Bad Reichenhall:
Wohltuendes Solequellentraining unter Tage

11. März 2026

Das "weiße Gold" spielt im Berchtesgadener Land auf und unter Tage eine "würzige" Hauptrolle. Hier wird es schon ewig abgebaut, oben in Berchtesgaden zum Beispiel. Dort zeigt es auch seine andere, wohltuende Seite: im Salzheilstollen. Doch folgt man Salz und Sole ins Tal nach Bad Reichenhall, erwarten einen auch dort ungeahnte "salzige" Erfahrungen.

Ab- und auftauchen

In der Rupertus Therme beispielsweise, wo das Alpensalz so manchen Sauna-Aufguss "würzt" oder man in der Solegrotte "hochkonzentriert" im Salzwasser quasi schwebt und dem Salzgehalt sei Dank entspannt vor sich hindümpelt. Lieber eine ölige Laist-Anwendung? Aber gerne, denn der reichhaltige Mineralsoleschlick pflegt die Haut dank osmotischer Reizung. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht! Dünn auf die Haut aufgetragen verbessert Laist deren Durchblutung, aktiviert den Stoffwechsel und gleicht Irritationen aus.

Doch mehr noch hat es mir seit meiner Heilstollen-Erfahrung in Berchtesgaden das Einatmen salziger Luft angetan. Und das kann man in dem schmucken Kurort mit seinen Gründerzeitvillen und Prachtbauten, der sich aus gutem Grund „AtemOrt“ nennt, vielfach. Über wie unter Tage. Auch hier.

Ein- und ausatmen

Am Gradierwerk im Kurpark, dem gewaltigen Freiluftinhalatorium, über dessen zigtausend Schwarzdornbündel beständig Sole rieselt, kommt man sowieso nicht vorbei. Wieder gilt: In der Ruhe liegt die Salzkraft. Aber bitte nicht da flanieren, wo’s rieselt, sondern auf der gegenüberliegenden Seite. Damit der Wind die Salzwasserkristalle durch den Reisig wehen und so gesunde Bergluft mit Aerosolen anreichern kann. Spürbar! Einfacher kann man seine Bronchien gar nicht von Feinstaub und Pollen befreien. Einer Studie zufolge reichen bereits 30 Minuten Aufenthalt, um die Reinigungsrate der oberen Atemwege zu steigern. Da atmet auch der Gesunde gleich noch mal tiefer durch.

Das klappt auch prima bei einer "soledampfenden" Raum- oder Apparate-Inhalation im Kurmittelhaus der Moderne gleich um die Ecke. Ende der 1920er Jahre unverkennbar im Spätjugendstil eröffnet, ist es heute im doppelten Sinne ein moderner Gesundheitstempel. Die einen kommen zur ambulanten Reha her, die anderen, um sich präventiv etwas Gesundes zu tun. Inhalieren zum Beispiel. Die 20-minütigen Anwendungen sind noch intensiver als das achtsame Lustwandeln am Gradierwerk.

So gut gereinigt und durchblutet war meine Lunge schon lange nicht. Mit jeder salzigen Erfahrung mehr habe ich das Gefühl, noch ein wenig befreiter aufatmen zu können. Das merkt mein ganzer Körper. Das hat gesundes Suchtpotenzial.

Hinab zur Solequelle

So gönne ich mir noch eine salzige Tiefen-Erfahrung. Die führt diesmal zu Fuß zig Stufen hinab und etliche Stollenmeter hinein in den Berg. Genauer gesagt, in die Alte Saline. Hier in Bad Reichenhalls Unterwelt verrichtet die historische Pumpanlage seit über 150 Jahren pausenlos ihren Dienst und bringt das salzige Nass der Solequellen unablässig ans Tageslicht. Trotzdem ist es in den Gängen und Stollen erstaunlich ruhig, fast so wie in Berchtesgaden. Aber deutlich feuchter und irgendwie nobler – denn die in Marmor gefassten Quellen zeugen davon, wie reich das "weiße Gold" die Stadt und ihre Oberen einst machte.

Ganz unbeeindruckt bin ich davon nicht, als ich nun, unten im Quellenbau, mehr Industriedenkmal denn Bergstollen, ein Solequellentraining absolviere. Wieder umhüllt mich Berggestein, wieder passiert alles in großer Ruhe, wieder hilft das schummrige Stollen-Licht den Alltag auszublenden, wieder sind es nur knapp 12 Grad. Aber frösteln, das werde ich diesmal nicht. Warm wird mir, denn das Training ist Atem- und Bewegungstherapie zugleich.

Und wieder geschieht der Salzzauber: Huster werden weniger, Gemurmel verstummt, Ruhe kehrt ein. Fast meditativ folgt die Gruppe den leisen Anweisungen. Wir klopfen Energiebahnen ab, führen Qi Gong-Übungen aus und atmen. Tief. Ein und aus

Hinauf zum Brunnenhaus

Viel zu schnell ist die knappe Stunde "salzige" Atemtherapie rum. Schon wieder aufsteigen? Schade! Kein Wunder, dass das Konzept 2007 mit dem Deutschen Präventionspreis ausgezeichnet wurde. Darauf einen letzten Schluck Quellsole. Und ein letzter Blick auf die salzigen Wassernebel im Brunnenhaus mit seinen riesigen Wasserrädern, bevor draußen so "ungesalzene" Dinge wie etwa eine Gondelauffahrt zum Reichenhaller Hausberg Predigtstuhl auf einen warten.

Ein weiteres Mal bestätigt sich meine Erkenntnis: Salz hat was. Wohldosiert ist es eine Wohltat. Für den ganzen Körper, innerlich wie äußerlich. Die Tage im Berchtesgadener Land war es mir eine gesunde Lebenswürze, die ich nur empfehlen kann.

 

Offenlegung: Meine "salzige" Recherche ist schon eine Weile her und wurde damals von Berchtesgadener Land und Partnern vor Ort unterstützt. Meine Meinung und Berichterstattung wurden davon nicht beeinflusst.

Bad Reichenhall - Alte Saline: die historische PumpanlageBad Reichenhall - Alte Saline: das salzige Nass der SolequellenBad Reichenhall - Alte Saline: in Marmor gefasste QuellenBad Reichenhall - Alte Saline mit Predigstuhl im Hintergrund
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