

Der Durchbruch zwischen Weser- und Wiehengebirge, das Weserdurchgangstal (sehr sperriger Begriff, ich weiß), ist mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal Wahrzeichen und Namensgeberin von Porta Westfalica. Der lateinische Name für die "Westfälische Pforte" ist halt weitaus klangvoller und irgendwie auch weltgewandter. Geprägt schon im 18. Jahrhundert, beschreibt er das "Tor" von Westfalen, durch das die Weser in die Norddeutsche Tiefebene fließt. Und lohnt als Ausflugsziel mit tollem (Panorama-)Blick definitiv.
Erbaut durch die damalige preußische Provinz Westfalen 1892 bis 1896, entstand das insgesamt rund 88 Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Denkmal – die Kaiser-Statue selbst ist deutlich kleiner – vor dem Hintergrund der nationalen Ideen im Deutschen Kaiserreich. Majestätisch thront es seither über der Weser auf dem Wittekindsberg.
Es reiht sich ein in eine ganze Zahl von Nationaldenkmälern teils unterschiedlicher Erbauer, zu denen u.a. das Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim im Rheingau zählt. Eines eint die Bauten alle, ob sie in Berlin (Siegessäule), Leipzig (Völkerschlachtdenkmal), am Rhein (Deutsches Eck), im Teutoburger Wald (Hermannsdenkmal) oder eben im Weserbergland stehen: Sie sind monumental - und man hat immer den schon erwähnten tollen (Panorama-)Blick.
So auch hier: Der Weg hinauf ist ein erwanderbares Erlebnis. Oben angekommen, wird man mit einer spektakulären Aussicht über die Stadt Porta Westfalica, das Wesertal und die umliegende Landschaft belohnt. Wer nicht wandern will: Man kann auch entspannt mit dem Auto hochfahren. Das schmälert den besagten Ausblick keinesfalls.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal selbst ist dabei nicht nur ein Zeugnis der bewegten deutschen Geschichte seiner Zeit, sondern hat auch selbst so einiges erlebt.
Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1888 gab es in ganz Preußen Bestrebungen, dem ersten Kaiser des Deutschen Reiches ein Denkmal zu setzen – und so mancher Ort legte sich schwer in Zeug, "auserwählt" zu werden. Einer davon: die Porta Westfalica bei Minden, die letztlich auch das Rennen machte. Nach der Entscheidung für das Provinzialdenkmal folgte zum einen ein Architekturwettbewerb für die Gesamtanlage, zum anderen wurde die Metall-Statue ausgelobt. Hier wie dort wollten eine Menge Leute mitreden, ob es nun um Baudetails oder -kosten ging. Und dann war da noch Wilhelm II., der seine ganz eigenen Vorstellungen von der Bronzefigur seines Großvaters Wilhelm I. hatte …
Langer Rede kurzer Sinn: Der erste Preis des Architekturwettbewerbs ging an den jungen Berliner Architekten Bruno Schmitz vergeben, der ein Jahr zuvor schon den Wettbewerb für das Kyffhäuserdenkmal gewonnen hatte und später sogar noch das Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz (1897) und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal (1913) gestalten sollte. Er musste bis Baubeginn dann einige Abstriche machen zu seiner originalen Idee.
Und auch der Bildhauer Caspar Zumbusch, der den Zuschlag für die Statue erhielt, hatte wohl so seine liebe Not, bis alle zufrieden waren. Der eine wollte den Kaiser sitzend sehen, der nächste auf keinen Fall ein Reisestandbild und und und. Heraus kam, was heute immer noch steht: ein lorbeerbekränzter Wilhelm I. in Garde-du-Corps-Uniform, kurzem Waffenrock und adlergeschmücktem Hermelin-Krönungsmantel, der ebenso beschützend wie grüßend seine Hand hebt. Und einen tollen (Panorama-)Blick mit den Besuchern teilt.
Gebaut wurden das ganze Mauerwerk und die vielen Treppen für das Plateau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit in der Region gebrochenem "Porta-Sandstein". So wurde dieser unter anderem im, dem Wittekindsberg gegenüberliegenden, Jakobsberg gebaut. Passenderweise genau jene Gegenerhebung, mit der der Wittekindsberg die "Westfälische Pforte", die Porta Westfalica, bildet. Es braucht keine Karte und kein Fernrohr, man erkennt ihn sofort am großen Fernmeldeturm.
Der Jakobsberg birgt aber auch ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. In ihm wurde einer der Sandstein-Stollen, der geradezu majestätische Ausmaße haben soll (ich war selbst noch nicht dort), gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für über 1.500 KZ-Häftlinge aus ganz Europa jedoch zur regelrechten "Hölle". Es blieb wenig übrig von den glanzvollen wilhelminischen Bau-Zeiten. Vom Frühjahr 1944 bis zum Vormarsch der Alliierten Anfang April 1945 schufteten (und starben) hier Gefangene für eine unterirdische Produktionsanlage einer Erdölraffinerie, die nie in Betrieb gehen sollte: die sogenannte Untertageverlagerung "Dachs I".
Heute ist der Jakobsberg Teil einer NS-Gedenkstätte. Und bleibt doch nicht zuletzt seines tollen (Panorama-)Blicks auf den Wittekindsberg wegen auf immer mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal verbunden.
Dort wiederum wurde von 2013 bis 2018 kräftig "aufgeräumt", um endlich die letzten Spuren von Sprengungen Ende des Zweiten Weltkriegs zu beseitigen – wie es sie auch auf dem Jakobsberg gegeben hatte. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde restauriert und die Gesamtanlage gemäß einem neuen Besucherkonzept umgebaut. In der wiederhergestellten Ringterrasse des Denkmals entstanden ein Restaurant (anfangs hieß es sogar passenderweise "Wilhelm 1896", dem einstigen Eröffnungsjahr des Denkmals) und ein Besucherzentrum, das seinerseits anfangs eher übersichtlich mit allerlei Fakten und auch Skurrilitäten in einigen Schaukästen daherkam. Inzwischen wurde es erweitert, unter anderem mit Medienangeboten sowie einer großen Panoramawand.
Passt zur Location – so hat man immer einen tollen (Panorama-)Blick. Drinnen wie vor allem draußen. Und dort zudem jederzeit und kostenlos.



