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Krippenwege: Es begab sich aber zu der Zeit ...

Veröffentlicht am 06.12.2015

... "dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger."

(c) S. Sahmer: Manche Krippe ist sogar an die Hauswand gemalt...(c) S. Sahmer: Manche Krippe ist sogar an die Hauswand gemalt...So fängt sie an, die wohl berühmteste Bibel-Erzählung. Und sie beginnt mit einer beschwerlichen Reise, denn hochschwanger dürfte es für Maria eine echte Strapaze gewesen sein, sich mit ihrem Mann zu Fuß, bestenfalls auf dem Rücken eine Esels sitzend, auf den Weg in seinen Heimatort zu machen, wo sie doch jeden Augenblick darnieder kommen konnte. Zumal es im Heiligen Land damals keine gut ausgebauten Straßen gab. Außerdem haperte es dann vor Ort auch noch gewaltig mit der Gastfreundschaft, denn sie "gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe: Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge."

(c) S. Sahme(c) S. SahmeDas ist weit entfernt von allem, was man heute so an Weihnachtsarrangements buchen kann, ob im Schnee oder unter Palmen, in den Bergen oder gar auf See, weit im voraus oder last minute. Aber es waren eben damals auch andere Zeiten und obendrein ganz andere Reise-Umstände. Und doch: Auch heute kann man sich so auf den Weg machen, wie Josef und Maria und die Hirten und später auch die drei Weisen aus dem Morgenland, von denen es heißt, sie seien einem Stern gefolgt, um das Kind in der Krippe zu finden. Welche Wege ich meine? Krippenwege! Manche werden groß beworben, andere sind eher Geheimtipps. Manchen verbinden Kirchen, andere vor allem ganz profane Orte – und genau dann ist das Weihnachtswunder genau dort, wo es hingehört: mitten unter uns.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIm letzten Jahr habe ich mir den Krippenweg in der Garmisch-Partenkirchener Ludwigstraße angeschaut, den man auch jetzt wieder, beginnend am heutigen Nikolaus-Tag bis zum 10. Januar, folgen kann: Mal muss man sie in einem übervollen Schaufenster erst finden, sie sind so Teil des geschäftigen Adventstreibens, dann wieder stehen sie prominent und bewusst ins rechte Licht gerückt da. Es sind Schneekrippen dabei, aber auch Tonfiguren aus Lateinamerika oder filigrane Papierkrippen. Keine ist wie die andere. Manchen konzentrieren sich auf die Geburt im Stall, andere erzählen die ganze Weihnachtsgeschichte. Einige sind so spartanisch, wie die Unterkunft für Josef und Maria damals nun mal war, andere sind opulent ausgestaltet mit unzähligen Figuren und vielen kleinen Extraszenen.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S: Sahmer(c) S: SahmerIch habe den Krippenweg, hier im Werdenfelser Land spricht man vom "Kripperl Schaug'n", als sehr medidativ empfunden. Man weiß, wo man ungefähr hinschauen muss – und ist doch auf der Suche nach seinem ganz persönlichen Weg, seiner ganz eigenen Perspektive. Kaum einer macht sich auf den gleichen "Reiseweg", jeder hat einen anderen Blick(winkel) auf die Krippen. Für den einen sind sie Beispiele von alpenländischer (oder internationaler) Handwerkskunst, für andere nur Kitsch. Für den einen hübsche Deko, für den nächsten Zeugnis des Glaubens. So vielfältig die Krippen, so unterschiedlich die Stationen, so breit ihre Wirkung auf den Betrachter.

Eine schöne Ergänzung war für mich (und kann ich nur empfehlen) ein Besuch im Partenkirchener Werdenfels Museum, das, natürlich, ebenso über eine kleine Krippen-Dauerausstellung verfügt wie auch das Museum Aschenbrenner im Ortsteil Garmisch. Schließlich gibt's hier am Ort sogar eine echte Krippenbauschule!

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerÜbrigens – Krippenwege gibt's auch andernorts in Deutschland, man muss dafür nicht nach Bayern reisen, wenngleich dort die meisten zu finden sind, so etwa unter anderem in Bamberg, wo es seit 15 Jahren auch ein Krippenmuseum gibt, oder in Ingolstadt, Landshut und Passau. Den Kölner Krippenweg beispielsweise gibt es in diesem Jahr zum 20. Mal – mit über 100 Stationen!

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