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Neue Blinkwinkel und alte Wege: Frankfurts neue Altstadt

Veröffentlicht am 18.04.2018

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerNach gut dreieinhalb Jahren Bautätigkeit zwischen Römer und Dom, genau da, wo bis 2012 das 1973 fertiggestellte Technische Rathaus stand, steht die neue Frankfurter Altstadt kurz vor ihrer Vollendung. Wenn im Mai 2018 endlich die Bauzäune fallen, ist nicht nur der Weg ins und durchs neue alte Herz der Stadt nach Jahren wieder freigeben, auch der historische Kaiserweg kann dann wieder abgelaufen werden. Und die Main-Metropole erhält ein neues altes Stadtviertel zurück, wo dies einst über Jahrhunderte gewachsen war: Das DomRömer Quartier.

Im Herbst – wenn die hier passend zum historischen Stadtplan entstandenen Straßenzüge bereits zu Dreiviertel "belebt" sein werden, weil dann bis zu 200 neuen Bewohner in die über 60 Wohnungen eingezogen sind und der Großteil der 20 Läden sowie fünf gastronomischen Angebote eröffnet wurde – wird gefeiert: Vom 28. bis 30. September 2018 ist ein großes Festwochenende geplant. In der Paulskirche, auf dem Römerberg, in und rund um das Quartier bis hin zum Mainufer wird es ein buntes Programm geben und die Brücke schlagen zwischen gestern und heute. Im Juli, so heißt es von den Touristikern, werden die Details bekannt gegeben. Und man darf sicherlich auf die eine oder andere spektakuläre Inszenierung gespannt sein, denn Frankfurt hat schon bei anderer Gelegenheit gezeigt, dass es zu feiern versteht.

(c) S. Sahmer: Rebstockhof(c) S. Sahmer: Rebstockhof(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer: Hühnermarkt(c) S. Sahmer: HühnermarktAktuell wird jedoch noch kräftig gewerkelt. Bis in die Abendstunden hört man Stimmen und Schleifmaschinen, ertönt Bohren und Hämmern. Viele Zeichen stehen hinter dem Bauzaun derzeit noch deutlich "auf Baustelle" – nicht nur offensichtlich in den Gassen, wo teils noch letztes schweres Gerät steht, Container und noch zu verbauende Materialien. Denn hinter den schon schmucken Fassaden gibt es doch noch eine Menge zu tun, obgleich man hinter dem einen oder anderen Fenster schon mehr als nur erahnen kann, wie alles einmal aussehen wird. Das etwas sperrige Wort "Stadtreparatur" bekommt hier Leben und Charme – und Mainhatten eine neue Facette. So viel sei verraten: Sie wird sensationell!

Schließlich erstreckte sich hier dereinst eine der schönsten und größten zusammenhängenden, mittelalterlichen Fachwerkaltstädte Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese fast vollständig zerstört – das Ergebnis von etlichen Luftangriffen ab Sommer 1940 und verstärkt ab Herbst 1943. Im März 1944 dann besiegelten zwei heftige Luftschläge im Abstand von nur wenigen Tagen den endgültigen Untergang des alten Frankfurt. Die Stadtplaner meinten es nach dem Zweiten Weltkrieg dann sicher gut, wollten mit ihren neuen Gebäuden und Straßenanordnungen zeigen, dass eine neue Zeit beginnt – doch so richtig glücklich waren die Frankfurter mit der Lösung nie. Zumal Beispiele wie etwa Nürnberg zeigten, dass es auch ganz anders ging.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerDoch das jetzige, europaweit wohl einzigartige Bauprojekt im DomRömer Quartier geht noch einen Schritt weiter. Mit alten Werkstoffen, handwerklichem Können und viel Liebe zum Detail wurden hier nun ehemalige Stadt-/Patrizierhäuser sozusagen "hybrid" wieder aufgebaut. Was aus dem Trümmern gerettet worden war und in den letzten Jahrzehnten in Museen, Depots oder Privatbesitz teils vor sich hin schlummerte, kommt nun an so manchem Türsturz, Fensterbogen oder Hausecke zu neuen alten Ehren. Dem modernen Brand- und Bauschutz wird Rechnung getragen, so dass vielerorts der für die Stadt so typische Sandstein im Erdgeschoss nur Fassade ist, aber eben auch ganz klassisches Fachwerk aus altem Holz gebaut werden konnte. So entstanden 15 Rekonstruktionen historischer Gebäude, die den Vergleich mit alten Fotos und Filmen nicht scheuen müssen. Und dazu 20 Neubauten, die typische Stilelemente der Altstadt zeitgenössisch aufgreifen und modern interpretieren – so spannend kann Alt neben Neu sein. Und das Tollste: Auf dem rund 7.000 Quadratmetern großen Areal, das zum Teil bewusst auf das einstige Straßenniveau "tiefer gelegt" wurde, findet man nun auch, wie schon erwähnt, jene alten Gassen und Plätze wie vor 1944 wieder!

(c) S. Sahmer: Goldene Waage (li.)(c) S. Sahmer: Goldene Waage (li.)

(c) S. Sahmer: Hühnermarkt(c) S. Sahmer: Hühnermarkt

(c) S. Sahmer: Hinter dem Lämmchen(c) S. Sahmer: Hinter dem Lämmchen

(c) S. Sahmer: Rückseite Rebstockhof(c) S. Sahmer: Rückseite Rebstockhof

Mit zum Areal gehört zudem das bereits 2016 fertig gestellte Stadthaus am Markt. Es "schwebt" regelrecht über den Mauerresten der karolingischen Kaiserpfalz, deren Aula regio (wo anno dazumal bedeutsame Reichsversammlungen, Synoden und Beschlüsse stattfanden) dereinst dort lag.

(c) S. Sahmer: Stadthaus am Markt(c) S. Sahmer: Stadthaus am Markt(c) S. Sahmer: Im Archäologischen Garten(c) S. Sahmer: Im Archäologischen GartenDiese Überreste liegen quasi im frei einsehbaren Kellergeschoss im sogenannten Archäologischen Garten (der auch als die "Keimzelle Frankfurts" bezeichnet wird, beherbergt er doch auch die Spuren der ersten römischen Ansiedlung). Die schützende Überbauung durch das Stadthaus ermöglicht erstmalig die museale Präsentation dieser historischen Funde rund um Franconofurd – und ist zukünftig nicht nur durch dessen Lichtfallen einsehbar. Denn: Der Archäologische Garten wird tagsüber uneingeschränkt zugänglich sein!

Aktuell startet die Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main (TCF) mit neuen Touren im Stadtführungsprogramm rund um die neue Altstadt: "Frankfurter Merkwürdigkeiten– Rätselhafte, kuriose und versteckte Orte rund um die Frankfurter Altstadt" und "Steine erzählen – Geschichte und Geschichten aus Frankfurt oder Frankfurt für Fortgeschrittene" sollen zwei heißen. Die Touren werden vor allem für Gruppen in diversen Sprachen angeboten und beschäftigen sich mit der wechselhaften Geschichte, der toleranten Gesinnung und der Findigkeit der Frankfurter einerseits und mit Fassadenfiguren und Bauskulpturen andererseits.

(c) S. Sahmer: Goldene Waage (re.)(c) S. Sahmer: Goldene Waage (re.)(c) S. Sahmer: ehemaliger Krönungsweg mit "Rotes Haus" (c) S. Sahmer: ehemaliger Krönungsweg mit "Rotes Haus" (c) S. Sahmer: Innenhof zwischen Braubachstraße und Hinter dem Lämmchen(c) S. Sahmer: Innenhof zwischen Braubachstraße und Hinter dem LämmchenAb Juni 2018, wenn die Bauzäune am DomRömer Quartier gefallen sind, geht es dann endlich für alle richtig rein in die neue Altstadt. Dann beginnen die regulären öffentlichen Altstadt-Rundgänge, für die, so hört man, bereits eine große Nachfrage und gute Vorausbuchung herrscht: Die 90-minütigen barrierefreien Touren durch die verwinkelten Gassen und entlang des Krönungswegs werden bis Oktober 2018 täglich um 14 Uhr angeboten (im November/Dezember 2018 dann donnerstags bis samstags).

Tickets sind bereits online und in der Tourist Information Römer (Römerberg 27) erhältlich, wo die Touren auch immer starten.

(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. Sahmer(c) S. SahmerIch jedenfalls werde ganz sicher eine solche nochmal mitmachen – zum Vergleich mit jetzt. Denn aktuell hat das Viertel noch was von "Phoenix aus der Asche", auch wenn die Trümmer schon vor langer Zeit verräumt wurden. Man fühlt sich wie in einem Zeitvakuum; zwar ist noch nicht alles fertig und doch kann man sich das Leben hier schon vorstellen, es förmlich spüren. Die zukünftigen Bewohner wissen jedenfalls, auf was sie sich einlassen, heißt es. Denn sicher wird das DomRömer Quartier für die nächste Zeit ein, wenn nicht der "Platz zum Zeigen" in Frankfurt sein – nicht nur zu den öffentlichen Stadtrundgängen.

PS: Das während der Bauphase aus statischen Gründen anfangs teils verfüllte und dann zu Sanierungszwecken abschnittweise geschlossene Parkhaus DomRömer wird nun in neuer alter Weise auf gut 20.000 Quadratmetern über 600 Stellplätze bieten – und im Nordteil die technische Versorgung und Keller der Altstadthäuser aufnehmen. Auch zwei U-Bahn-Zugänge liegen wie gehabt im neuen alten Viertel, so dass es für Bewohner wie Besucher auch per ÖPNV schnell erreicht ist.

Die Presse-Baustellenführung erfolgte im Rahmen des VDRJ Regionaltreffens "Mitte" im April 2018 auf Einladung der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main.

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