Forum Würth Chur:
Kunst dank Schrauben

8. April 2026

Würth? Reinhold Würth? Ist das nicht der mit den Schrauben? Richtig, aber auch der mit inzwischen über einem Dutzend eigenen kleinen Kunstmuseen! Denn er sammelt nicht nur leidenschaftlich gerne Kunst, er macht sie auch allen zugänglich. Schritt für Schritt eröffneten dafür seit 1999 Kunstdependancen in den Würth Landesgesellschaften von Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, in Norwegen, Österreich, Spanien und der Schweiz. Dort sind es sogar drei Museen. Etwa das Forum Würth Chur.

Die Ausstellungen sind überall in die jeweilige Firma integriert, so entsteht ein Neben- und Miteinander von Kunstpräsentation und geschäftlichem Alltag. Das Ausstellungsprogramm basiert dabei auf der in Deutschland am Stammsitz im baden-württembergischen Künzelsau angesiedelten Sammlung Würth von moderner und zeitgenössischer Kunst. Das dortige Museum Würth ist sozusagen die Keimzelle dieses Netzwerks an über einem Dutzend Schauorten. Und alle zusammen sind das Ergebnis des kulturellen wie sozialen Engagements des namensgebenden deutsch-österreichischen Unternehmers. Bei ihm gilt nämlich: Wohlstand verpflichtet. Und das lebt der umtriebige "Herr der Schrauben" auch, der mit 19 Jahren die elterliche Schraubenhandlung übernahm und daraus ein Weltunternehmen mit Milliarden-Umsätzen machte.

Die Leidenschaft gehört der Kunst

Es heißt, in der Kunstwelt sei er mit seiner inzwischen über 60-jährigen Sammelleidenschaft eine Legende, umfasst die Corporate Collection doch rund 500 Jahre Kunstgeschichte. Sie reicht vom späten Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, von Plakaten bis Krippen, von Gemälden bis zu Skulpturen, von Einzelwerken bis hin zu ganzen Werkblöcken – und zählt heute über 20.000 Werke. Liest man sich ein, so erfährt man, dass einst Werke des Spätimpressionismus und Expressionismus Würths Einstieg in das Sammeln waren. Längst lesen sich "seine" Künstlernamen wie ein Who is Who der Kunstgeschichte, ist seine Kollektion so individuell wie universell.

Moderne und zeitgenössische internationale Skulpturen nahmen dabei von Anfang an einen besonderen Stellenwert ein. Als Dauerausstellung unterhält auch das 2002 eröffnete Forum Würth Chur im Außenbereich einen Skulpturenpark, auf den auch gleich schon am Firmeneingang überdimensional aufmerksam gemacht wird – und dessen Initiator dort wiederum kunstvoll, aber erkennbar zu sehen ist (siehe Aufmacher)

Zu sehen sind dort seit 2007 auf über 1.000 Quadratmetern Gartenfläche Werke von fünf renommierten Künstlerinnen und Künstlern. Dazu zählen Werke von Niki de Saint Phalle, wobei natürlich ihre berühmten Nana-Figuren, jene farbigen, mit großen Busen und breiten Hüften ausgestattete Frauenskulpturen, nicht fehlen dürfen (im Winterhalbjahr sind sie "eingekastelt", damit Schnee und Eis ihnen nichts anhaben kann). Auch ihr Gatte, Jean Tinguely, ist hier vertreten. Der bereits 1991 verstorbene Schweizer Künstler ist für seine beweglichen maschinenähnlichen Skulpturen, teils als Wasserspiele angelegt, bekannt. Und eine ebensolche steht auch hier. Zu entdecken gibt es zudem die eidgenössischen Carlo Borer, Bernhard Luginbühl und Not Vital – alle mir bis dato unbekannt. Aber man lernt ja nie aus, wenn man offen ist für Neues.

Die Kunst gehört allen

Und darum geht es Reinhold Würth ganz offensichtlich. Darum macht er Begegnungen mit der Kunst so vielfältig möglich – wie es auch der frühere Unternehmer Reinhard Ernst mit seiner Stiftung und dem mre in Wiesbaden macht. Das Motto dort könnte auch bei Würth gelten: "Die Kunst gehört allen." So ist der Skulpturenpark im Forum Würth Chur zum Beispiel öffentlich und kostenlos zugänglich. Und für das Kunstforum im Inneren der Niederlassung, das aus dem Erdgeschoss eine wechselnd bespielte Ausstellungsfläche macht, Kunstshop und Forum Café inklusive, zahlt man keinen Eintritt. Der kunstinteressierte Gast darf sogar auf den kostenlosen Besucher-Parkplätzen in der firmeneigenen Tiefgarage parken, was Anreise und Aufenthalt auch für (Durch-)Reisende sehr angenehm macht.

Und die Damen von Security und Empfang freuen sich auf jeden "fremden" Kunstinteressierten, der einfach so hereinschaut (wie ich), genauso wie etwa auf die heimischen Gruppen, die zur gebuchten Führung kommen: So geht herzlicher Empfang. Daher weiß ich auch, dass die Kunst "ein super ‚Eisbrecher‘ für Kunden und Partner" sei, die zum ersten Mal die Niederlassung betreten. Kunststück: Kunst ohne Dialog, da gibt’s doch gar nicht!

Während das Draußen wie beschrieben dabei dauerhaft daherkommt, wird man im Inneren immer wieder überrascht. Die von Deutschland aus kuratierten Ausstellungen wechseln meist halbjährlich (und wandern oft auch durch die verschiedenen Dependancen). Bei meinem Besuch im Frühjahr war kurz zuvor die Schau "Äpfel, Birnen und anderes Gemüse" eröffnet worden – und bietet noch bis 6. September 2026 einen kunst- und genussvollen Blick auf das, was auf den Tisch kommt. Übrigens: Dass hier "eigentlich" auch gearbeitet wird, davon bekommt man wenig bis nichts mit – nur wenn der Aufzug hoch- oder runterfährt. Das Neben- und Miteinander von Kunstpräsentation und geschäftlichem Alltag funktioniert also bestens.

Noch mehr Kunstvolles

Wer auf den kunstvollen Geschmack in Chur gekommen ist: Für das Bündner Kunstmuseum hatte ich diesmal keine Zeit mehr. Dort korrespondieren nicht Arbeit und Kunst an einen Ort, sondern zwei konträre Museumsbauten. Ein anderes Wechselspiel, aber genauso spannend.

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