Heilklimawandern:
Zwischen Atmen und Achtsamkeit

28. Januar 2026

Grandios präsentiert sich die Natur rund um die Zugspitze und Garmisch-Partenkirchen. Winters wie sommers kann man hier das Bergpanorama nicht nur sportlich aktiv, sondern auch ganzheitlich genießen – beim Heilklimawandern. Klingt wenig ambitioniert? Von wegen! Denn dabei trainiert man Ausdauer und Anpassungsfähigkeit.

Atmen ist mehr als Luftholen

Ich atme konzentriert tief ein und aus. In den Bauch. Nicht, dass ich schon eine Verschnaufpause bräuchte. Fordernd war die Strecke bislang noch nicht. Hier stehen bleiben, um die Gipfel des Bergpanoramas erklärt zu bekommen. Dort, um die Wanderkarte zu studieren. Nein, für eine Pause besteht eigentlich noch kein Bedarf. Doch bei der heilklimatischen Bewegungstherapie ist eben manches etwas anders.

Ich atme wieder bewusst tief ein und aus. Diesmal weisungsgemäß in den Brustkorb, was mit schwerfällt. Die Frage in die Runde zeigt denn auch, die eine Hälfte gehört zu den von Haus aus Brust-, die andere zu den natürlichen Bauchatmern. Ich zum Beispiel. Und? Nix und! Man solle nur hin und wieder in sich hinein spüren. Damit man dann auch richtig dorthin atmet, wenn’s anstrengend(er) wird. Denn begleitetes Heilklimawandern ist kein geführter Spaziergang, es fordert einen schon deutlich mehr.

Bedacht sein will vieles

Vorhin, beim Einführungsvortrag war alle Theorie noch grau. Nun ist praktiziertes Heilklima(wandern) angesagt. Und das umfasst Kleidung, Tempo, Puls, Entspannungsübungen, Pausen – alles spielt eine Rolle. Spätestens dann, wenn einem das Herz nach einem steilen Anstieg bis zum Halse schlägt und der Schweiß nicht nur von der Stirn rinnt.

Ja, die Bergwelt hier rund um Garmisch-Partenkirchen, seines Zeichens anerkannter heilklimatischer Kurort, hat es in sich, selbst wenn man nicht zum Königshaus am Schachen hoch wandert (was nur von Juni bis Anfang Oktober geht). Auch den Sonnenberg des Werdenfelser Landes, den Wank, mit seinem Ausblick auf Wetterstein- und Zugspitzmassiv, sollte man nicht unterschätzen. Der bietet zwar großes Naturkino – aber inklusive Ausdauertraining. Japs! Und wer von Partenkirchen über Wamberg, dem ältesten Kirchdorf Deutschlands, hinauf zur Eckbaueralm wandert (die Bergbahn nehmen kann ja jeder), wird ebenfalls merken, wie Wind, Wetter und Höhenlage „klimareizend“ auf ihn einwirken. Dagegen sind der Rundweg um die Werdenfelser Burgruine oder der Gang durch die Partnachklamm (im Winter nicht immer zugänglich) reinstes „Warmlaufen“.

Wander- und Höhenwege hat’s um Garmisch-Partenkirchen, das auch 90 Jahre nach der Ortsvereinigung kurz vor den legendären Olympischen Winterspielen 1936 noch immer mit seinem Doppelleben kokettiert, jedenfalls genug. Über ein Drittel davon sind im Winter „geräumt“ – wenn nicht über Nacht grad Neuschnee gefallen ist. Aber dafür gibt’s ja Schneeschuhe. Und Walking- oder Trekkingstöcke sind sowieso gern gesehen: Nicht nur der Entlastung des Bewegungsapparats wegen, sondern auch, weil mehr Muskeleinsatz einen gesunden Pulsanstieg und eine verbesserte Fettverbrennung bedeutet. Heilklimawandern ist eben ganzheitlich.

Apropos Stöcke. Die kommen unserem Klimatherapeuten gerade recht. Beim nächsten Stopp sind Balanceübungen angesagt. Allein, mit Partner, mit offenen Augen, mit geschlossenen – atmen nicht vergessen. Ein trainierter Gleichgewichtssinn unterstützt schließlich die Trittsicherheit, in unebenem Gelände oder bei schwierigem, rutschendem Untergrund. So langsam wird uns allen klar: Heilklimawandern hat es spürbar in sich. Einst von der Ludwig-Maximilians-Universität München speziell für den oberbayerischen Luftkurort erdacht und so nur dort praktiziert, fordert – sollte ich sagen „reizt“? – es den Wanderer rundum.

Lerneffekte setzen schnell ein

Nicht, dass wir keine Ausblicke genießen oder die Wintersonne – auch dafür bleibt Zeit. Bewusste Pausen sind Teil des Konzepts. Und eine gute Gelegenheit, die Gruppe zu studieren: Jüngere und Ältere, Erstbesucher und Stammgäste, Vielwanderer und Bewegungsmuffel. Die einen neugierig aufs klimagesunde Wandern wie ich, die anderen längst überzeugte „Mitläufer“.

Denen passiert auch nicht, dass sie viel zu flott die Steigung nehmen und oben schweißüberströmt keuchend ankommen. Wie war das noch mal mit der Kleidung? Lieber etwas kühler als das Behaglichkeitsempfinden? Hätte ich das nur schon vor dem Einführungsvortrag gewusst, ich bin viel zu dick angezogen. Beim nächsten Mal also alles luftiger, dünner. Denn – wieder was gelernt – zu den heilsamen Klimareizen, mit denen man wieder umgehen lernen soll, zählen auch Kälteadaption und instinktive Thermoregulation. Ja, verstanden, passiert mir nicht wieder.

Genauso wenig wie mein in höchste Höhen geschossener Belastungspuls. Auch, wenn wir den direkt nach dem steilsten Anstieg gemessen haben. Da muss ich wohl doch am Schritttempo arbeiten. Denn auch darum geht’s, soll das Heilklimawandern optimale Effekte erzielen: die richtige Belastung für sich zu finden. Zu gering ist ebenso schlecht wie zu hoch, in beiden Fällen ist der Trainingserfolg gleich Null. Weswegen die echten Heilklimakurenden (also die, die auf Rezept hier sind, denn das Angebot ist Kassen-anerkannt) auch mit Pulsuhren ausgestattet werden. Wir Reinschnupperer machen das manuell, geht auch. 60-75 Prozent des Maximal-Pulses sind optimal – da lag ich weit drüber. Passt prima, dass wir jetzt Muskelentspannungsübungen nach Jacobsen machen. Die holen runter, sind simpel, aber wirksam.

Zwischen Berg und Tal

Doch irgendwann sind wir wieder runter vom Berg, so schnell können fünf Stunden vergehen. Selbst ein Einkehrschwung war dabei, bei dem von fast allen überlegt wurde, was man sonst noch Gesundes tun könnte. Denn wenn wir auch nur für einige heilklimatische Ferientage hier sind: Da geht noch was!

Obwohl unsere zufällig zusammengefundene Klimawandergruppe „nur“ aus Urlaubern besteht, irgendwas zwickt doch jeden. Den einen Allergien, den anderen Wetterfühligkeit, den Dritten fallen leicht Infekte an. Auch dort kann das Heilklima(wandern) überall helfen. Oder vorbeugen. Wie übrigens auch bei Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Beschwerden des Bewegungs- und Stützapparates. Und Wander- und Höhenwege, die hat’s hier ja überall – und gute Luft sowieso. Und an was man denken muss und wie’s geht, das weiß nun nicht nur ich.

 

Offenlegung: Meine Heilklimawander-Erfahrung ist schon eine Weile her und wurde damals von Garmisch-Partenkirchen Tourismus unterstützt. Meine Meinung und Berichterstattung wurden davon nicht beeinflusst.

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