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Loreley: Darum ist es am Rhein so schön

Veröffentlicht am 06.09.2019

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerÜber 60 Burgen, Schlösser und Altertümer begleiten den mächtigen Rhein zwischen Bingen/Rüdesheim und Remagen/Unkel – eine weltweit einzigartige Burgendichte, die die große Bedeutung des Rheintals offenkundig macht und mit zur legendären Rheinromantik beigetragen hat. Eine Protagonistin aber ist besonders berühmt. Sie ist auch aus Stein, aber Natur pur und doch von Menschenhand erschaffen, da viel besungen und literarisch verklärt – die Loreley.

Und es tut sich derzeit allerlei auf dem ebenso schroffen wie legendären Felsen im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal unweit von St. Goarshausen bei Rheinkilometer 555. Dort, wo die Strömung und Flussschleife dereinst so manchem Schiffer Unheil brachte, was der Mär zufolge aber dem betörenden Gesang jener wunderschönen Maid geschuldet war. Sie inspirierte Dichter und Denker wie Clemens Brentano und Heinrich Heine zu (Lied-)Texten und Gedichten.

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin;
ein Märchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.“

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerLängst ist die Gefahrenstelle entschärft: Einige Felsen unten an der Loreley wurden bereits in den 1930er-Jahren gesprengt, sodass die Loreleypassage viel von ihrer früheren Gefährlichkeit verloren hat.

Dennoch: Noch bis in die 1980er-Jahren wurden auf der Strecke St. Goar bis Bingen Lotsen eingesetzt. Heute sorgen modernste Schiffstechnik von Sonar bis Radar und ein ausgeklügeltes Signalsystem am Flussufer dafür, dass immer nur ein Schiff auf Berg- oder Talfahrt den letztlich immer noch strömungsstarken und kniffligen Rheinkilometer am Loreleyfelsen passiert. Wer von oben runter schaut, dem muten die Signale der überdimensionalen Schiffsampeln wie Zugsignale an. Und in der Tat, rechts und links der Ufers liegen zwei der schönsten (aber auch vielbefahrensten) Bahnstrecken dieser unserer Republik.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerAber das ist eine andere Geschichte, bleiben wir auf dem Plateau: Wer in früheren Jahren dort war, wird sich verwundert die Augen reiben – und nein, das hat nichts damit zu tun, das ihm irgendein Gesang die Sinne vernebelt! Der weht im Zweifelsfall auch von der 1939 erbauten Freilichtbühne herüber, wo sich im Sommer Top-Acts die Klinke in die Hand …

Wenige hundert Meter vom eigentlichen Aussichtspunkt entfernt liegend, erklingt hier von Rock bis Pop fast alles, was Open-Air-tauglich ist. Und wer am Konzerttag tagsüber das Plateau besuchen will, muss sich denn auch seinen Weg durch freundliche-kompetente Parkplatzordner, konzertbesuchende Wohnmobilisten, früh anreisende Abendgäste in PKW-Schlangen oder an- und abfahrende Technik-Trucks bannen, um dann aber doch unweit der Besucherzentrums parken zu dürfen. Es gilt: Fenster runter und immer brav sagen, wohin man will. Funktioniert tadellos!

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerSeit Ostern 2019 lädt von dort aus nämlich ein neu gestalteter Kultur- und Landschaftspark ein, die Loreley barrierefrei, neu und ganz anders zu erkunden. Noch ist längst nicht alles fertig, denn klugerweise baut man nur, wofür auch Geld da ist.

So kann man aber bereits bei einem gemütlichen Spaziergang auf dem Mythenpfad der Felsenspitze entgegengehen (mäandern ist wohl treffender, den der Weg schlängelt sich zackenreich über das Plateau) oder den direkten Weg über den gerade Strahlenweg wählen.

So oder so: Schon jetzt gelangt man damit vollautomatisch immer zu den sechs Aussichtpunkten im Park. Dort eröffnen sich teils spektakuläre Blicke in das tiefe Durchbruchstal des rheinischen Schiefergebirges.

Kein Wunder, dass man denn auch unter all dem Loreleynippes, -postkarten und sonstigen -schnickschnack so Augenzwinkerndes wie den Aufkleber „Mittelrheintal – Grand Canyon kann jeder“ findet.

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(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerIm Besucherzentrum (samt Touristinfo, Ausstellung mit 3D-Film und neu eröffnetem Bistro-Restaurant) informiert die sogenannte Bau-Infobox über die Umbaumaßnahmen auf der Loreley.

Sie berichtet vom Wettbewerb mit 25 teilnehmenden Planungsbüros. Beschreibt den einstimmig beschlossenen Siegerentwurf. Nimmt den Betrachter an die Hand, was alles schon rück- und aufgebaut oder bis dato ganz neu angelegt wurde – und was noch entstehen will. Wenn denn die nächsten Mittel eingesammelt und/oder bewilligt sind.

Woran hier niemand zweifelt, zu weitsichtig und nachhaltig hat man schon jetzt alles angelegt. Ob es die vier zukünftig Stein gewordenen Mythenpfad-Stationen sind oder die spannenden Felsspalte am Ende des Strahlenwegs, deren eine Seite zukünftig Station fünf des Pfades als erleuchtete, kunstvoll neu erstandene Felsspitze sein wird. Begehbar, mit kleiner Ausstellung.

Erkennbar ist schon eine Menge, angelegt etliches, in Arbeit noch viel. Wiederkommen lohnt sich also, zumal das Fernziel BUGA 2029 heißt. Fertig sein will man aber schon deutlich früher.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerFazit: Vermisst man das alte Berghotel an der Felsspitze? Den dortigen Großparkplatz? Definitiv nein! Für letzteres ist am Besucherzentrum neu gesorgt und wirtschaftlich war ersteres schon lange kein Thema mehr. Im Gegenteil, die Idee eines Neubaus sorgte dafür, doch noch mal die Nutzug des Loreleyplateaus neu zu überdenken. Der Rest ist dann schon jüngere Geschichte!

Vom alten Plateau übrig geblieben ist einzig das historische Turner- und Jugendheim (am Ende des 19 Jahrhunderts fanden hier die ersten Großtreffen statt, ab den späten 1920er-Jahren sogar jährlich). Verschwunden sind auch die meisten Blockhütten, die als Sportler-Unterkünfte bei den Turnfesten dienten, und die Anfang der 1960er-Jahre gebaute Turnhalle. Tempi passati.

„Die Luft ist kühl und es dunkelt,
und ruhig fließt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt
im Abendsonnenschein.“

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerDem Loreleyfelsen hat es gut getan. Die Natur hat, ebenso sorg- wie behutsam gestaltet und doch ihren Formen folgend (der allgegenwärtige Schiefer lässt grüßen, ich sage nur zackenreiche Wege), ihren Raum zurück bekommen.

Schon jetzt gibt es clever installierte indirekte Illuminationskonzepte, an den Aussichtspunkten kann man bereits erahnen, welche Infobänder dort entstehen werden, und wenn erst mal der Mythenpfad komplett umgesetzt ist, dann wird das hier ein rundum gelungenes echtes Highlight. Nicht nur 132 Meter über dem Rhein. Auch so!

Und wer weiß, vielleicht lässt sich die sagenumwobenen Loreley dann doch wieder hier hören … Ich jedenfalls werde nachschauen, äh: -hören, wie es dort droben weitergeht. Vom meinem heimischen Rheinkilometer 511 sind ihre 555 ja gar nicht so weit entfernt.

(c) Texterlei, S. Sahmer(c) Texterlei, S. SahmerEin letzter Tipp: Hier auf der rechten Rheinseite garantiert der Rheinsteig Wanderspaß pur. Er verläuft von Bonn über 320 Kilometer via Mittelrheintal und Rheingau bis nach Wiesbaden. 2005 eröffnet, hat er sich binnen kurzer Zeit zu einem der bekanntesten und beliebtesten Fernwanderwege Deutschlands entwickelt – und lässt natürlich auch das Loreley-Plateau nicht rechts liegen.

Man kann sich also mit dem Auto der Loreley nähern, man kann aber auch auf Schusters Rappen kommen. Oder unten im Tal mit dem Ausflugsschiff vorbei fahren. Das hat auch was.

Am besten mit einem guten Tropfen Wein. Denn auch darum ist es am Rhein so schön. Im Rheingau wie im romantischen Mittelrheintal.

Ich durfte Ende August 2019 zu einer exklusiven Führung über das Loreleyplateau samt Einblick in die Hintergründe und Entstehung des neuen Kultur- und Landschaftsparks hinzustoßen, die im Rahmen der Pressereise "Romantischer Rhein" der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH stattfand – danke für die Einladung.

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