Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Ausprobiert       

Ob wohltuende oder sportive Aktivitäten, wer sich nicht traut, der lernt nichts neues.

Texterlei

schreiben · redigieren · lektorieren

Backe, backe Kuchen: Die Dr. Oetker Welt

Veröffentlicht am 14.10.2020

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerWarum eigentlich hat Bielefeld so einen schweren Stand? Ich sage nur: die Bielefeld-Verschwörung ("Bielefeld gibt es gar nicht"). Dabei ist die größte Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe doch in (fast) aller Munde. Im wahrsten Wortsinn. Denn hier begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die quer durch die Republik und rund um den Globus Spuren hinterließ und bis heute anhält. Weil: was die Opels für Rüsselsheim (die passende Reise-Erfahrung gibt‘s hier), das sind die Oetkers für Bielefeld. In dem Fall sogar omnipräsent im Großteil aller deutschen Haushalte – und wenn’s nur das erste Koch- oder Backbuch ist, das noch immer im Küchenregal steht. Übrigens auch in meinem. Beide Jahrgang 1987. Und ja, mit Gebrauchsspuren, Notizzetteln und ergänzt um ausgerissene Rezepte aus diversen Magazinen.

Dr. Oetker – wenn ich den Markennamen lese, schmecke ich sofort Vanillepudding (nach wie vor die beliebteste und meistverkaufte Sorte, auch wenn das die Schoko-Fraktion verwundert) und erinnere mich an meine ersten Backassistenzen und -versuche. Wahlweise in der Küche meiner Oma (das Vanillepuddingpulver von Dr. Oetker gehörte zu ihrem Blechkäsekuchen mit Mandarinen einfach dazu) oder bei meiner Mama (in den Schokoteig ihres Marmorkuchen kam immer etwas Dr. Oetker-Rum-Aroma). Manche Dinge vergisst man nie. Erst recht nicht, wenn sie mit Genuss, sprich den Sinnen Schmecken und Riechen besetzt sind.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerUnd weil das Oktoberwetter bei meinem Reisetopp in Bielefeld sehr regennass (ich ergo von der Bielefelder Altstadt nicht viel gesehen habe) und die Kunsthalle Bielefeld gerade wegen des Aufbaus der neuen Ausstellungen geschlossen war (das war allerdings echt schade, denn den Bau von 1968 nach einem Entwurf von Philip Johnson hat die Stadt den Oetkers und ihrer Stiftung zu verdanken und kann an sowas sonst schwerlich vorbei gehen), blieb demnach mehr Zeit für einen anderen Streifzug. Einen lustvoll vorgeplanten. Und so bin ich durch die Dr. Oetker Welt auf Zeitreise gegangen. Genau das richtige bei schmuddeligem Herbstwetter – denn wem da nicht wohlig warm ums Herz und in der Magengegend wird, dem ist nicht zu helfen. Obwohl das quietschgelbe Puddingwunder leider coronabedingt nicht für jederzeit kochfrischen Vanillepudding sorgt. Und man auch keine "echten" Führungen buchen und mitmachen kann, wohl aber überall, wo es Sinn macht, dienstbare Geister sofort zur Stelle sind und charmant und kundig Auskunft geben – mit Abstand und Maske, doch unverkennbarer Herzlichkeit. Und im eigenen Tempo auf genussvolle Reise durch die Welt des Backens und Kochens zu gehen, ist gar nicht so schlecht.

Auf 1.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche dreht sich hier nämlich seit 2005 alles um Deutschlands bekannteste Pudding- und Pizzamarke (na, wer hätte gewusst, dass die Bielefelder Anfang der 1970er-Jahre die Vorreiter waren? ich bis dato nicht). Von der Erfindung des Backpulvers in einer kleinen Apotheke bis hin zu einem Weltkonzern wird die gesamte Entwicklung des Familienunternehmens auf drei Gebäude-Ebenen erklärt.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerLos geht’s im Erdgeschoss: In neun Themenräumen erlebt man dank verschiedener audiovisueller Medien den Weg ausgewählter Produkte von seinen Rohstoffen bis zur fertigen Ware. Auf Großbildschirmen etwa werden Einblicke in die moderne Produktion von Pudding, Milchprodukten und Pizza gegeben. Und man verfolgt den Weg von der originären "Erfindung" des portionierten Backpulvers bis hin zur grammgenauen maschinellen Abfüllung desselben, das sich von einer Handvoll Tütchen bis zur vollelektronischen "Massenproduktion" steigerte. Baff erstaunt war ich einen Raum weiter, dass es tatsächlich den einen oder anderen "weißen Flecken" auf der Weltkarte gibt (in der Schau sind diese Länger grau, China zum Beispiel und ganz Lateinamerika, ausgenommen Brasilien), wo es keine Dr. Oetker-Ware gibt, seien es Backzutaten oder Fertigprodukte. Herrlich der Streifzug im anschließenden "Produktparadies", wo man durch überdimensionale Umverpackungen flaniert, in deren Inneren jeweils einem Produkt nachgespürt wird: der Guglhupf-Backmischung etwa oder eben der Fertigpizza. Klar, dass ich im "Rezeptorium" die Unmengen an Koch- und Backbücher bestaunt habe (reinschauen und durchblättern entfällt aktuell jedoch) und auf der "Rezeptwiese" ebensolche gepflückt habe.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerÜbrigens: Wo immer ein Knopf zu drücken ist, ein Türchen wahlweise eine Klappe zu öffnen wäre oder sonstwie ein Oberflächenkontakt besteht, den kurz zuvor/danach jemand anderes nutzt, ist der nächst Desinfektionsspender nicht weit. Dezent, aber unübersehbar. Und ja, es gibt nur eine Laufrichtung und der eine oder andere Themenraum ist seiner kleineren Größe geschuldet nur für zwei, drei Personen erlaubt. Aber das digitale Vorbuchen der alle halbe Stunde startenden Einlasszeitfenster für die freien Rundgänge (aktuell gilt diese Regel bis Ende November 2020) klappt prima, weder am Einlass noch in der Schau knüppelte es sich wo, alle waren sehr entspannt und ruhig unterwegs. Und umsichtig. Denn zugegeben, auch hier gehört die Maske selbstverständlich für alle zur Pflicht – aber wen stört die denn bitte nach so langer Zeit noch wirklich? Mich nicht, die setze ich längst auf wie meine Brille.

Ganzen Eintrag lesen »

Kunstpfade: Münster als Open-Air-Museum erkunden

Veröffentlicht am 27.09.2020

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerMünster ist an sich schon große Kunst. Wiederaufbaukunst, um genau zu sein. Denn in der Altstadt war nach zahllosen Luftangriffen im Laufe des Zweiten Weltkriegs zu 90 Prozent all das zerstört, was zuvor jahrhundertelang uneinnehmbar schien: Selbst im Dreißigjährigen Krieg blieb Münster die Eroberung, Plünderung und Zerstörung durch feindliche Truppen erspart. Doch 1945 war Münster neben Köln und Aachen die im Zweiten Weltkrieg am schwersten getroffene Stadt in Nordrhein-Westfalen. Davon zu sehen ist nichts mehr. Wer heute durch das Zentrum läuft, erlebt Domplatz, Prinzipalmarkt und Co. wie einst. Das ist Baukunst vom Feinsten und macht Münster gleich doppelt zu "Kunststadt". Denn hingefahren bin ich vor allem wegen einer anderen Kunst. Moderner.

Kassel widmet sich mit der Documenta als "Museum der 100 Tage" alle fünf Jahre zeitgenössischer Kunst – und Münster? Hat seit 1977 alle zehn Jahre, ebenfalls 100 Tage Ausstellungszeit umfassend, die Skulptur.Projekte! Künstler/innen aus aller Welt sind dann ins Westfälische eingeladen, um dort ortsbezogene Kunstwerke im öffentlichen Raum zu entwickeln. Dazu gehören plastische Arbeiten genauso wie temporäre Installationen oder auch Performances. An die 70 davon zeugen heute als "Kunstwerke und Skulpturen im öffentlichen Raum" von den letzten fünf Schauen und sind seither Teil des Stadtbilds geworden: manche viel fotografiert, andere kaum noch wahrgenommen, einige ordentlich gepflegt, andere von Sprayern und Co. okkupiert. Und dennoch oder gerade deswegen lohnt es sich, sie aufzuspüren. Wie mir mein Städtetrip in Corona-Zeiten gezeigt hat.

Mit der Broschüre von Münster Marketing bewaffnet habe ich in zwei Tagen, neben der einen oder anderen "kunstvollen" Station anderer Art (dazu später mehr), immerhin mehr als ein Drittel davon aufgespürt. So aufgeschlossen ich moderner Kunst gegenüber allerdings bin: Am Ende liegt alles im Auge des Betrachters. Trotzdem: Alle haben auf ihre Art ihren Reiz – und alle sind auf ihre Art im Münsteraner Alltag angekommen und haben sich doch etwas Besonderes bewahrt. Nicht der schlechteste Grund, die Stadt derart "kunstvoll" zu entdecken.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerZumal in diesen ungewöhnlichen Zeiten zugleich die derzeit entspannteste Art, Kultur zu erleben. Schließlich ist man immer im Freien unterwegs. Maske muss nur je nach Tageszeit und Trubel sein, doch meist reicht Abstand; vor allem, wenn man wie ich einen ruhigen frühen Sonntagvormittag für die Innenstadt oder einen späten Montagmorgen für den Aasee wählt. Weiterer Pluspunkt: Öffnungszeiten wie in Museen, Kunsthallen oder Galerien muss man auch nicht beachten. Aber: Gut zu Fuß sollte man sein, denn nur in der Altstadt sind die Kunstpfade kurz. Eine der meistfotografierten Skulpturen, die "Giant Pool Balls" am Aasee, habe ich daher übrigens immer nur im Vorbeifahren gesehen, weil ich an nie an dieser See-Ecke zu Fuß unterwegs war. Dafür habe ich vor allem in der Innenstadt andere betrachtet, an der viele unbedacht vorübereilten … Oder schlicht drauf Platz nehmen, ohne sich Gedanken zu machen: Denn um eine Plastik kommt kein Münster-Besucher drum herum, der eine Stadtführung (zu welchen Thema auch immer) mitmacht. Ob er nun Kunst mag oder gewöhnlich links liegen lässt. Auf dem Platz des Westfälischen Friedens hinter dem Historischen Rathaus (den Friedenssaal drinnen sollte man sich auch ansehen, schon allein der geschichtlichen Bedeutung wegen) starten oder enden nämlich quasi alle Touren, ob klassisch oder krimilogisch, oder machen zumindest dort Station.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerHier stehen scheinbar zwei Bänke, doch die massive Cortenstahl-Skulptur namens "Toleranz durch Dialog" des spanisch-baskischen Künstlers Eduardo Chillida ist eigentlich ein Skulptur.Projekte der Schau von 1987 – zu der es allerdings noch nicht fertig war. So eine Erzählart. Eine andere ist, Chillida hätte sowieso nur seine Skulptur mit ähnlicher Thematik, das Beton-"Monumento a la Tolerancia" aus Sevilla, dort präsentieren wollen – und erst vor Ort wäre die Idee zu "Toleranz durch Dialog" aufgekommen. Wie auch immer: Seit 1993 stehen die vermeintlichen Bänke nun dort, scheinen dabei über dem Platz zu schweben, laden ein, sich gegenüber zu setzen, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren und sind doch nicht wirklich zum Sitzen geeignet. Kunst eben.

Wie viele andere Skulptur.Projekte auch, etwa Thomas Schüttes "Kirschensäule", die etwas gänzlich Alltägliches erhöht und so den scheinbaren Zweck von Denkmälern unterläuft. Oder Mark Formaneks "Datum", das ich an der Stelle, wo es angeschraubt ist, nie vermutet hätte und letztlich nur dank meiner gebuchten Altstadtführung entdeckt habe. Das Schilder-Datum liegt übrigens immer in der Zukunft und kündigt so an, wann dieses das nächste Mal ausgetauscht wird. Entsprechend fand auch schon mal ein Wechsel mit viel oder gar keinem Publikum statt. Kunst eben.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. Sahmer

Ich sagte es schon. Sie liegt im Auge des Betrachters. Nichtsdestotrotz: Ich habe meine "kunstvollen" Spaziermärsche und Skulpturen-Entdeckungen genossen. Denn Open-Air-Kunstpfade sind in diesen Zeiten einfach eine ideale Form, Kultur zu leben und Kunst zu erleben.

Bleibt noch von der einen oder anderen "kunstvollen" Station zu berichten, die sich dazu gesellten – verbunden mit der Frage: Ins Museum in Corona-Zeiten? Und der eindeutigen Antwort: Aber klar! Timing ist alles, dann klappt es auch stressfrei mit Abstand und Maske.

Ganzen Eintrag lesen »

Aktiv im Rheingau: Genussvoll radeln zwischen Rhein und Reben

Veröffentlicht am 19.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerEins vorweg: E-Biken ist zwar Genussradeln, aber trotzdem echtes Radfahren. Und wenn die Pedelics der jüngsten Generation – so heißen die Räder offiziell und nur dann dürfen sie auch ohne Moped-Nummernschild betrieben werden – auch bereits mit viel Automatik daherkommen, wenn man richtig Spaß und Schwung haben will, gehört auch heute manuelles Schalten dazu. Zwischen den E-Bike-Modulen ebenso wie im Zusammenspiel mit den Gängen.

Anders gesagt: "Auf den Akku, fertig, los!" ist doch etwas zu simpel gedacht. Der Akku lässt zwar den Minimotor schön leise, doch kraftvoll schnurren, aber nur, wenn man eben auch gleichzeitig fleißig vor sich hin strampelt. Das allerdings geht einem deutlich entspannter "von den Waden" als ohne E-Unterstützung. Egal, ob es bergauf geht oder der Gegenwind kräftig bläst. Herrlich!

Vor allem, wenn man es raus hat, ob nur etwas, mittelstarke oder viel Unterstützung bei Steigungen sinnvoll ist (was dann je nach Anbieter auch Eco, Normal oder Hoch heißen kann) und wie sich diese E-Hilfe am besten mit welchem Fahrradgang kombinieren lässt, fängt es an, richtig Spaß zu machen. Anfänger verschalten sich gelegentlich ein bisschen, was hier mal einen kurzen Aussetzer des Elektromotors oder dort ein Durchtreten der Pedalen zur Folge hat. Aber das hat man schnell raus. Ehrlich! Schließlich ist das ist immer noch Radfahren – und einmal gekonnt verlernt man es bekanntlich ja nicht.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch aufgepasst: Auch wenn optisch fast alles aussieht wie bei einem "normalen" Rad, ein E-Bike ist zum einen aufgrund der Zusatzausstattung ein ganzes Stück schwerer. Darauf sollte man vor allem anfangs bei Auf- und Absteigen denken, sonst kippt man schneller um als man denken kann Und beim "Anfahren im Berg" greift einem die Motorhilfe zwar schwungvoll "unter die Pedale", aber man sollte nicht die kräftigste Unterstützung anwählen, sonst kann der Drahtesel förmlich mit einem durchgehen. Und das könnte dann den gleichen Effekt haben wie bei echten Pferd: Man steigt ab. Eher unsanft.

Gibt es sonst noch was zu wissen? Eigentlich nichts! Höchstens noch, dass man als Anfänger vielleicht doch einen Fahrradhelm tragen sollte, wenn er auch hierzulande nur empfohlen wird, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Alles soweit verstanden? Dann wären wir ja startklar!

Das war die Schriftversion dessen, was es an theoretischer Einführung zwischen Satteleinstellen und Helmentscheidung die ersten Minuten meiner bei cult-touren gebuchten "Geführte E-Bike Tour mit Vesper & Weinprobe" zu hören gab. Dann hieß es Aufsteigen und vor dem Start- und Endpunkt – in meinen Fall das Weingut Kaufmann in Eltville-Hattenheim – auf der ruhigen Seitenstraße ein paar Proberunden drehen und dann war unsere zusammengewürfelte Truppe startklar. Drei Paare, die mal mehr oder weniger über den Rheingau im Allgemeinen und das E-Biken im Besonderen wussten, plus unser Tourguide. Der war in diesem Fall mit Katharina Bahn die Chefin des noch jungen Wiesbadener Start-Ups höchstpersönlich. Dann noch letzte Instruktionen wie sie Richtungswechsel anzeigt und Tipps zum Schalten vorgibt – und das Genussabenteuer konnte beginnen.

Ganzen Eintrag lesen »

Abgestiegen: Prickelnde Erlebnisse im Sektkeller von Henkellsfeld

Veröffentlicht am 13.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerMit dem Rheingau ist das so eine Sache. Eigentlich ist sein Gebiet definiert, uneigentlich sehen das viele etwas anders. Seine (Wein-)Kulturlandschaft erstreckt sich rechtsrheinisch etwa von Hochheim bis Lorchhausen und zieht sich von den Höhen des Taunushauptkammes hinunter bis zum Rhein. Dieser wiederum wird hier für 30 Kilometer einmalig aus seiner sonstigen Süd-Nord-Ausrichtung abgelenkt und fließt etwa ab dem Main-Zufluss bis zum sogenannten Binger Loch von Osten nach Westen – und exakt jener Teil ist für die meisten Rheingauer, wie auch viele Besucher, eben "der" Rheingau. Dank dieser Laune der Natur dominiert hier der Südhang und macht den Rheingau zu dem, was er ist: Eine sonnenreiche Weinregion mit jahrhundertealter Tradition.

Was viele gern "verdrängen": Zum einen ist auch der steile Einschnitt des Rheins vom Binger Loch bis flussabwärts nach Lorchhausen Teil dieser Landschaft, wo der Rhein eben längst wieder seinen üblichen Weg nach Norden nimmt. Zum anderen zählen auch die Orte und Lagen östlich von Walluf, das gemeinhin als "Pforte des Rheingaus" tituliert wird, zum eben jenen. Während es der sogenannte Freistaat Flaschenhals bei Lorch und Lorchhausen geschafft hat, bei aller räumlichen Verbundenheit zum Mittelrhein als Teil des Rheingaus wahrgenommen zu werden, scheint das vor den Toren Wallufs nicht immer zu gelingen. Dabei gehören auch die Weinberge von Wiesbaden und am nördlichen Mainufer bei Hochheim, Flörsheim und Wicker seit jeher dazu. Wie es auch das deutsche Weingesetz definiert und den Rheingau in diesem Umfang als eine der 13 Weinbauregionen hierzulande führt.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWenn man nun eine Wein- oder Sekt(keller)führung in Wiesbaden bucht, darf man also mit dem Brustton der Überzeugung sagen, man sei im Rheingau unterwegs. Wofür auch historische Verflechtungen sprechen:

So liegt beispielsweise auf dem 245 Meter hohen Wiesbadener Hausberg, dem Neroberg, neben der vielbewunderten historischen Nerobergbahn von 1888, dem vielfotografierten Monopteros (einem 1851 erbauten Aussichtstempel mit grandiosem Panoramablick über Wiesbaden bis nach Mainz) und dem an heißen Tagen vielbesuchten Opelbad (1934 im Bauhausstil gebaut), auch Weinberge, auf denen demnach Rheingauer Wein wächst.

Erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts für den Weinbau gerodet, ist der Neroberg damit einer der wenigen innerstädtischen Weinberge Deutschlands (das nächste Beispiel, der Lohrberg, befindet sich übrigens in Frankfurt am Main). Bis 2005 von der Stadt Wiesbaden bewirtschaftet, wird er seither (wieder) von den Weinanbau-Experten der Domäne Rauenthal der Hessischen Staatsweingüter betreut. Denn was wenige wissen: Bis heute liegen Weine aus dem Neroberg in der Schatzkammer von Kloster Eberbach – und reichen bis in das Jahr 1893 zurück! Und: Auf dem Neroberg kann man an ausgewählten Terminen sogar an öffentlichen Führungen samt Weinprobe teilnehmen.

Viel mehr noch als mit Wein verbindet man Wiesbaden jedoch mit Sekt. Und wenn auch im "eigentlichen" Rheingau einige Sektkellereien sitzen (etwa Schloss Vaux in Eltville oder Ohlig in Rüdesheim), es prickelt bekanntermaßen vor allem in der hessischen Landeshauptstadt.

Ganzen Eintrag lesen »

Deine Spuren in Schnee: Schneeschuhwandern

Veröffentlicht am 15.12.2017

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerWarum heißen die Dinger eigentlich Schuhe? Irgendwie erinnern sie mich eher an Flossen! Immerhin: Bei näherer Betrachtung sind rechts und links leicht zu unterscheiden. Auch die Riemen und Schnallen wie ihre Handhabung sind selbsterklärend. Das "Einsteigen " ist kein Problem, nix rutscht weg oder kippelt, der breiten Auflage und den Krallen sei Dank. Nun noch kräftig alles festzurren, damit die eigenen Schuhe im Schneeschuh stabilen Halt haben, Trekkingstöcke geschnappt – und schon kann’s losgehen.

Nicht so schnell! Ja, die Bewegungsabläufe sind vertraut, man muss keine vorgegebene Spur halten, aber doch viel breitbeiniger gehen als beim normalen Wandern. Zudem es gibt ein, zwei Dinge, die man vorab doch besser mal angeleitet ausprobiert haben sollte; die Nutzung der Krallen zum Beispiel. Und dann ist da der Anfängerfehler, viel zu forsch loszugehen. Lieber nicht: Entdecke die Langsamkeit, heißt die Devise!

Schneeschuhe haben nämlich ihr eigenes Tempo – wie man selbst auch. Also nur nicht an anderen orientieren, sondern seinen eigenen Tritt finden. Das alles ergibt in der Summe ein bedächtigeres Schritttempo, auch für sonst flotte Marschierer. Es gilt, gemächlich aber stetig voranzuschreiten, sonst rinnt der Schweiß schnell in Strömen und das Herz schlägt einem bis zu Hals. Anders gesagt: Erste Erfahrungen sammelt man am besten bei einer begleiteten Schneeschuhtour. Der Vorteil? Ausrüstung und Einführung sind inklusive und für Einsteiger sowie Gelegenheits-Schneeschuhwanderer damit ideal! Und den einen oder anderen Profi-Tipp zu erhalten, ist auch nicht verkehrt. Theorie und Praxis sind halt zweierlei.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDenn erinnern Sie sich an Ihren letzten Strandspaziergang? Weicher Sand geht ganz schön in die Beine, richtig? Dann haben Sie eine erste Ahnung, was Sie bei einer Schneeschuhtour erwartet: Beinmuskeltraining pur! Auch der Kreislauf wird gefordert und trainiert. Denn es geht um die gesunde Bewegung in der Natur – zusammen mit der Praktizierbarkeit für jedermann und jedes Alter einer der Hauptvorteile dieser Wintersportart, die immer mehr Fans findet.

Während also die letzten noch an ihren Riemen rumnesteln, stelle ich denn auch fest: Wir sind bei dieser Tour in der Tat ein Mehrgenerationenprojekt, zwischen zwölf und 65 Jahren ist alles an diesem Morgen dabei. Und auch die Motivation ist vielfältig: Da sind die Freundinnen, die in ihrem Bergurlaub jeden Tag einen anderen Wintersport ausprobieren. Die Schlittenfans wiederum suchten eine dynamische Alternative zur Bergbahn, um nach oben zu kommen, die Skifahrer einen Kontrast zum Pistentrubel. Und das Gros will, wie ich, einfach mal "anders" winterwandern.

Ganzen Eintrag lesen »

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?