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"Vinologische" Rheingau-Erlebnisse: Einmal Kloster und zurück

Veröffentlicht am 10.09.2018

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDank seiner geschlossenen Gesamtheit ist die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Eberbach im Rheingau eines der am besten erhaltenen Beispiele mittelalterlich-sakraler Baukunst. Wenn sie auch nicht wie Kloster Maulbronn UNESCO-Weltererbe-Status besitzt, so ist die weitläufige Anlage oberhalb der Wein-, Sekt- und Rosenstadt Eltville (zur der es gehört) und Kiedrich (das gotische Weindorf ist der nächstgelegene "Nachbar") doch das Ziel unzähliger Kulturinteressierter und auch Pilger – obgleich das Kloster 1803 säkularisiert wurde.

Auf Veranlassung von Bernhard von Clairvaux 1136 im – damals wie heute – abgeschiedenen und kaum einsehbaren, daher gut geschützten Kisselbachtal fern vom Rheinufer gegründet (dabei heute bestens erreichbar, sei es zu Fuß, per Auto oder ÖPNV-Linienbus), kann man in und um die Klosteranlage herum noch immer viel Zisterzienser-Geschichte atmen. Nicht nur am Zisterziensertag, der immer Ende August begangen wird. Hinzu kommen noch seine jahrhundertelange Weinkultur (die Mönche brachten einst Rebstöcke aus Frankreich mit) und ein Hauch große weite Kinowelt (allen voran der in großen Teilen hier mit Weltstars wie Sean Connery, Christian Slater und F. Murray Abraham gedrehte Blockbluster "Der Name der Rose" ). Damit sind dann auch die drei Top-Gründe für einen Eberbach-Besuch(neben Events, allen voran in den Sommermonaten die Konzerte des Rheingau Musik Festivals) auf den Punkt gebracht.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDas Beste daran? Man kann als Tagesgast eigentlich alles haben! Wenn man denn mag. Und manches Führungsangebot vereint sogar fast alle Komponenten in sich, wahlweise kombiniert man diese eben geschickt.

Wer also seinen Besuch statt spontan mit etwas Vorlauf planen kann, der ist gut beraten, zuerst den Eventkalender mit den Führungen und Veranstaltungen des Klosters anzuschauen – es lohnt sich. Denn da locken Extras wie der "KinoSommer: "Der Name der Rose" am Originaldrehort", Themenführungen zu "Der Name der Rose" oder der (Kloster-)Architektur, aber auch Schlender- und Cabinettkeller-Weinproben.

Durchs Kloster kann man natürlich auch individuell mit einem Faltblatt oder per AudioGuide stromern; ich rate Erstbesuchern aber lieber zur Führung. In einer guten Stunde bekommt man dabei komprimiert, doch kurzweilig die wichtigsten Stationen des Klosters gezeigt, erhält einen kurzen Abriss über seine geistliche wie önologische Geschichte und nebenbei das eine oder andere aus der Gegenwart der heute sehr weltlich arbeitenden, dabei noch immer höchst spirituell wirkenden Anlage.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerKeine Frage, Sean Connery spielt dann genauso eine Rolle wie Bernhard von Clairvaux, man lauscht mal Zisterzienserregeln und hört dann Anekdoten vom Filmdreh, muss angesichts von Veranstaltungsaufbauen oder Sanierungsprojekten vielleicht auch mal etwas Fantasie mitbringen, wie es wohl sonst aussieht, und wird auf Details wie sprechende Bilder und namensgebende Räumlichkeiten hingewiesen. Klingt nebulös? Soll es auch! Denn warum das Kloster genau dort liegt und Eberbach heißt oder warum es das Weinprädikat Kabinett gibt, das lernt eben, wer eine Tour mitmacht. Warum also schon jetzt alles verraten? Mitgehen, umsehen, zuhören! Auf dem Weg durch die einstige Klausur erlebt man so den Kreuzgang und die Basilika, passiert die Klostergasse, steht mal im Mönchsdormitorium, dann im Laienrefektorium.

Und stößt immer wieder auf das Thema Wein und stolpert über den Namen Steinberg. Diese weltberühmte Lage, die sich seit 1239 im Alleinbesitz des Weinguts befindet, liegt gerade mal 300 Meter vor den Toren des Klosters:

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Zu Besuch bei Fürstens: Unterwegs im Schaumburger Land

Veröffentlicht am 21.08.2018

Mit (Orts-)Namen ist das so eine Sache, man verbindet sie fast immer mit einer Erinnerung. Das können Menschen sein und deren Eigenschaften (schöne wie nervende), dann wieder Orte und ihre Gerüche. Schaumburg war und ist so ein Begriff, mit dem ich persönlich unter anderem Schulwandertage, Filzpantoffel und eben einen ganz bestimmten musealen Geruch, diese Mischung aus Bohnerwachs, Schweiß und anderem mehr verbinde, der früher alten Gemäuern so gemein war.

Besagte Schaumburg – eigentlich Schloss Schaumburg, aber so redete bei uns keiner von ihr – steht in meiner Heimat, im Nassauer Land. Genauer gesagt sie thront hoch über Balduinstein an der Lahn, was ein Katzensprung von Diez entfernt liegt, wo ich dereinst das Licht der Welt erblickte. Den Rhein-Zufluss, den viele mit Kanuwandern verbinden, sieht man vor dort oben meiner Erinnerung nach nicht wirklich, dafür aber endlos weit übers Land. Das war und ist damals wie heute von Dörfern, Feldern, Wiesen und Wäldern geprägt ist. Touristiker würden wohl sagen: lieblich. Oder: beschaulich.

Die erste Burg soll hier um 915 entstanden sein, es tauchen Namen wie Schowenburg oder Schauenburg auf; weil, ich hatte es davon, man schaut ja so weit übers Land. Wie das in Adelskreisen so ist, es wurde geheiratet, gestorben und vererbt – an Haupt- und Nebenlinien, es wurde Erbmasse geteilt und wieder zusammengeführt … Kurz: Besitzer kamen und gingen. Im 19. Jahrhundert dann besaß ein österreichischer Erzherzog die Schaumburg – und baute sie 1850-55 im neugotischen Stil zum heutigen Schloss um. Ganz so, wie man in dieser Zeit auch am Rhein Burgen und Schlösser (wieder) aufbaute. Damals soll es sogar ein richtig beliebter wie belebter Treffpunkt für Adlige aus ganz Europa gewesen sein.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerLang ist’s her und heute residiert in der Dreiflügelanlage der Schaumburg längst kein Blaublütiger mehr. Führungen gibt es ebenfalls keine. Dafür zerstob in den letzten 30 Jahren so mancher Plan, wie da Schloss aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Bislang blieb es dabei. Schade. Denn andernorts sieht man, es geht auch ganz anders. Da bleiben Schlösser lebendig bis heute.

Im "Schaumburger Land" zum Beispiel, einem gar nicht so kleinen Flecken Erde westlich von Hannover und Deister. Im Norden grenzt es an das Steinhuder Meer, im Süden kann man sich ungefähr das Weserbergland und die Weser als imaginären Abschluss denken.

Zugegeben: Die Filzpantoffel, die gab's dort (leider) nicht. Zumindest nicht in dem Schloss, in dem ich "geführt" war. Dafür aber allerlei Geschichten rund ums Adelsgeschlecht der Schaumburger (eine Verbindung zum Ort meiner Kindheit besteht jedoch definitiv nicht), dazu Rösser von ebenso edlem Blut. Und auch das Rumfahren und -stromern im einstigen Fürstentum lohnt sich auch, denn die hochherrschaftlichen Spuren finden sich allerorten und sorgen so für ein abwechslungsreiches (Kultur-)Programm.

(c) S. Sahmer(c) S. SahmerFangen wir in Bückeburg an, gleichwohl meine kleine Reise über Land nicht dort begann. Aber die Schaumburger, später Schaumburg-Lipper sie sind ein Adelshaus mit großer Tradition und dort steht ihr Stammhaus: Einst prägten sie ihr Land mit prachtvollen Bauwerken und aufgeklärten Ideen, heute mit modern präsentierten Traditionen und attraktiven Event (wie etwa die Landpartie oder der Weihnachtszauber zeigen), vor allem rund um Schloss Bückeburg. Ausgewählte Räumlichkeiten im Schloss können geführt erlebt werden und wenn die Tour mit rund 50 Minuten auch kurz und die Räume überschaubar sind – es lohnt sich! Zugegeben, wir hatten eine sehr launig parlierende Führerin, die die Fakten und Zahlen amüsant zu verpacken wusste, so dass man ihr die knappe Stunde gerne folgte. Auch das größte Privatmausoleum der Welt im Park kann, wer mag, geführt oder am Wochenende individuell erleben. In seiner Kuppel verbirgt sich ein gewaltiges Goldmosaik. Mein Fazit, des 1911-16 erbauten Prachtbaus? Beeindruckend ja, aber auch etwas "unterkühlt".

Auch die Inselfestung Wilhelmstein im Steinhuder Meer geht auf die Schaumburger Herrscher zurück – und das dortige kleine Schloss Hagenburg samt Kanal war einst ihre Sommerresidenz (heute befindet sich dort ein Kunst- und Auktionshaus). Dort kam man gar trefflich spazieren, etwa entlang des Kanals zum Steinhuder Meer oder im angrenzenden Moorgarten. Leider habe ich die seit 1913 mit Rhododendren bepflanzte Schlossallee nicht im blühenden Zustand erlebt; vor allem im Mai muss sie beeindruckend sein. Ein Blütenmeer im wahrsten Wortsinn.

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Wiedensahl: Wo die Wiege von Max & Moritz steht

Veröffentlicht am 16.08.2018

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerIm "Schaumburger Land", ziemlich genau an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, liegt die Heimat von Wilhelm Busch. Der Maler und Schriftsteller wurde 1832 in Wiedensahl geboren. Schon seit den 1870er Jahren in ganz Deutschland berühmt, galt er bereits bei seinem Tod 1908 dank seiner Bildergeschichten als "Klassiker des deutschen Humors". Heute tituliert ihn mancher gar als "Urvater des modernen Comics". Der kleine Marktflecken mit seinem gerade einmal tausend Einwohnern jedenfalls zehrt davon, ist und lebt seither Wilhelm Busch: Denn der große Zeichner, Maler und Dichte war zwar viel unterwegs (er studierte etwa in Hannover, Düsseldorf, Antwerpen und München), lebte jedoch mehr als 40 Jahre in seinem Heimatort.

"Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
vorausgesetzt man hat die Mittel." 
(W. Busch)

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerDas Wilhelm-Busch-Geburtshaus, ein typisches niedersächsisches Fachwerkaus, das unübersehbar an der Hauptstraße liegt, ist heute ein liebevoll gestaltetes Museum mit vielen kleinen Szenen und Details (so arbeitet etwa Witwe Bolte im Keller). Dort sind neben zwei Wohnräumen seiner Kindheit nun allerlei Bildergeschichten, Zeichnungen und viele persönliche Gegenstände zu sehen. Auch etliche Zeugnisse seiner Malerleidenschaft jenseits von Max und Moritz, Witwe Bolte, Lehrer Lämpel und Co. finden sich hier.

Im Obergeschoss ist derzeit die amüsant-lehrreiche Sonderausstellung "Wilhelm Busch und die Medizin" zu sehen ist (noch bis 20.01.2019). Die Idee und Vorlage dazu war das gleichnamige Buch des Internisten Dr. Hartmut Gill (erschienen im Hinstorff Verlag). Der Arzt griff sich aus dem Fundus an Beobachtungen und Behauptungen Buschs gezielt allerlei Medizinisches heraus. Zitat: "In ebenso akribischer wie leichtfüßiger Manier trug der Autor Krankheit und Heilung, Gesundheit und Laster in Buschs Bildergeschichten in einem Buch zusammen." Herausgekommen ist in Wiedensahl eine kleine witzige Schau, der es nicht an echten Fakten mangelt.

"Das weiß ein jeder, wer‘s auch sei,
gesund und stärkend ist das Ei." 
(W. Busch)

Nur ein paar Schritte vom Geburtshaus aus nach rechts Dorfstraße hinunter kann man im "Museum im Alten Pfarrhaus" eine weitere Wohnstätte von ihm besichtigen. Am Rand des angrenzenden Friedhofs mit der Grabstätte der Familie Busch steht das Wilhelm-Busch-Denkmal von 1913. Es zeigt den Künstler auf einem Bronze-Relief – rauchend, wie man ihn auch auf vielen Fotos sieht. Dabei soll er sogar zweimal geradeso eine Nikotinvergiftung überlebt haben …

"Drei Wochen war der Frosch so krank! 
Jetzt raucht er wieder. Gott sei Dank!"
(aus: Der Frosch und die beiden Enten, W. Busch)

Im Pfarr(bauern)haus, wo Herrmann Nöldecke, Buschs Schwager, als letzter Pfarrbauer tätig war, wohnte der zeitlebens unverheiratete Busch zusammen mit der Familie seiner Schwester Fanny gut sechs Jahre. Im Obergeschoss des heute als Gemeindehaus genutzten Gebäudes hat der Heimatbund Wiedensahl sein Museum (c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. Sahmereingerichtet. Es zeigt unter anderem die Schlafkammer und das Atelier Buschs – wo der Meister ehrlich gesagt an einem erstaunlich kleinen Schreibtisch arbeitete, aber offensichtlich ein großer Briefeschreiber war ... von denen einem nämlich in den einstigen Wohnräumen überall lesenswerte Ausschnitte begegnen.

Der Schwerpunkt des Museums liegt eigentlich auf der Heimatgeschichte: So passiert man zunächst eine zugegeben etwas skurrile Sammlung von Saurierspuren, Fossilien und alten Tongefäßen, aber auch von Hausgeräten, Werkzeugen und Geräten für die Flachsverarbeitung aus den vergangenen Jahrhunderten, bevor man in die deutlich weniger eingestaubte Welt von Wilhelm Busch eintreten kann.

Eine kleine Welt, überschaubar und scheinbar unspektakulär (wie das ganze Dorf bis heute auf den ersten Blick) – aber für ihn offenbar genau der richtige Schaffensort:

"Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge."

(W. Busch)

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerBusch soll gerne und viel im und rund um den Ort spazieren gegangen sein. Mit einem kleinen Faltblatt bewaffnet ("Dorfspaziergang mit Wilhelm Busch") und den entsprechenden Wegweisern und Hinweistafeln folgend, kann man auf seinen Spuren durch und rund um Wiedensahl, von dem er übrigens viele Bilder gemalt hat, herum streifen. Ob man nun an der ehemaligen Poststelle vorbeikommt, von wo aus Buschs Druckstöcke für die Bildergeschichten an seine Verleger gingen, im heutigen Café Busch-Keller einkehrt, das sein zweites, neugebautes Elternhaus war, wo der Vater – ein Kaufmann – mehr Platz hatte, um seinen Geschäften nachzugehen, oder das einstige Pfarrwitwenhaus betrachtet, wo Busch mit seiner verwitweten Schwester und ihren drei Söhnen ab 1879 fast 20 Jahre lebte; Busch ist hier wirklich überall. Und wenn es nur in Form des Bolte-Stein ist.

Den Namen trifft man übrigens in Wiedensahl häufiger an, heißt es. Doch wem Busch mit seiner Witwe Bolte ein literarisch-gemaltes Denkmal gesetzt hat, das weiß keiner so genau … warum auch? Seine Figuren sind sowieso einmalig:

"Busch ist der eigentliche Erfinder der zeichnerischen Kurzschrift.
Ich weiß keinen Vorgänger, dem es gelungen wäre oder der auch nur versucht hätte,
in so knappen Strichen das Leben einzufangen, durch einen einfachen Federzug so unerhört gesteigerte Bewegung,
so unvergessliche Typen mitsamt der ihnen zukommenden Umgebung auf einem kleinen Blättchen Papier hervorzuzaubern.
"

(Th. Th. Heine)

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Und es hat Zisch gemacht: Der Kaltwasser-Geysir in Andernach

Veröffentlicht am 17.05.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerEr ist der höchste seiner Art. Weltweit. Und stand schon länger auf meiner Liste, da genau das richtige für einen entspannten Tagestrip. Wenn man denn so im 150 Kilometer-Umkreis wohnt. Sonst sollte man sich für dieses Fleckchen Mittelrhein vielleicht doch ein, zwei Übernachtungen gönnen. Schließlich gibt es diesseits und jenseits des Flussufers noch das eine oder andere mehr, das sich ganz prima dazu kombinieren lässt. Gerade in der Vulkaneifel, dann kann man nämlich so schön im Thema bleiben …

Denn der Andernacher Kaltwasser-Geysir wäre ohne das Kohlenstoffdioxid aus einem Magna-Vorkommen unter der Ost-Eifel, einem geologisch gesehen recht jungen Vulkangebiet (wobei "jung" in dem Zusammenhang relativ ist, um es mit Albert Einstein zu sagen), gar nicht möglich. So aber hat das Rhein-Städtchen eine "explosive" Attraktion, die Besucher in himmlischen Herrscharen anzieht. Vor allem bei Sonnenschein. Von daher Tipp 1: Früh da sein, denn es gibt am Tag nur vier Termine, um den Geysir tatsächlich live vor Ort zu erleben – und da es dorthin vom Geysir-Zentrum per Schiff geht, sind die Kapazitäten naturgemäß irgendwann dann doch begrenzt. Ich hatte im Internet den Hinweis entdeckt, dass es auch für Individualbesucher die Möglichkeit gibt, Tickets zu reservieren – und sicherheitshalber an einem sonnigen Frühlingswochenende doch mal samstags nachgehört, wie es denn wohl sonntags für die 11:15-Uhr-Entdeckungs(schiffs)reise aussähe. Es kam Entwarnung, wenn ich denn am Sonntagmorgen auch deutlich vor 10:00 Uhr im Geysir-Zentrum einchecken würde.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIch tat wie mir geheißen und das war auch vom Vorlauf her ideal, denn 75 Minuten war ich schon an den verschiedenen Stationen zugange – es gibt doch etliches zu lesen und auch vieles medial anzuschauen, vor allem aber "kraftvoll" auszuprobieren.

So reist man nicht nur imaginär 4.000 Meter unter die Erde (Die Schachteinfahrt wird im Aufzug wirklich perfekt simuliert!) und sprudelt am Ende 60 Meter darüber wieder raus, sondern lernt unterwegs auch interaktiv allerlei, was eigentlich dem Naturschauspiel auf der Namedeyer Werth unterirdisch alles vorausgeht, wie es zur Entdeckung des Geysirs kam, warum er einst versiegte und und und.

In dem Zusammenhang Tipp 2: Die Ausstellung hat zwar viele gute gemachte spielerische Elemente, die den Nachwuchs einbeziehen, ist aber nichts für Kindergartenkinder oder noch jünger – denn es braucht neben Neugierde doch schon ein wenig Konzentration und Lernerfahrung für die eine oder andere Wissens-Station, sonst sind Langeweile und Quengelei vorprogrammiert. Das macht weder Eltern noch anderen Besuchern Freude. Das Natur-/Stadtdetektive-Programm des Geysir-Zentrums richtet sich nicht ohne Grund erst an Kinds ab acht Jahren … Und mitbringen sollte man mindestens eine Stunde Umschau- und Ausprobier-Zeit, besser noch 75-90 Minuten. Um sich dann stressfrei auf dem Schiff am nahen Anleger einzufinden.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDenn keine Sorge, jeder kommt zur auf seinem Ticket angegebenen Abfahrtzeit auch mit. Und nein, die Fahrt dauert nicht so lange, dass man sie nicht notfalls auch stehend auf dem Sonnendeck verbringen könnte – zumal man, möchte man fotografieren, dann sowieso damit beschäftigt ist, von Back- nach Steuerbord zu turnen und zurück. Um den perfekten Schuss und die richtige Perspektive zu finden. Ich hab dann noch einen ruhigen schattigen Sitzplatz unter Deck genossen, bevor der dritte Teil des Geysir-Erlebnisses anstand. Die gut 20 Minuten auf dem Wasser sind übrigens auch weniger der vielen Flusskilometer geschuldet als den An- und Ablege-Manövern – und dem Paralleleinsatz der MS Namedy als Fähre nach Leutesdorf am gegenüberliegenden Ufer. Auf direktem Wege ginge es deutlich schneller.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerUnd auch, wenn der Geysir nur etwa alle zwei Stunden nach ein kurzen, aber überraschend lautem Fauchen und Zischen sowie minimal aufsteigenden Wasserdampf von jetzt auf gleich seine beeindruckende Fontäne mit aller Kohlenstoffdioxid-Macht in die Höhe schießt – es bleibt genügend Zeit, sich auf das Spektakel einzustellen und es zu betrachten. Deswegen mein Tipp 3: Dafür muss man nicht von Bord stürmen und auch nicht im Eilschritt über den Steg und an Land gen Ausbruchstelle/Bohrloch stürzen. Den kleinen Spaziergang durch das Areal des Naturschutzgebietes (das ursprünglich eine Rhein-Insel war, heute jedoch eine Landzunge ist) sollte man nämlich genießen – trotz der Trassen der darüber laufenden B9 und der vielbefahrenen linksrheinischen Bahnstrecke. Der hiesige geschützte Auwald ist nämlich Standort und Lebensraum seltener Pflanzen- und Tierarten, insbesondere Rast- und Brutplatz bedrohter Vögel. Und hat, trotz Bundesstraße und Bahn, doch etwas von Idylle (solange kein Zug vorbeirauscht oder der Geysir ausbricht). Den hier lebenden Fledermausarten bin ich allerdings nicht begegnet; ich denke, denen war es schlicht zu sonnig, die sind ja eher in der Dämmerung und Nacht unterwegs.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerKurzum, das Werth ist der perfekte Gegensatz – und Rahmen – für den höchsten Kaltwasser-Geysir der Welt. Knapp zwei Stunden dauert es, bis sich in seinem Bohrbrunnen wieder eine mit Gas gesättigte Wassersäule gebildet hat, die so mächtig unter Druck steht, dass sich das Kohlenstoffdioxid kraftvoll seinen Weg bahnt: In der Spitze reicht der Druck für Fontänen mit bis zu 60 Meter Höhe. Ist der Brunnen nach circa acht Minuten durch die Eruption geleert, beginnt der Zyklus von neuem. Tagein, tagaus wiederholt sich so das Naturspektakel etwa alle 115-120 Minuten. Mein Tipp 4: Man kann sich mit allen vorne an der Absperrung drängen, man kann es aber auch lassen – und einfach weiter hinten auf dem kleinen Zuschauerplateau entspannter den Kopf in den Nacken legen. Näher an das Bohrloch und auch mal vom Wasser probieren darf man sowieso nur unter Aufsicht und erst nachdem der größte Druck entwichen ist (Achtung: Drumherum ist es patschnass!). Dann haben sich die ersten schon wieder auf den Rückweg zum Schiff gemacht – und man kann immer noch in Ruhe ein paar Nahaufnahmen machen, auch wenn die Fontäne nicht mehr gar so gewaltig ist. Man sollte das Ganze ja auch nicht nur durch Kameraobjektiv und via Smartphone erleben, ein "echter Hingucker" ist das Spektakel nämlich allemal (und überpünktlich an Bord war ich trotzdem)!

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerZurück geht es offiziell wieder per Schiff – diesmal ohne Fährbetrieb. Aber wer gut zu Fuß ist, kann sich überlegen, direkt nach Verlassen des Geysir-Geländes (es ist per Zaun abgesichert), einfach rechts auf den Radler- und Spazierweg abzubiegen und die etwas über zwei Kilometer Richtung Andernach downtown zurückzumarschieren. Rund die Hälfte des Weges führt durch Auenwald, dann geht es direkt am Rheinufer weiter. Vorbei am "Alten Krahnen" (bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden mit ihm noch Wein, Tuff- und Mühlsteine verladen) führt der Weg über Andernachs Rheinanlagen zurück zum Geysir-Zentrum. Wer Glück hatte, hat dort einen schattigen Abstellplatz auf dem kleinen Parkplatz ergattert. Es empfiehlt sich jedoch, gerade an wetterschönen Wochenenden, seinen Wagen gleich vorne am großen Parkplatz vor dem Bollwerk abzustellen. Am Wochenende steht man dort gebührenfrei – und der kurze Spaziergang flussabwärts zum Geysir-Zentrum und Schiffsanleger ist ein schöner Besuch-Auftakt bzw. -Abschluss.

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Von Blatt & Blüte inspiriert: Keramik & Kunst trifft Kraut & Co. im Kannenbäckerland

Veröffentlicht am 15.05.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerVon den Westerwälder Höhen bei Wirges bis runter ans Mittelrheintal bei Bendorf zieht sich der Landstrich mit dem auf dem ersten Höreindruck seltsam klingenden Namen. Dahinter verbirgt sich seit dem späten 18. Jahrhundert Deutschlands wohl berühmteste Keramik- und Tonregion. Ihr Name rührt von dem daraus (kunst-)handwerklich entstandenen Geschirr her, das man hier aber schon seit dem Mittelalter herstellt: Kannen und Krügen aus weißem oder braunen sowie grau-blauen (der berühmtesten Gestaltung) salzglasierten Steinzeug. Und gerade auf diesem prangen gerne mal Blätter und Blüten – mal ganz einfach, dann ganz fein ausgearbeitet und selbst der florale Jugendstil machte vor den Westerwälder Töpferscheiben nicht halt. Was also lag näher, als das eine mit dem anderen auf einem Kurztrip dorthin zu verbinden?

Gesagt getan, zumal da vor einiger Zeit ein Hoteltipp auf meinem Tisch gelandet war, der zum einen in einem Ortsteil von Höhr-Grenzhausen lag, wo bekanntlich das "Herz der Keramik" schlägt, und das zum anderen eine KräuterAuszeit im Programm hat. Na also, passt doch!

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerAls Standort für Natur- und kunstvolle Erkundungen entpuppte sich das Hotel Zugbrücke in Grenzau im wahrlich idyllischen Brexbachtal denn auch als ideale Entscheidung (wobei vielen bei dem Namen anderes einfallen dürfte: Tischtennis nämlich – richtig, hier ist ein Olympiastützpunkt und der TTC Zugbrücke Grenzau zudemhöchst erfolgreich!). Auch, weil es in der Tat im extra ausgesuchten Package rundum "kräuterig" zuging – im Spa mit passenden Ölen oder auf dem Teller mit entsprechender Würze, beim geführten Kräuterspaziergang oder im anschließenden Workshop.

Dem verdanke ich nun zwei Tiegel mit selbst angerührtem Kräutersenf, der zwar noch ein Weilchen dunkle Ruhezeit braucht, um dann ausbalanciert kräuterwürzig daherzukommen – vor allem aber die Erkenntnis, dass Senfmachen gar nicht so schwer ist. Ich glaube, da wird demnächst mal eine kleine sommerliche Kräuterernte plus Senfproduktion anstehen … dann kann ich zum Herbst hin wunderbar überall "meinen Senf dazu geben", wenn es wo ein kleines Präsent braucht.

Der Hotelname rührt übrigens in der Tat von einer echten Zugbrücke her, die dann gleich wieder den Bogen zum Kannenbäckerland schlägt: Denn nicht nur Tonerde bestimmte hier früher (und eben vielerorts bis heute) das Leben. Neben den gar nicht so kleinen Töpfereien auf den Höhen standen am Fluss zudem einst große Eisenhütten, deren Kunst(guss)fertigkeit nicht minder berühmt war (dazu später noch mehr). Und all das, ob Grundprodukt(e) oder fertige Waren, wollte nunmal von A nach B transportiert werden.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDie Brexbachtalbahn verläuft noch immer von Neuwied-Engers über Bendorf, Grenzau und Ransbach-Baumbach nach Siershahn. Zumindest ihr Gleise, denn Züge fahren hier (fast) keine mehr, ausgenommen einige wenige Sonderfahrten auf dem oberen Gleisabschnitt hinter dem Bahnhof Grenzau. Zu dem man vom Hotel aus über einen kräutergesäumten Waldweg, wo man ebenso viel Heilkräftiges wie Würziges finden kann, in einer knappen Viertelstunde gelaufen ist.

1884 nach zwölfjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnet, hatte die Bahn nicht nur tausenden Menschen Arbeit gegeben, sondern auch die für damalige Verhältnisse unvorstellbar Summe von acht Millionen Goldmark verschlungen. Der Grund? Auf den knapp 22 Kilometern gibt es 36 Brücken und Viadukte sowie sieben Tunnel! Immerhin: Allein die acht Kilometer von Bendorf-Sayn nach Grenzau, für die ein Fuhrwerk dereinst gute vier Stunden benötigte, schaffte die Eisenbahn nun bei einer Steigung von 140 Metern in nur knapp 20 Minuten. Ganz abgesehen davon, dass sie viel mehr transportieren konnte. Trotzdem: 1989 wurde der regelmäßige Personenverkehr eingestellt, bis 2001 dann auch der Güterverkehr stillgelegt.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerGüter gibt es aber noch immer eine Menge. Beim nach wie vor stattfindenden Tonabbau haben zwar Maschinen deutlich leistungsfähiger viele Arbeitsplätze weg- und übernommen, doch wenn es um die (kunstvolle) Weiterverarbeitung geht, ist eben weiterhin das meiste Handarbeit – wie man vor allem bei einem Bummel durch die Brunnenstraße von Höhr-Grenzhausen erleben kann. Ruhig neugierig den Kopf in offene Atelier-Türen stecken! Auch wenn man womöglich erst niemanden sieht, ein Gesprächspartner findet sich immer schnell. Und die Atmosphäre dort ist eine ganz eigene: Kreativ-inspirierend bis genial-chaotisch – und mit Töpferwaren in allen Stadien der Produktion.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIch hatte zum Lern-Einstieg ganz klassisch das Keramikmuseum Westerwald besucht. Zitat: "Auf etwa 2500qm Ausstellungsfläche zeigt das im Jahr 1982 fertig gestellte und 2007 auf fast doppelte Größe erweiterte Keramikmuseum Arbeiten aus der mehr als 5 Jahrhunderte währenden Geschichte der Keramik." Und durch die schlendert man sich so langsam von der untersten bis zur obersten Ebene barrierefrei, tönerne Exponate treffen dabei auf Modellöfen, Maschinen und Werkzeuge – und es gibt einen spannenden Exkurs zum Thema technische/Industriekeramik, die von Hüftgelenk und Küchenmesser bis zu Feuerschutz reicht. Ich gestehe, einiges hat mich gerade da echt überrascht. Irgendwie hatte ich immer nur den Römer- und vor allem Bowletopf aus Kindheitstagen im Kopf (zu letzterem gibt es eine eigenen Bereich im Museum).

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerEin wunderbares Entrée war mir die Anfang Juni auslaufende Sonderausstellung "Höhr-Grenzhausen bittet zu Tisch!", wo für jeden Geschmack ein ebensolcher eingedeckt dabei ist – und anschaulich die Virtuosität und Verschiedenheit der regionalen Keramiker-Szene im Kannenbäckerland zeigt. Ein Konzept, das auch der etwas überregionaler ausgerichtete Showroom im sogenannten "Keramik Kasino" mit angeschlossenem Laden verfolgt (einst ein Lichtspieltheater). Ein wundervoller Ort, um sich in liebevoll arrangierten Stillleben und kunstvollem Steingut zu verlieren … übers Schauen und Fotografieren wurde fast mein bestellter Kaffee und Kuchen kalt, der im Kasino Café auf mich wartete. Und am Ende stand die Qual der Wahl, was denn nun erstehen – so viel schönes, handschmeichelndes, stilvolles, augenerfreuendes! Wie gut, dass nur Barzahlung geht, sonst hätte ich womöglich mein Budget gesprengt. Zumal hier so herrlich die Formen und Farben von Blatt & Blüte auf Keramik & Co. trafen. Zuhause wurden die neuen Becher gleich mal passend mit Kräutertee eingeweiht. Ein bisschen Thementreue musste sein. Bis zum Ende.

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