Landesmuseum Mainz:
Wo Slevogts Werke virtuell neu entstehen

3. Dezember 2025

Max Slevogt gilt als einer der größten deutschen impressionistischen Maler, Graphiker und Illustratoren – und war der Pfalz nicht nur künstlerisch eng verbunden. In Leinsweiler an der heutigen Südlichen Weinstraße fand er seine Wahlheimat. Das Landesmuseum Mainz widmet ihm daher in den Ausstellungsbereichen "Kunst um 1900" sowie vor allem in der vor Kurzem neu gehängten "Moderne" bewusst viel Raum. Und macht seine Werke sogar virtuell erlebbar.

Ein Bayer in der Pfalz

Der 1868 im niederbayerischen Landshut geborene Slevogt lernte die Pfalz schon als Kind durch Aufenthalte bei Verwandten und Freunden der Familie kennen. 1889/90 entstanden hier etwa seine frühen Neukastel-Landschaften. Wenig verwunderlich daher, dass er in Mainz unter anderem zusammen mit Lovis Corinth und Max Liebermann zu sehen ist. Slevogt gehörte wie sie zu den Vertretern der Freilichtmalerei bzw. Freiluftmalerei, die im Gegensatz zur Ateliermalerei direkt vor dem Motiv in der freien Natur arbeiten. Und zählt wie sie zu den sogenannten "Deutschen Impressionisten".

1898 heiratete er seine Pfälzer Jugendfreundin Antonie Finkler aus Neukastel, mit der er zwei Kinder haben wird. Auf dem Hof Neukastel (heute "Slevogthof") fand er ab 1914 schließlich ein zweites Zuhause. Der einstige Meierhof wurde Slevogts Sommersitz – neben seiner Hauptwirkungsstätte Berlin. Dort wiederum war Slevogt einige Jahre im Vorstand der Künstlergruppe "Berliner Secession" tätig. So kommt es nicht von ungefähr, dass man in Mainz jenseits von Slevogt auch Werke weiterer Mitglieder des "Berliner Impressionismus“ wiederfindet, etwa Charles Crodel und Ernst Ludwig Kirchner.

Ein Landschaftsmaler auf Reisen

Doch aufgrund des großen Werk-Bestandes im Landesmuseum Mainz, ist insbesondere Slevogt eines der Alleinstellungsmerkmale des Hauses. Das spürt man auch daran, wie er hier in Szene gesetzt wird.

Wer sich etwa auf den Fußweg gen zweiten Stock und zu den Ausstellungsbereichen "Kunst um 1900" sowie "Moderne“ macht, wird gar nicht so beiläufig an der modernsten Slevogt-Inszenierung in der lichtdurchfluteten Arkade im ersten Stockwerk vorbeikommen: "Slevogts Welt VR". Wer sich eine der dort liegenden VR-Brillen aufsetzt, geht nämlich genussvolle 18 Minuten auf kunstvolle Zeitreise (alternativ gibt es auch eine fünfminütige Kurzversion) – und erkundet dabei die Welt mit Slevogts Augen und Pinselstrichen:

1914 unternahm Slevogt eine für sein künstlerisches Schaffen sehr bedeutungsvolle Ägypten-Reise. Die auf und nach dieser Reise entstandenen zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, vor allem aber 21 Gemälde (das Kamel in Öl in der "Libyschen Wüste" gehört dazu) gelten als Höhepunkte der Malerei des "Deutschen Impressionismus". Dank der dreidimensionalen Computeranimationen kommt man ihnen hier hautnah, es ist, als wäre man mittendrin. Mal sieht man die Welt aus Slevogts Perspektive, dann wieder wird aus der realen Szene das gemalte Bild und plötzlich scheint man selbst ein Teil von diesem zu werden.

Was für ein gut gemachtes immersives Virtual-Reality-Erlebnis! Nur den Kopf sollte man nicht zu schnell bewegen in dieser verblüffenden Mulimedia-Projektion, sonst könnte einem etwas schwindelig werden. Aber das hat man schnell raus, zumal man entspannt in großen Sesseln sitzt und sich nur zuschauend in der virtuellen Welt bewegt.

Ein Künstler mit Faible für (Raub-)Katzen

Wer kurz darauf (nicht nur) den Saal der vor kurzer Zeit neu gehängten "Moderne" betritt, kommt an einer kleinen Stele vorbei, die schmale Kunstkärtchen enthält. Das erscheint auf den ersten Blick Old-Style und ist doch gekonnt interaktiv. Die Kärtchen erinnern an Lesezeichen und sind doch mehr: die Aufforderung zu kunstvollen Entdeckungen anhand von Bildausschnitten. Auch ein Slevogt-Motiv findet sich darunter, der "Liegender afrikanischer Leopard" von 1901, der hier als Aufmacher dient.

Das erinnert die Älteren womöglich ein klein wenig an "Dalli klick", nur, dass keine neuen Bildausschnitte hinzukommen. Die Suche beim Schlendern durch die "Moderne" (und andernorts mit anderen Bildausschnitten) macht Spaß – wenn man denn die Kartenrückseite wirklich erst vor dem erfolgreich erspähten Gemälde liest. So lernt man im Falle Slevogts spielerisch, dass er der erste Künstler gewesen ist, "der die Tiere im Frankfurter Zoo als eigenständige Individuen mit ihren unterschiedlichen Charakteren malt“. Und dass Slevogt "selbst eine Leidenschaft für (Raub-)katzen [hatte], die eines seiner Lieblingsmotive waren."

Wieder was gelernt. Beim nächsten Mal mehr. Denn das Landesmuseum Mainz würdigt Slevogt immer wieder auch mit kleinen Sonderausstellungen. Nicht zu vergessen die von Museum mitbetreute sog. Max-Slevogt-Galerie im nach jahrelanger Sanierung endlich wiedereröffneten Schloss "Villa Ludwigshöhe" oberhalb von Edenkoben – unweit von Slevogts einstiger Sommerfrische in Leinsweiler. Er war eben irgendwie doch ein halber Pfälzer.

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