Gepäcklos wandern:
Unterwegs auf dem Mullerthal Trail

11. Februar 2026

Die Region Müllerthal im benachbarten Großherzogtum, liebevoll kleine Luxemburger Schweiz genannt, ist ein wahres Wanderparadies. Auch bei Streckentouren kann es herrlich "leicht" gepäcklos erkundet werden. Darum kümmern sich die Gastgeber und ein Transportservice, der Gast folgt derweil wandernd dem rotem M für Mullerthal Trail. Und kommt Dank diesem Service leichter voran, denn die "Schweiz en miniature" hat es in sich.

Naturerlebnisse warten

Stufen, ich sehe nur noch Stufen. Aus Wurzeln, Steinen, Felsplatten, Erde oder Holz. Krumm, schief, unterschiedlich hoch und weit entfernt von DIN-Normen. Unerwartet viele sind es, die einen aus dem Tritt und außer Puste bringen. Sie führen hoch und wieder runter. Mal durch Felsspalten, dann durch weitere Taleinschnitte. Und kaum denke ich, nun kommen keine mehr, kommen wieder welche – und lassen mich an meiner Kondition zweifeln. Ich schnaufe hörbar, der Schweiß steht mir auf der Stirn.

Mannomann, das Müllerthal mit seinen 112 Trail-Kilometern auf drei Routen und fünf Extratouren hat es echt in sich! Was bin ich froh, dass ich nur den leichten Rucksack mit Tagesproviant, Regenjacke und Kamera mit mir rumschleppe. Reicht vollkommen, dass sein Fliegengewicht bei dem Gekraxel hier immer schwerer zu werden scheint, obwohl doch im Laufe der Zeit Wegzehrung und Getränke weniger werden.

Sicher, echte Schweizer Berge hätten es noch mehr in sich, aber an Tag zwei meiner Tour über den Mullerthal Trail weiß ich nun "felsensicher" (und davon hat’s hier eine ganze Menge, beindruckend groß, mit sagenhaften Einschnitten oder faszinierend platziert, mal stahlgrau, dann moosgrün und stets wildromantisch), warum seine Streckenabschnitte alle als mittel, wenn nicht schwer eingestuft sind. Nein, leicht geht anders. Das hatte ich so nicht erwartet, die nördlich angrenzenden Ardennen sind doch erst Mittelgebirge. Und dennoch, ich bin begeistert: Vom Trail, von seiner Natur, von der ganzen Region. Und drei Tage später von den Laufzeiten, Kilometern und tatsächlich auch Höhenmetern, die wir zurückgelegt haben.

Wandern bewegt

Denn mich hat der Wander-Flow erwischt. Jener Kick, dass kräftiges Marschieren und dabei trotzdem die Landschaft genießen, gesund ist und guttut. Vorbei die Zeiten, als Wandern nur ein Freizeitsport für ältere Semester war. Das war einmal. Heute wird generationsübergreifend gewandert. Um Stress abzubauen und die Natur zu erleben. Die einen nennen das, was sie tun, noch immer wandern, die nächsten neudeutsch Hicking, die Ambitionierten Trekking – und gehen auch entsprechend ausgerüstet los.

Stimmt. Hier im Mullerthal (oder Müllerthal), das nicht nur auf dem gleichnamigen Trail, sondern auch grenzüberschreitend auf den Felsenwegen des "NaturWanderParks delux", einer Kooperation mit der deutschen Eifel-Region, "abgelaufen" werden kann, sieht man das deutlich. Festes Schuhwerk, wohin man blickt (ich sage nur: Natur-Stufen!), dazu atmungsaktive Outdoorbekleidung (im Wald und zwischen den Felsen ist es gerne mal frisch, dann wieder gilt es, ein sonnenbeschienenes Plateau zu überqueren, wohl dem also, der Zwiebellook trägt). Und dass Trekkingstöcke entlastend für die Knie sind (Stufen!) und nicht nur ins Hochgebirge gehören, das wissen hier offensichtlich etliche.

An Tag drei ist unsere kleine Wandergruppe dann auch so im Wander-Flow, dass uns sogar die vom Guide vorgeschlagene Extraschleife nicht schreckt. Anderthalb Kilometer mehr, ohne nennenswerte Felsenstufen, aber mit viel Aussicht? Mannomann, das ist doch keine Frage!

Luxemburg beeindruckt

Denn zu sehen gibt es hier wirklich viel, ob versteckt zwischen den Felsen in Spalten und Höhlen, auf hohen Plateaus und überraschend weitläufigen Ebenen oder an den Etappenzielen, wo abends in der Unterkunft der Koffer und eine heiße Dusche auf den Wanderer warten. Der zum Essen mit leichtem Schuhwerk geht, derweil die Wanderschuhe lüftend auf dem Balkon stehen.

So ein Gepäcktransport ist echt was Feines, gepäcklos Wandern eine prima Sache. Denn es ist schon nett, wenn man abends den Look wechseln und den Wanderstaub genussvoll hinter sich lassen kann. Um dabei über all die Eindrücke zu plaudern, die man den lieben langen Wandertag über gesammelt hat, während man dem roten M für Mullerthal Trail folgte – und allerlei Stufen bewältigte (ich wollte sie nur noch mal erwähnen).

Das Dorf Müllerthal am Flüsschen Schwarze Ernz etwa, das der Region, die früher 88 Mühlen zählte, seinen Namen gab, mit seiner toll restaurierten Heringer Millen. Oder der Wasserfall am Schiessentümpel, die hoch aufragende Felsformation des Predigtstuhls, die magischen Felsspalten in der Wolfsschlucht, das wildromantische Aesbachtal mit der Höhle Huel Lee, in der früher die Mühlsteine für die Region gebrochen wurden oder der Ausblick von der Paulsplatte hoch oben über der Sauer, der bis tief in die Eifel reicht. Und nicht zuletzt Echternach, dessen Panorama von der neogotischen Basilika und der weitläufigen Benediktinerabtei bestimmt wird.

Im Großherzogtum gibt es eben eine ganze Menge "Schweiz en miniature" zu erleben.

 

Offenlegung: Meine "erleichterte" Wandererfahrung ist schon eine Weile her und wurde damals von Visit Luxembourg und Partnern vor Ort unterstützt. Meine Meinung und Berichterstattung wurden davon nicht beeinflusst.

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