Lüneburg:
Unterwegs in der Salzstadt

25. März 2026

Über 1.000 Jahre ist die Salzstadt in der Heide alt. Und fast ebenso lang ist Lüneburg schon Soleheilbad. Irgendwie. Bereits im Mittelalter gab es in der Hansestadt nämlich nicht nur Siedepfannen, um das "weiße Gold" zu gewinnen, sondern auch beheizte Badestuben. Dort planschte man in Zubern mit Sole, die von Schmutz befreite und zugleich Leiden linderte.

Allgegenwärtiger Salzstock

Wenn die "salzige" Stadtgeschichte auch weitestgehend Vergangenheit ist, die prächtigen Patrizier- und imposanten Bürgerhäusern zeugen noch immer davon. Und der Salzstock unter der Altstadt ist noch immer Lüneburgs Wohl und Weh. Das jahrhundertelange Abpumpen der Sole hat nämlich Langzeitfolgen: Manches Gebäude sackt hier wegen unterirdischer Hohlräume so stark ab, dass es zwar fotogene Beulen in den Wänden hat oder skurril-schief daherkommt – aber es mancherorts eben auch einsturzgefährlich ist.

Denn lange war das "weiße Gold" ein so begehrter und wertvoller Rohstoff, den die Lüneburger wirtschaftlich extensiv zu nutzen wussten. Das kostbare Gut wurde via "Alte Salzstraße  (heute ein Radfernweg) nach Lübeck und von dort vor allem nach Nordeuropa verschickt. Eine echte Erfolgsstory – bis im 17. Jahrhundert das Salzmonopol fiel.

Das einstige "Salzhaus der Hanse" verlor zunehmend an Einfluss und Einnahmen. Wieder aufwärts ging es, als im Laufe des 19. Jahrhunderts der Sole-Kurbetrieb an Fahrt aufnahm. Heute werden in der Saline, die offiziell 1980 geschlossen wurde, daher weiterhin etliche tausend Kubikmeter Sole pro Jahr gefördert. Die landet aber nicht mehr als Körner in Salzstreuern in aller Welt, sondern als Naturheilmittel in der SaLü, der Salztherme Lüneburg. Sechs der insgesamt zwölf Becken und Whirlpools sind mit Salzwasser gefüllt – mit einem Salzgehalt von teils bis zu vier Prozent. Da können noch nicht einmal Nord- und Ostsee mithalten.

"Soliges" Schweben

Momentan sind daher das Wasserviertel rund um Stintmarkt und Alten Kran (wo einst das Salz verschifft wurde), der Hauptplatz Am Sande mit seinen vielfältigen Giebelhäusern (einst ein mit Sand abgestreuter Warenumschlagsplatz, natürlich auch fürs Salz), dem alten Wasserturm, mit seinem grandiosen Ausblick über die Stadt, und das Rathaus, dessen imposanter Komplex rund 800 Jahre Stadtgeschichte widerspiegelt (und den "salzigen" Wohlstand früherer Jahrhunderte dokumentiert ), grad ganz weit weg. Denn diese heilsame Seite des Salzes hat’s mir angetan.

Gerade bin ich im sogenannten Heidemoor der SaLü angekommen, wo sich seit der großen Renovierung mit dem Heidelauschen das Becken mit der höchsten Salzkonzentration – vier Prozent – befindet. Das gibt einem spürbaren Auftrieb. Um mich ist nur noch wohlig warmes Wasser. Sozusagen verdünnte Starksole aus besagtem Lüneburger Salzstock. Und die lässt meinen Körper seine Schwere verlieren. Jetzt noch den Kopf in mein Nackenhörnchen legen – und dann? Einfach treiben lassen! Das erinnert mich daran, wie ich hier Jahre zuvor Floaten in einer überdimensionalen Muschel erleben durfte.

Zwar bitzelt das salzige Wasser an der ein oder anderen Schramme (hätte ich beim Heidespaziergang doch mal lange Hosen angezogen), aber frau weiß vom Meer ja: das hilft heilen. Und die Unterwassermusik lässt einen die Zeit vergessen. Die man aber doch besser etwas im Blick behalten sollte, der Kreislauf lässt sonst niedrig grüßen.

"Salzige" Wohltaten

Huch, jetzt merke ich’s. Ich hätte schwören können, dass noch keine zehn Minuten vergangen sind, aber ich war wohl doch fast eine halbe Stunde hier im Becken. Das nennt man in der Tat tiefenentspannt. Sole und Wärme haben ihre Wirkung gezeigt. Kein Wunder, dass Floaten allen, die mit Stress oder Nervosität kämpfen, empfohlen wird. Wie übrigens auch Menschen mit Hautleiden, Bluthochdruck oder Schmerzen. Habe ich alles nicht, aber etwas Rücken. Und auch dem geht’s besser.

Um diese Entspannung noch etwas zu bewahren, setze ich mich draußen im Kurpark noch etwas "nachruhend" ans historische Gradierwerk von 1907. Erstaunlich: Damals es das einzige seiner Art bundesweit. Es wurde 2024/25 umfassend saniert und mit neuem Schwarzdornreisig bestückt. So kann man dort nun wieder die Sole quasi inhalieren. Auch das ist gesund: Salzluft reinigt nämlich die Atemwege, bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt die Abwehrkräfte.

Derweil überlege ich, was ich noch erkunden will. In jedem Fall das Deutsche Salzmuseum (Hinweis: (Teil-)Schließung möglich, denn es wird in den kommenden Jahren saniert und neugestaltet, worüber 2025 eine Sonderausstellung informierte!), weil ich noch einiges übers Salz als Würze (im Aufmacher eine Szene vom Schausieden), Wirtschaftsfaktor und Wohltat lernen möchte? Ja! Und noch mal in die Salztherme, weil ich noch nicht in der Salzsauna war? Klar!

Doch heute Abend geht’s erst mal mit dem Nachtwächter on tour, der wird sicher auch "Gesalzenes" über Lüneburg und die Heide zu berichten wissen. Ich bin mir sicher, ich werde auch von ihm einiges zum Salzstock, zu Siedewannen und Badestuben erfahren …

 

Offenlegung: Meine zugrunde liegende "salzige" Recherche ist schon eine Weile her und wurde damals teils von Lüneburg Marketing GmbH unterstützt. Meine Meinung und Berichterstattung wurden davon nicht beeinflusst.

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