist, kochend um die Welt reist und jeder Suppenkasper auf seinen Geschmack kommt.

Wie wäre es beispielsweise mit einer vietnamesischen Nudelsuppe mit Rindfleisch, die an die berühmte Pho Bo erinnert und dortige Garküchen? Oder einer roten Linsensuppe mit Hähnchen und Kurkuma, die den Schlemmer dank Erdnuss-Öl und Currypaste auf den indischen Subkontinent beamt? Thai-Suppe mit Fisch und Garnelen, offiziell Tom Yam genannt – sozusagen die scharf-saure Nationalsuppe Thailands, für die man hierzulande den richtigen Pfiff im Asia Laden findet? Einer Minestrone, in deren herzhafter Brühe diverse Gemüse, dazu Bohnen und Pasta gegart werden und die am Ende am besten mit frisch drüber gehobeltem Parmesan serviert wird (für Vegetarier bleibt sie so, alles anderen geben dem italienischen Klassiker zuvor noch es Frühstücksspeck dazu)? Kurzum: Für jede Ausgangsbrühe findet sich was. Und etliche Ecken dieser Welt standen Pate für die leicht nachzukochenden Rezepte.

Dabei nimmt die Autorin den Leser zunächst mit viel Hintergrundwissen gekonnt an die Hand, führt dann in die Basisbrühen ein, um diese zuletzt in den Rezepten „auszubauen“. Immer die Einleitungen lesen statt links liegen lassen: Jeder Suppe vorausgehend enthalten die nämlich auch mal Einkaufstipps oder Rezeptvariationen. In diesem Sinne: An die Herdplatte, Kochtopf drauf und Suppenkelle schwingen!

Das Kochbuch wurde mir vor einiger Zeit als Rezensionsexemplar vom Verlag im Rahmen einer größeren Kochbuch-Strecke für ein Printobjekt zur Verfügung gestellt.

Gunther Träger: Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund

Veröffentlicht am 03.12.2019

Mit einem Bändchen für Flugbegeisterte – ob (Hobby-)Piloten oder Passagiere – erinnert die Frankfurter Kommunikationsagentur C&C Contact & Creation GmbH zum 35. Firmenjubiläum an ihren Gründer und langjährigen Agenturchef Gunther Träger. Der Tourismus-PR-Profi und begeisterte Flieger schrieb die acht Kurzgeschichten unter dem Titel "Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund" (C&C Publishing, 9,80 Euro) ein Jahr vor seinem Tod 2018.

Herausgekommen ist ein 112-seitiges Büchlein im A5-Format, das einige Erzählungen und viele seiner Flugbilder miteinander vereint, die ahnen lassen: Würde Gunther Träger noch leben, er hätte noch Dutzende mehr Geschichten im Pilotenkoffer! Und hätte auf Facebook noch so manches Bild "vom Himmel" gepostet.

Wer ihn persönlich gekannt und mit ihm viele Jahre gearbeitet hat (ich selbst war über elf Jahre in seiner PR-Agentur tätig und eine ganze Weile davon auch für einige seiner fliegerischen Projekte zuständig), hat beim Lesen unwillkürlich seine Stimme im Ohr. Ganz ohne Kopfhörerknacken. Er erzählt auf die ihm eigene Weise von erstaunlichen und ungewöhnlichen Ereignissen, lässt den Leser teilhaben an seinen Erlebnissen als Pilot, Fluglehrer und Prüfer. Und vor allem seine Faszination spüren, die ihn immer wieder abheben ließ – und die er (ich habe es selbst erlebt) so gekonnt auf zahllose Flugschüler übertragen und sie fit für "über den Wolken" gemacht hat.

Dabei sind seine Geschichten über gefesselte Passagiere, die mit verbundenen Augen an Bord kamen, Instrumente, die den Dienst verweigerten, oder einen Pilotensitz, der sich plötzlich selbstständig machte, alles andere als frei erfunden. Sie sind, ganz wie es der Untertitel sagt, "Anekdoten eines Fluglehrers". Alles selbst erlebt. Und entführen den Leser auf Verkehrslandeplätze wie Egelsbach, sozusagen seine Homebase, oder lassen ihn den großen Nachbarn Rhein-Main-Airport überfliegen, starten mal unter spanischer Sonne oder landen auf einer Staubpiste mitten in Namibia, lassen einen die technischen Grenzen schlechten Wetters miterleben und dann wieder den Blick bis zum unendlichen Horizont schweifen. Und das alles stets in einem einnehmenden Plauderton mit allerlei fliegerischen Seitenbemerkungen, die selbst für Leser ohne Pilotenlizenz verständlich sind.

Kapitel für Kapitel lernt man so nämlich ganz nebenbei einiges in Sachen Flieger-Wording, Instrumentenkunde sowie Luftfahrtgeschichte und sogar, wer genau liest, das eine oder andere Private, dass er, der PR-Profi, im "normalen" Arbeitsleben meist geschickt außen vor zu lassen wusste.

Doch wer einmal mit ihm geflogen ist, unter seiner Anleitung gar kurzzeitig testweise zum Piloten wurde und das unbeschreibliche Gefühl eines Low Approach erleben durfte (wir hatten unvergessliche 30 Minuten in Jerez de la Frontera miteinander in einer kleinen Katana DA20, vor der ich schon ihrer Größe, besser gesagt Kleinheit wegen einen gewaltigen Respekt hatte!), der durfte diese andere Facette von ihm kennenlernen: Auf der PR-Klaviatur in der Touristik hat er gespielt wie kaum ein anderer, in der Luft machte er (fast) den Vögeln Konkurrenz. Und dort blieb manchmal sogar er, der Meister der Worte, ungewohnt still; beeindruckt von dem, was der Himmel ihm bot und auf der Erde zu Füßen lag. Begeistern konnte er sein Gegenüber hier wie dort.

Kurzum: Auch wer Gunther Träger an keinem GAT dieser Republik oder sonstwo in Europa je begegnet ist, wird ihn mögen. Und seine Anekdoten. Und, sofern ein genauso langjähriger Flugbegeisterter wie er, selbst ein paar dieser Art zu erzählen haben ... Wer ein literarisches Präsent für Hobbypiloten oder Flugkapitäne sucht, der ist mit dem kleinen, reich bebilderten Band ebenso gut bedient wie alle, die auf dem Weg zum Flugschein sind und es kaum abwarten können bis zur nächsten Flugstunde. Aber nicht vergessen: Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund.

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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